Warum "Crazy Rich Asians" die Filmindustrie revolutionieren wird, aber dennoch problematisch ist

10 August 2018
Ein rein asiatischer Cast in einer Hollywood-Produktion? Revolutionär, aber nicht ohne Fehler.
Am Donnerstag, 23. August 2018 erscheint endlich "Crazy Rich Asians", der die Filmadaption von Kevin Kwan mit einem rein asiatisch besetzten Cast zeigt. Obwohl der Film dafür viel Lob erhält, ist genau dieser Umstand problematisch.
Was haben Titanic, Wie ein einziger Tag (OV: The Notebook) und Pretty Woman oder auch Crazy Stupid Love, Bridget Jones und Notting Hill gemeinsam? Alle sind sehr erfolgreiche Romanzen oder Romance Comedys und zählen zu den beliebtesten Filmen überhaupt. Eine Frau und ein Mann lernen sich kennen, verlieben sich, Drama bahnt sich an, am Ende gibt es dennoch ein Happy End. Merkt Ihr was? Alle Filme sind fast durchgängig mit weißen, heterosexuellen Schauspielern nach westlichem Schönheitsideal besetzt, die auch ebendiese Figuren widerspiegeln.
Romanzen und Romance Comedys sollen den Zuschauer emotional mitnehmen. Zuschauer müssen sich einerseits mit den Figuren identifizieren können, andererseits aber auch eine gewisse Sehnsucht aufbauen, genau solch eine Beziehung führen zu wollen. Das geht am einfachsten, wenn man ein Ideal kreiert, das alle sein wollen: Schön, jung, weiß und heterosexuell. Jeder akzeptiert diese Persona, sie wird von jedem min. als "angenehm" empfunden und mit guten Assoziationen in Verbindung gebracht.

Daraus resultiert eine Homogenisierung der Filmindustrie: Laut einer Studie der UCLA (2018) sind nur 1,4 von 10 Personen eines nicht-kaukasischen (nicht-weißen) Ursprungs in Hauptrollen in Hollywood-Produktionen zu sehen. Weiße Schauspieler erhalten mehr Rollen als Schauspieler mit einem Migrationshintergrund (78,1% aller Rollen gehen an Weiße) und verdienen ebenso um ein Vielfaches mehr. Frauen sind dabei noch stärker betroffen als Männer.
Daher ist die Filmadaption von Kevin Kwans Roman (2013) "Crazy Rich Asians" geradezu revolutionär. Denn: Der gesamte Cast hat asiatische Wurzeln. In den Hauptrollen sind Constance Wu (Fresh Off The Boat) und Henry Golding (The Travel Show) zu sehen, daneben noch bekannte Gesichter wie Gemma Chan, Awkwafina, Lisa Lu, Ken Jeong und Michelle Yeoh.

"Crazy Rich Asians" erzählt die romantisch-komische Geschichte von Rachel und Nick, die für eine Hochzeit nach Singapur reisen. Rachel erfährt in der Heimat ihres Freundes, dass er zu den wohlhabensten Familien in Asien zählt. Damit nimmt das Chaos seinen Lauf ...

Es ist definitiv erfrischend, eine rein asiatische Besetzung zu sehen. Für viele mag dies vielleicht ungewohnt sein, doch mir als Deutsche mit koreanischem Migrationshintergrund werden endlich die Vorbilder gezeigt, die ich in meiner Kindheit so vermisst habe. Ganz stereotypisch werden Asiaten sonst nur als der Nerd, die beste Freundin mit den strengen Eltern (Gilmore Girls), als Mafia Boss, als erprobter Nahkampfexperte oder als der Restaurantbesitzer mit dem gebrochenen Englisch dargestellt.

Asiatische Protagonisten als schöne, starke und selbstbewusste Personen zu sehen ist nicht nur ein persönliches Erfolgserlebnis. Die facettenreiche Repräsentation solcher Figuren ist wichtig für die gesellschaftliche Entwicklung und für das Aufbrechen von Stereotypen und Vorurteilen. Denn in der Geschichte wird Rachel mit dem Problem konfrontriert, "zu amerikanisch" zu sein und nicht in die Familie in Singapur zu passen. In den USA hingegen ist es genau andersrum. Dort wird sie auf ihr "asiatisches Aussehen" reduziert.
Dennoch ist der Film nicht ohne Fehler.

Schon der Titel reduziert die Charaktere auf ihre "asiatische" Herkunft, jedoch besteht Asien aus weit mehr als nur rund 50 Nationen. Während sich "Crazy Rich Asians" vor allem auf Ost- und Südostasien konzentriert, wird Zentralasien komplett außer Acht gelassen. Alle werden in einen großen Topf geworfen, obwohl jedes Land seine eigenen Kulturen pflegt. Zwar schafft man ein Bewusstsein für nicht-weiße Kulturen, jedoch differenziert man auch nicht weiter ("Der ist Italiener, der ist so.", "Ach ja, du bist so französisch!", "Der ist aus Asien!"). Es ist nach wie vor ein amerikanischer Film, dennoch können auch so neue Stereotype geschaffen werden.
Es ist auf jeden Fall ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, dass so viel über "Crazy Rich Asians" gesprochen wird. Der Hype schafft den Wind, den dieser Film braucht. Dennoch sollte man nicht gleich alles sofort feiern, sondern weiterhin kritisch hinterfragen.

Ich hoffe, dass die Einspielergebnisse die Erwartungen übertreffen, damit noch weitere solcher Produktionen folgen. Denn mit nur einem Film ist die Problematik der gerechten Medienrepräsentation bei Weitem nicht geklärt.

You-Rim Yoyó Kim für MTV

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