MTV Album der Woche: Mumford & Sons

Der Veränderung erster Teil - Mumford & Sons machen auf ihrem neuen Album 'Wilder Mind' (fast) alles anders.

MTV Album der Woche: Mumford & Sons – Wilder Mind

Es war irgendwie mit Ansage. In den Interviews zu ihrem letzten Album ‘Babel’, dass Mumford & Sons noch überlebensgroßer machte, als die Band zuvor eh schon war, sprachen die einzelnen Mitglieder häufig über die Gefahr der Wiederholung und wollten zu neuen Ufern aufbrechen, noch bevor sie dazu überhaupt jemand bewog. Nun ist es soweit. Im Jahre 2015 erleben wir die Kehrtwende und begrüßen mit ‘Wilder Mind’ eine Formation, die ihre Folk-Gitarren fast komplett unter Verschluss hält. Was für Stirnrunzeln schon anlässlich der ersten Vorabsingles sorgte und sicherlich nicht ganz unbegründet ist.

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Tatsächlich braucht es eine Weile, ehe sich das ganze Album mit allen Facetten entfaltet, da vieles sich im Mittempo-Pop tummelt und anfänglich verdammt ähnlich klingt. Mit der Zeit jedoch eine ungeheure Verspieltheit aufweist und zugleich belegt, dass Mumford & Sons nicht nur perfekte Handwerker an ihren Instrumenten sind, sondern auch im Songwriting genau dieses Handwerk an den Tag legen. ‘Amerikanisch’ ist dabei wohl das beste Stichwort, um ‘Wilder Mind’ annährend zu umschreiben und verwunderlich ist dieses Adjektiv auch nicht. Man denke nur an die vielen erfolgreichen Newcomer in den letzten Jahren, die – wenn sie denn vorher Indie waren – meist den Stadionsound oder das gemäßigte Radiopublikum anvisierten und genau dorthin wird es ‘Wilder Mind’ auch schaffen.

>>> Zum Lyric-Video zu Mumford & Sons' neuer Single 'Believe' geht es hier entlang.

Da sich Frontmann Marcus Mumford längst nicht mehr die Seele aus dem Leib schreit, sondern gesanglich wohlsortiert darbietet. Es sind generell keine Themen, die irgendwie anecken könnten. Vielmehr wird eine gewisse Gefühligkeit zelebriert, die irgendwo zwischen Holzfällerhemd und Bibel-Studium liegt. Was zuvor nicht zwingend anders war, werden Kritiker jetzt entgegnen, aber die Inbrunst, der Schweiß und das Mächtige in der Gesangsperformance fehlen ‘Wilder Mind’ über die gesamte Distanz. Ist es deswegen ein schlechter Versuch gewesen, alles neu machen zu wollen? Mitnichten, denn das Wagnis wird mit einer Homogenität belohnt, die es erleichtert, Mumford & Sons zu folgen.

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Freilich, das aneckende Element, welches die Band gerade auf ihrem fulminanten Debüt ausmachte, fehlt an manchen Stellen doch arg. Andererseits ist ‘Wilder Mind’ ganz weit vorne dabei, wenn es darum geht, dass sich eine Band neu erfindet und damit nicht alles falsch macht.

Label: Island/Universal Vö: bereits erschienen

Tracklist:
1. Tompkins Square Park
2. Believe
3. The Wolf
4. Wilder Mind
5. Just Smoke
6. Monster
7. Snake Eyes
8. Broad-Shouldered Beasts
9. Cold Arms
10. Ditmas
11. Only Love
12. Hot Gates

Und das vergangene ‘MTV Album der Woche’ gibt es hier.

Montag, 04. Mai 2015