MTV Special Alt-J: Nur nicht blenden lassen

Europas wichtigsten Album-Award, den 'Mercury Prize', haben Alt-J bereits mit dem Debüt geholt und wollen mit "This Is All Yours" nun nachlegen.

“Wir haben nicht vergessen, wo wir herkommen und hinwollen mit der Band”

In Deutschland gingen sie vielleicht nicht so durch die Decke wie in ihrer englischen Heimat, dort dafür umso mehr: Als 2012 ihr Debüt An Awesome Wave erschien, war der Name des Release wenige Wochen später Programm und das Trio schwamm auf einer Welle der Euphorie. Alt-J holten im Zuge dessen quasi aus dem Stand sogar einen Preis, für den manche Künstler ein ganzes Musikerleben brauchen: den Europa-weit renommierten Mercury Prize, den die Fachpresse alljährlich für das beste Album des Jahres verleiht.

>> Die besten Musikvideos von Alt-J gibt es hier in unserer Video-Playlist zu sehen.

Vom Erfolg blenden lassen sich Alt-J dieser Tage deswegen aber nicht. Ihr neues Album This Is All Yours soll vielmehr die Konsolidierung auf Bandebene schaffen, als sofort den nächsten Award einzuheimsen. Dafür haben die Englänger allerhand Gerätschaft ins Studio geschleppt und Songs fabriziert, die sie als derzeit innovativste Independent-Band jenseits des Kanals präsentieren.

>> Alt-J Live on Stage gibt es nur bei uns exklusiv hier zu sehen.

Wir trafen Alt-J zum kurzen Plausch über Hypes, warum sie ihr neues Album „This Is All Yours“ betitelt haben und welche Erwartungen sie als Band damit verknüpfen, wenn es nicht der nächste Mercury Prize sein sollte.

Was man von der Presse als Band überhaupt mitbekommt…

Joe Newman: Im Prinzip machst du als Musiker etwas falsch, wenn du alles mitbekommst, was irgendwo über dich geschrieben steht. Dafür fehlt dir bestenfalls die Zeit, weil du mit wichtigeren Sachen beschäftigt bist. Bei uns registrierte ich den sogenannten Hype zum ersten Mal, als die Konzerte sich plötzlich wie von selbst ausverkauften und wir hinter der Bühne standen und dachten: Wahnsinn, da stehen jetzt 2.000 Menschen die auf uns warten und unsere Songs auswendig kennen. Das macht dich glücklich und sollte vielmehr ein Ziel sein als gute Albumkritiken oder sonstiges in der Art.

Ein Album ist nicht mehr nur deins, wenn du es veröffentlichst…

Gus Unger-Hamilton: Der Hintergrund, warum der Titel unseres zweiten Albums ‘This Is All Yours’ lautet, ist folgender: Bis zur Veröffentlichung einer Platte gehören die Songs nur denen, die sie aufgenommen haben – danach ändert sich das Verhältnis dramatisch. Leute hören die Sachen und du hast keinen Einfluss mehr darauf, kannst nichts mehr ändern, selbst wenn jemand kommt und sagt, dass Lied hier ist Mist. Deswegen ist es euer Album ab diesem Zeitpunkt und daher der Name ‘This Is All Yours’.

Kein zweiter ‘Mercury Prize’, lieber größere Hallen…

Joe Newman: Es ist nicht nur toll eine wichtige Auszeichnung zu bekommen, sondern gleichwohl gefährlich: Schau dir manche Preisträger der letzten zwanzig Jahre an, die gibt es teilweise nicht mehr und der Glaube, dass nach der Überreichung alles wie von selbst laufen wird, ist risikoreicher als man denkt. Wir haben uns davon nicht blenden lassen und wollen einfach nur, dass die Leute, die uns damals gehört haben, die Sachen auch jetzt gut finden. Vielleicht ihren Freunden davon erzählen und die demnächst mit zu unseren Konzerten kommen. Darum sollte es dir als Band gehen.

>> Das neue Video von Alt-J 'Left Hand Free' gibt es hier.

Mit This Is All Yours zeigen Alt-J ganz klar, dass es ihnen um ihre Musik geht. Erneut ist dabei ein extrem facettenreiches Album zwischen Pop-Appeal und Radiohead Attitüde herumgekommen und zeigt zudem, dass dieses Trio vom Sound her schon gefestigter ist, als manch andere dies mit dem zweiten Album überhaupt wären.

Aktuelles Album: Alt-JThis Is All Yours (Pias/Cooperative/Infectious/Rough Trade)

>> Alle Infos zu Alt-J gibt es hier.

Alt-J auf Tour:

07.02.15 Offenbach – Stadthalle
08.02.15 Köln – Palladium
09.02.15 Hamburg – Docks
11.02.15 Berlin – Columbiahalle
17.02.15 München – Zenith

Samstag, 20. September 2014