MTV Album der Woche: Interpol

Zurück vom Point of no Return - als übrig gebliebenes Trio laufen Interpol auf "El Pintor" zur Höchstform auf.

MTV Album der Woche: Interpol – El Pintor

Es gab nicht wenige Skeptiker, die Interpol trotz des 2010 erschienenen, sehr guten Albums namens Interpol eine eher schwarze Zukunft voraussagten. Hintergrund dafür waren allerdings weniger die Songs selbst, als vielmehr die Tatsache, dass Gründungsmitglied, Bassist und Songschreiber Carlos Dengler die Band direkt nach den Aufnahmen verließ und nicht einmal die Zurückgelassenen selbst wussten, was die nächste Jahre für sie bringen könnten. Frontmann Paul Banks veröffentlichte ein Soloalbum und seine Kollegen wandten sich ebenso Projekten zu, die nichts mit der Stammformation zu tun hatten. Knapp zweieinhalb Jahre nach der letzten Tour war Ruhe im Karton, doch wer seine Indie-Rechnung bereits ohne Interpol machen wollte, wird nun endlich Lügen gestraft.

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Sie sind tatsächlich zurück und wie wir im MTV Special bereits erklären, mit all dem Elan, den eine Band braucht, um sich zwangsweise neu erfinden zu müssen: El Pintor ist deswegen keine Kehrtwende um 180 Grad, sondern eine Weiterentwicklung, wie sie für das Trio nicht anders denkbar war. Statt des stets omnipräsenten Bassspiels Denglers, sind es nun mehr die E-Gitarren, die meist stürmisch, manchmal zickig das eigene Ziel suchen. Hinzukommt ein Schlagzeug, das deutlich in den Vordergrund gerückt ist und nicht selten den ehemals prägnanten Bass zu ersetzen versucht. ‘Same Town, New Story’ heißt fast sinnbildlich ein Stück im Mittelteil der Platte und beschreibt El Pintor besser als jeder Redakteur dies könnte: Es bleibt eben doch alles anders.

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Inwieweit Interpol damit die Presse zufrieden stellen werden oder man ihnen einen gewissen Trademark-Sound mit oder ohne Dengler vorwerfen wird, ist jetzt noch nicht abzusehen. Sicher scheint aber, dass El Pintor die einzig mögliche Reaktion auf die Umorientierung als Band sein konnte – nun den Spieß komplett umzudrehen und etwas ganz anderes zu machen, nur um nicht so zu klingen, als wäre Dengler noch am Start, grenzt an totaler Idiotie. Dafür sind Interpol über die letzten zwei Dekaden zu clever geworden und ihr Songwriting viel zu anspruchsvoll, um sich von Außen-Einwirkungen derart fehlleiten zu lassen. Freilich, es gibt frischere Musikstile, die gerade kommerziell ausgeschlachtet werden als den Independent, aber wenn auf jemanden im Genre Verlass ist, dass auf Interpol aus N.Y.C.

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Von unserer Seite aus darf das Trio um Paul Banks also noch zehn solcher Alben wie El Pintor machen. Es gibt nichts, was daran nicht im Stile ihrer frühen Alben strahlt und die Tatsache, dass der Abgang ein Zugewinn wurde, macht die Songs noch größer als sie an sich schon sind.

Label: Pias/Cooperative/Soft Limit/Rough Trade Vö: bereits erschienen

Tracklist:
1. All the Rage Back Home
2. My Desire
3. Anywhere
4. Same Town, New Story
5. My Blue Supreme
6. Everything Is Wrong
7. Breaker 1
8. Ancient Ways
9. Tidal Wave
10. Twice As Hard

Und das vergangene MTV Album der Woche findet ihr hier.

Montag, 08. September 2014