MTV Album der Woche: Deichkind

Die Zeichen stehen auf Sturm und Deichkind fragen mit ihrem neuen Album "Niveau Weshalb Warum".

MTV Album der Woche: Deichkind – Niveau Weshalb Warum

Heutzutage kaum vorstellbar, aber es gab vor nicht einmal zehn Jahren tatsächlich die Situation, dass Deichkind vor gerade einmal 80 zahlenden Leuten spielten und keineswegs die Mega-Combo waren, die ganze Hallen füllt. Kurz vor ihrer Entscheidung, das gemeinsame Projekt vielleicht doch ad acta zu legen, rafften sie sich ein letztes Mal auf, veröffentlichten mit Aufstand Im Schlaraffenland 2006 ein Album, dass ihre bisherige Karriere musikalisch auf den Kopf stellte und legten zugleich einen Überraschungshit hin, der Remmidemmi betitelt, sogar mehr als ein Jahr nach Release noch hoch und runter in allen Clubs gespielt wurde. Eine Transformation, die so mutig wie überraschend war und vor allem mit Erfolg gekrönt, denn seitdem spielen Deichkind wieder in der Liga, die sie sich Ende der Neunziger Jahre mit ‘Bon Voyage’ erobern konnten.

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Allerdings stehen die Mitglieder 2015 vor ebenso großen Herausforderungen, denn natürlich waren auf den letzten Platten immer derart griffige Songs, dass der Druck, diesen etwas Neues hinzuzufügen, nicht unterschätzt werden sollte. Um es vorweg zu nehmen, Niveau Weshalb Warum schafft es ohne Frage und kann die Klasse der vorangegangenen Werke auf der gesamten Distanz halten. Es ist wieder so, als lese man die Juice und die Groove gleichzeitig, derart gekonnt treffen HipHop-Referenzen auf elektronische Musik – die am Ende natürlich dominant ist, sich aber eben nicht derart nach vorne drängelt, dass man allein von einer Elektro-Platte sprechen möchte. Der Band selbst ist dabei etwas gelungen, dass viele vielleicht nicht erwartet hätten: Sie haben das neugewonnene Konzept endgültig verinnerlicht.

>> Zum neuen Deichkind-Video 'So 'ne Musik' geht es hier entlang.

Drei Alben nach Aufstand Im Schlaraffenland lässt Niveau Weshalb Warum keine Zweifel daran, dass Deichkind wissen, wer sie sind und für wen sie gehalten werden. Nicht umsonst sprach Philipp Grütering aka Kryptik Joe im MTV Special davon, das er seine Formation eben auch als eine Art Dienstleistung sehe, die den Leuten eine gute Zeit bescheren will. Nichtsdestotrotz sind immer wieder Themen dabei, die vordergründig unterhaltsam verpackt werden und doch einen ernsteren Ton anschlagen: ‘Like Mich Am Arsch’ beschäftigt sich z.B. mit der Form der Kommunikation dank Social Media & Co. und zeigt die massive Informationsflut, die damit einher geht. Hingegen darf angemerkt werden, dass sich die Kritik stets in Grenzen hält, denn das sind Deichkind wiederum nicht: Eine Band, die den Finger permanent in die Wunde legt.

>> MTV Special mit Deichkind: Wir trafen Philipp Grütering und erfuhren, warum die Band zeitweise an Trennung dachte.

Was sie aber auch nicht müssen, denn jemanden gut zu unterhalten, kann genauso viel Spaß machen, wie ihm den Spiegel vors Gesicht zu halten – Niveau Weshalb Warum ist Deichkind deswegen gelungen, weil es niemals langweilig ist und einen hervorragenden Dienst an der guten Laune leistet. Wer kann das schon von sich behaupten?

Label: Sultan Günther/Universal Vö: bereits erschienen

Tracklist:
1. So ’ne Musik
2. Denken Sie Groß
3. Like Mich Am Arsch
4. Powered By Emotion
5. Porzellan Und Elefanten
6. Was Habt Ihr?
7. Mehr Als Lebensgefährlich
8. Der Flohmarkt Ruft feat. Herr Spiegelei
9. Naschfuchs
10. Die Welt Ist Fertig
11. Niveau Weshalb Warum
12. Hauptsache Nichts Mit Menschen
13. Oma Gib Handtasche

Und das vergangene MTV Album der Woche gibt es hier.

Montag, 02. Februar 2015