MTV Album der Woche: Errdeka

Mehr als nur ein Genre wollte Errdeka auf seinem Debüt "Paradies" präsentieren und verhebt sich am gewagten Plan keineswegs.

MTV Album der Woche: Errdeka – Paradies

Das Wort ‘Hipsterrap’ bekam in den letzten Jahren unfreiwillig seine Bedeutung als Genre, das mehr und mehr Künstler hinter sich vereinte, die weder die Straße mit ihren Songs dominieren wollten, noch die Mutter des Sprechgesangskollegen penetrieren mussten. Gutes Beispiel dafür ist sicher Cro, aber auch SAM zu Beginn des Jahres oder zuletzt Olson, der als Olson Rough ja unlängst Street Credibility sammeln konnte. Aber als ‘Hipster Rapper’ bezeichnet werden will niemand von ihnen, denn es gilt als Schimpfwort für kalkulierte, gern auf Charts gebügelte Musik. Wobei dort inzwischen mit opulenten CD-Boxen alle hinwollen und niemand von ihnen den ersten Stein in der Diskussion werfen sollte.

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Errdeka liefert vielleicht das finale Statement zur unnötigen Debatte, was Hipsterrap ist oder eben nicht ist: Sein wunderbar ironischer Track ‘Ja Ich Bin Hipster’ ist ihm deswegen so gut gelungen, weil er sich das weite Herauslehnen aus dem Fenster leisten kann, denn genau dieser Song zeigt, wie groß das musikalische Spektrum von ihm ist. Mehr als Rap oder wahlweise HipHop ist auf dem Albumdebüt Paradies zu hören, Elektronische Musik steht dem nicht gegenüber, sondern wird immer wieder versucht in den Sound zu integrieren. Nun kann die Frage kommen, was daran innovativ sei, hätten in den letzten Jahren doch genug andere auch so gemacht. >> Das aktuelle Errdeka-Video 'Frau Für Eine Nacht' gibt es hier zu sehen.

Freilich, dem ist nicht zu wiedersprechen, aber die Art & Weise für einen immer noch als Newcomer bezeichneten Künstler, mit diesen Stilbrüche umzugehen, ist mehr als beeindruckend. Dabei schafft er es nicht gewollt zu klingen, niemals zu experimentell zu werden und immer ein Auge auf die Mainstream-Verwertung zu richten, die natürlich überhaupt nichts Schlimmes ist. Ganz im Gegenteil, Errdeka verpackt seine Ansagen auf Paradies so, dass im Prinzip keine Zugehörigkeit zu irgendetwas nötig ist, damit man versteht, worauf er hinaus will. Die Nische können außer seiner Sicht wahrscheinlich die bedienen, die sich dafür berufen fühlen, alle hier präsentierten 12 Tracks haben das große Ganze vor Augen und dies vollkommen zurecht.

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Im Kosmos von Errdeka bleibt alles offen und so wird das erstaunliche Debüt Paradies nur eine Momentaufnahme sein. Eines steht nämlich fest: Mit so viel Humor die eigene, vermeintliche Schmähbezeichnung auf die Schippe zu nehmen, dass muss Errdeka erst einmal jemand nachmachen.

Label: Keine Liebe/Groove Attack Vö: 24.10.14

Tracklist:
1. Stroboskop
2. Atme Ein Atme aus
3. Das Meer Und Ich
4. Der Perfekte Beat
5. Diggi
6. Schwarz Weiß
7. Lass Mich Los
8. Dope Fresh Tight
9. Frau Für Eine Nacht
10. Satan
11. Sternenpflücker
12. Outro

Und das vergangene MTV Album der Woche gibt es hier.

Montag, 20. Oktober 2014