MTV Album der Woche: The Drums

Zurück mit dem dritten Meisterwerk in Folge, beenden The Drums die lange Stille dank ihrer brachial guten Platte "Encyclopedia".

MTV Album der Woche: The Drums – Encyclopedia

Der Hype habe sie aufgefressen, erklärten uns The Drums zuletzt um MTV Special anlässlich der Veröffentlichung ihres dritten Albums Encyclopedia. Dabei hatte man nach außen hin stets das Gefühl, diese Band könne mit dem Druck, der sich rund um das Debüt The Drums im Jahre 2010 aufbaute, hervorragend umgehen – denn eines stellten wir bei der Rezension zum Nachfolger Portamento wenige Monate später fest: Die Songs klangen noch fesselnder als der Erstling es schon tat. Fast ein wenig weise vor den Lebensjahren wirkten die damals noch als ‘wichtigste Band seit The Strokes’ gefeierte Combo und stellte locker alle Kritiker in den Schatten, die unlängst von einem kurzen Leuchtfeuer sprachen und The Drums mit denen verglichen, die keinen vernünftigen Nachfolger auf die Beine stellen können, jubelt man sie erst einmal in den Himmel.

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Richtig groß wird es nach der etwas längeren Pause jetzt wieder einmal: Die Druckkulisse scheint den New Yorkern zwar zu schaffen gemacht zu haben und so trennten sie sich die Gründungsmitglieder Jonathan Pierce und Jacob Graham von den hinzugekommenen Mitgliedern und ziehen ihr Ding zu zweit durch. Ein Entschlackung allerdings, die auch auf den Sound Einfluss nahm, ist unweigerlich gelungen – der starke New Wave-Einschlag des Vorgängers wurde für mehr Pop-Appeal geopfert und insgesamt klingt Encyclopedia weit mehr wie das Debüt The Drums als man es nach Portamento von ihnen erwartet hätte. Dabei fällt auf, dass die Tracks nicht ganz zu melancholisch gefärbt sind, sondern ausgeglichener, fröhlicher, ja fast optimistisch daherkommen.

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Was The Drums besser steht als der arg dunkle Charakter des Vorgängers, den sie natürlich auch deshalb wählten, um mit der Situation als meist-gefeierte Band zwischen New York und London zurechtzukommen. Mit Encyclopedia sind sie wieder dort angekommen, wo sie einst anfingen: ganz bei sich selbst und können dieses Release aus der zweiten Reihe heraus veröffentlichen, weil es eben nicht mehr darum geht der heißeste Scheiß jenseits des Kanals zu sein. Was jedoch beibehalten wurde, ist die Tatsache, dass der Indiepop in den vergangenen fünf Jahren kein besseres Zuhause als bei The Drums hatte – bzw. auch dieser Tage nicht findet. Ihr Songwriting offenbart eine stilistische Vielfalt, die über die Formel von Schlagzeug, Gitarre, Bass hinausgeht.

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Das Rampenlicht wurde letztendlich gegen die Ruhe nach dem Sturm getauscht und führte The Drums drei Jahre nach dem zweiten Album zu einem Werk, dass nicht nur einen großspurigen Titel trägt, sondern auch zeigt, wie nachhaltig und richtig das Aufsehen um diese Formation einst war. Mehr Encyclopedia geht im Independent nicht.

Label: Minor/Rough Trade Vö: bereits erschienen

Tracklist:
1. Magic Mountain
2. I Can’t Pretend
3. I Hope Time Doesn’t Change Him
4. Kiss Me Again
5. Let Me
6. Break My Heart
7. Face of God
8. U.S. National Park
9. Deep In My Heart
10. Bell Laboratories
11. There Is Nothing Left
12. Wild Geese

Und das vergangene MTV Album der Woche findet ihr hier.

Montag, 29. September 2014