MTV Album der Woche: Madonna

Älterwerden können andere, sagt sich Madonna und gibt auf 'Rebel Heart' die singende, springende Tanzmaus.

MTV Album der Woche: Madonna – Rebel Heart

Egal was man von Madonna in den letzten Jahren auch hielt, eines muss ihr ganz hoch angerechnet werden: Von den top-selling Megastars der Achtziger Jahre hat sie es fast als einzige geschafft, auch über das Jahrzehnt hinaus noch Relevanz für den aktuellen Popbetrieb zu haben. Sei es ihre Sex-Schiene mit dem 1992 veröffentlichten Erotica Album gewesen, die ihr Schlagzeilen ohne Ende brachte oder knapp 10 Jahre später das vielbeachtete Abba Jingle, dass Madonna in einem ihrer letzten großen Hits Hung Up parkte – im Gegensatz zu Kollegen wie Prince oder Michael Jackson schaffte sie es immer wieder den Zeitgeist mit ihrem Auftreten und ihren Songs auch Jahrzehnte nach den Achtzigern zu beeinflussen. Trotzdem gilt das letzte Studiowerk ‘MDNA’ mit gerade einmal 2 Millionen verkauften Exemplaren bei ihrer Größenordnung als Ladenhüter und wurde auch bei der Kritik als mehr oder minder als ‘Flop’ gewertet.

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Ja, sie scheint eben nicht älter werden zu wollen. Dabei gab es 1998 mit Ray Of Light die Möglichkeit als Künstlerin würdevoll den eigenen Jahren gerecht zu werden, doch immer wieder schnappte sich Madonna im Anschluss daran gefragte Producer, die gerade in den Charts hoch und runterliefen, um ja nicht als ‘alt’ zu gelten. Auch ‘Rebel Heart’ verfolgt einmal mehr dieses Prinzip und nur um die Liste halbwegs komplett zu halten, hier mal einige Kollegen, die sie dieses Mal im Studio besucht haben: Avicii, Diplo, Blood Diamonds, Billboard, DJ Dahi, Toby Gad, Ariel Rechtshaid, Ryan Tedder und Kanye West saßen allesamt hinter den Reglern bei der Produktion von ‘Rebel Heart’. Getreu dem Motto ‘viele Köche verderben den Brei’ fällt dank dieser illustren Runde die Homogenität hinten runter.

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Was nicht schlimm ist, denn wie Sampler klangen Alben von Madonna eigentlich immer. Dieses Mal ist es also EDM, was wir serviert bekommen, Hip Hop kombiniert mit Pop, Balladen fast keine, dafür aber jede Menge Uptempo-Tracks, mit der sich die 56-jährige wieder jünger machen will, als sie eigentlich ist. Die Single Living For Love erschien bereits letztes Jahr kurz vor Weihnachten und angesichts der restlichen Tracks fragt sich, warum es ausgerechnet dieser Songs sein musste, den Madonna stellvertretend für das Album als ersten vorausschickte. Es gibt viele starke Momente auf ‘Rebel Heart’. In denen wird klar, dass die Producer sorgfältig gewählt worden und doch lugt immer wieder der Verdacht durch, dass z.B. ein Avicii beim Song ‘Devil Pray’ mehr zu sagen hatte, als Madonna selbst.

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Bleibt festzuhalten, was auch bei den vergangenen Alben der Fall war: ‘Rebel Heart’ ist beste Prime-Time Unterhaltung und doch wünscht man sich, dass Madonna irgendwann eine Platte vorlegt, die ganz ohne die Mithilfe angesagter Producer entsteht. Wobei es bei ihr auch genau so dazugehört, diese an Bord zu haben. Die Crux ihrer Karriere.

Label: Interscope/Universal Vö: bereits erschienen

Tracklist:
1. Living For Love
2. Devil Pray
3. Ghosttown
4. Unapologetic Bitch
5. Illuminati
6. Bitch I’m Madonna
7. Hold Tight
8. Joan Of Arc
9. Iconic
10. Heartbreakcity
11. Body Shop
12. Holy Water
13. Inside Out
14. Wash All Over Me

Und das vergangene ‘MTV Album der Woche’ gibt es hier.

Sonntag, 08. März 2015