MTV Album der Woche: Veysel

Die Vergangenheit, Vergangenheit sein lassen. Veysel blickt mit seinem Debüt "Audiovisuell" nur nach vorn.

MTV Album der Woche: Veysel – Audiovisuell

Er verbringe immer noch jeden Tag auf der Straße, bekäme alles mit und hört man den von Veysel in den vergangenen Wochen unter die Leute gebrachten Singles an, dass diese Aussage stimmt. Denn Sprechen ist das Stichwort bei ihm, er hat die Straße, wie man gerne sagt, komplett verstanden, weiß was dort abgeht und schafft es im Gegensatz zu vielen Kollegen, dies nicht nur 1:1 in seine Lyrics fließen zu lassen, sondern obendrein mit einer Akrobatik zu versehen, dass man sich wirklich fragt: Ist Audiovisuell das erste Album von ihm oder gar kein Debüt mehr? Beides irgendwie, denn der Anlauf zu dieser Platte war lang und mühsam. Vor Jahren rutschte eines seiner Demotapes Haftbefehl in die Hände und der war vom Fleck weg begeistert. Allerdings zu keiner Handlung fähig.

>> Die brandneuen Videos der Woche gefällig? Bitte sehr.

Veysel musste kurze Zeit später hinter Gittern, für drei Jahre und so sehr die Azzlackz stets zu überraschen wissen, ein Debüt aus dem Knast heraus zu veröffentlichen, dass ging leider nicht. Weswegen Audiovisuell vielleicht so ein starker Erstling geworden ist, da der Debütant Jahre mit den Tracks verbrachte und sie in tausend verschiedene Richtungen drehen und wenden konnte. Freilich, dass hier ist lupenreiner Starssenrap, für den Celo & Abdi durchaus Pate stehen könnten, aber Veysel hat wie sie einen Trademark, der ihn ausmacht und der ist seine Einfühlsamkeit. Vielleicht will er das als Junge von der Straße nicht hören, aber eine Form von wohlig warmer Melancholie und damit verbundener Reflexion blitzt immer wieder durch.

>> Zum Veysel-Video 'Was Der Kleine Sagt' geht es hier entlang.

Zudem macht Veysel auch nie den Fehler es nur bei derben Ansagen zu belassen. Man merkt, dass er aus einem streng muslimischen Elternhaus kommt und Respekt etwas ist, dass er von Klein-auf gelernt hat. Audiovisuell ist deswegen nicht die bloße Abrechnung mit der Vergangenheit, es zieht vielmehr die Lehren aus eben dieser und versucht etwas Positives den negativen Erlebnissen voranzustellen. Sowie jeder Song bemüht ist, nicht dem Schema F zu verfallen und zeigt, dass Veysel definitiv kein Rapper ist, der sich mit einer witzigen Punchline zufrieden gibt und dann den Rest des Tracks einfach drum herum strickt; fertig ist die Single.

>> Wie sich Haftbefehl auf sein bald kommendes Album freut und was er generell zu dem Hype um seine Person zu sagen hat, könnt ihr im MTV Video-Interview hier & jetzt sehen.

Chef Haftbefehl und die Azzlackz taten demnach gut daran, auf Veysel zu warten – Audiovisuell hält alles bereit, was ein Künstler von der Straße zu sagen hat und zu sagen haben sollte. Sicherlich, es gab dieses Jahr schon gute Debüts, aber dieses hier gehört zu den unfassbar guten.

Label: Azzlackz/Groove Attack Vö: 17.10.14

Tracklist:
1. Intro
2. Maximum Frisch
3. Run Motherfucker (feat. Celo & Abdi)
4. Duft der Straße
5. Tupac Tripp
6. Zwei Jungs im Benz (feat. Xatar)
7. Zahnlücke’
8. AZ Gillette Musik (feat. Haftbefehl)
9. Ghetto Krise
10. Futura (feat. Olexesh)
11. Skit
12. Hello
13. Blockleben
14. Was der Kleine
15. Green Mile (feat. Hanybal)
16. Die Besten sterben jung
17. Outro

Und das vergangene MTV Album der Woche gibt es hier.

Montag, 13. Oktober 2014