Ich bin Mitte 20 und hatte noch nie eine Beziehung - na und?!

Werde ich jemals eine Beziehung haben? Wieso hatte ich bis jetzt keine? Und wo ist überhaupt die ganze Zeit hin?

Als ich klein war, habe ich nichts lieber gemacht, als mir einen Disney Film nach dem anderen reinzuziehen. Ich habe die ganzen romantischen ‘Mädchen trifft Prinz und sie leben für immer glücklich zusammen’ Geschichten geliebt. Besonders Arielles Prince Eric hatte es mir angetan. Auch ohne Fischflosse an den Füßen habe ich immer gedacht, dass auch auf mich irgendwo mein ganz eigener Prinz Charming wartet. Mittlerweile bin ich mir da nicht mehr ganz so sicher. Ich bin jetzt 26 Jahre alt und hatte noch nie einen Freund. Während meine Freundinnen alle superglücklich mit ihren Jungs in den Liebesurlaub verschwinden, Buttercroissants essend im Park sitzen und ihre Liebesschiffe langsam, aber ziemlich sicher, in den Hafen der Ehe einschiffen, paddle ich völlig orientierungslos im großen weiten Singlemeer, auf der Suche nach einem Angelhaken zum Anbeißen.

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Ich erinnere mich noch an diesen einen Moment, in dem ich realisiert habe, dass auch meine Jugend nicht ewig halten wird. Plötzlich entwickelte sich in mir die Angst, für immer alleine zu sein. Werde ich jemals eine Beziehung haben? Wieso hatte ich bis jetzt keine? Und wo ist überhaupt die ganze Zeit hin? Natürlich habe ich Jungs gedatet und längere Affären gehabt, die sich aber immer im Nichts aufgelöst haben. Während meines Studiums hatte ich so viele andere Dinge zu tun, dass ich gar nicht gemerkt habe, wie die Jahre an mir vorbeigesaust sind. Ich war mir sicher, dass sich das mit dem Boyfriend von alleine regelt. Ich bin ja nicht die schlechteste Partie. Jetzt merke ich, dass mir leider überhaupt nicht klar ist, wie man die Person findet, die richtig für einen ist? Und warum will ich das überhaupt so dringend? Auch wenn es das Einfachste wäre, möchte ich nicht Walt Disney die Schuld in die übergroßen, gelben Micky Maus Schuhe schieben. Ich bin ganz sicher nicht die Einzige, der er unrealistische Vorstellungen von Liebe ins Kleinhirn gepflanzt hat.

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Vielleicht sind es genau diese Vorstellungen von der perfekten Liebe, an der meine Traumprinzsuche scheitert. Und das meine ich auf zwei Arten. Wenn ich mir die Beziehungen von manchen Menschen so anschaue, habe ich das Gefühl, dass sie nur mit ihrem Partner zusammen sind, weil sie eben eine Beziehung wollen. Sie wollen mit irgendjemandem zusammen sein und all die Dinge tun, von denen sie gelernt haben, dass man sie in einer Beziehung macht. Inklusive des großen Finales: die Traumhochzeit in der Mehrzweckhalle am Ortsrand. Ich habe oft das Gefühl, dass sich viele Paare nicht wirklich lieben. Nicht so, wie ich mir das mit der Liebe vorstelle. Es ist eher ein großer Kompromiss, um einem gesellschaftlichen Bild von Erfüllung und Glück zu entsprechen. Ich hingegen möchte einen Seelenverwandten finden, der mich versteht, wenn ich mich selber nicht verstehe, jemand für den ich die wichtigste Person auf der Welt bin, jemand der weiß, dass ich drei Stück Zucker in meinem Kaffee will, auch wenn ich nur zwei sage (um es mit Kate Nashs Worten zu sagen) – eine Beziehung voller Leidenschaft und ohne Konventionen. Aber gibt es das überhaupt? Oder bin ich bei meiner Suche auf der falschen Fährte? Vielleicht haben all die Beziehungpragmaten recht. Vielleicht wächst man in die Liebe rein und nimmt am besten den, der eben gerade praktisch und zur Verfügung ist. Ja, vielleicht ist am Ende doch Walt Disney schuld.

Aber brauche ich wirklich unbedingt einen Freund, um glücklich zu sein? Eigentlich war mein Leben bisher auch ganz okay. Ich kann tun und lassen, was ich möchte, ohne mich nach einer anderen Person richten zu müssen. Manchmal merke ich, dass ich vor lauter Sehnsucht nach einer Beziehung vergesse, im Hier und Jetzt zu sein, mein Leben als Single zu genießen und einfach darauf zu vertrauen, dass eines Tages der Mensch, der für mich richtig ist, in mein Leben treten wird. Wenn ich einen Jungen date, passiert es mir schnell, dass ich mich verknalle, weil ich jetzt unbedingt den Richtigen treffen will. Dabei klopfe ich manchmal gar nicht richtig ab, ob die Person überhaupt wirklich zu mir passt oder ob ich sie mir in meinem Kopf nur so zurechtbiege.

Auch wenn mir mein letztes Mittagessen hochkommt, wenn ich noch einmal jemand sagen höre, ‘man muss erst sich selbst lieben, bevor man von jemand anderem geliebt werden kann’, ist an diesem Satz vielleicht etwas dran. Auch wenn ich nie weiß, wie genau das mit dem ‘sich selbst lieben’ in der Umsetzung aussehen soll, bin ich mir ziemlich sicher, dass ich aufhören muss, ständig nach einem potenziellen Partner Ausschau zu halten. Ich muss mein Leben einfach nach meinen eigenen Wünschen und Regeln leben. Ich kann nicht länger auf einen Menschen warten, der mit mir durch dick und dünn geht. Ich geh ganz einfach alleine da durch. Und vielleicht laufe ich irgendwo zwischen eben diesem dick und dünn dem Richtigen über den Weg, während das Leben so passiert, ohne hausgemachten Stress und Druck. Vielleicht aber auch nicht. Wer weiß. Vielleicht wäre aber auch das gar nicht so schlimm, solange ich mein Leben nicht an die Sehnsucht verschwende und anfange auch alleine glücklich zu sein.

Text: KLARA LORENZ

Donnerstag, 21. April 2016