MTV Album der Woche: Morrissey

Der Welthass steht ihm gut und so legt Morrissey mit "World Peace Is None Of Your Business" ein Album vor, dass ekelerregend brillant ist.

MTV Album der Woche: Morrissey – World Peace Is None Of Your Business

Natürlich, sonst stehen an dieser Stelle keine Künstler, die ihren größten kommerziellen Moment vor fast drei Dekaden hatten, sondern ist die ‘MTV Album der Woche’-Rubrik immer aktuell und richtet ihr Augenmerk darauf, was gerade am Heraufziehen ist und nicht darauf, wer sich nach einer halben Ewigkeit zurückmeldet. Der Rezensent dieser Zeilen ist allerdings weder mit Farid Bang, noch mit Kool Savas aufgewachsen, sondern hörte unentwegt The Cure oder – noch viel, viel mehr – The Smiths. Die es allerdings schon so lange nicht mehr gibt, wie die Grundschule in meinem Leben zurückliegt. Und: Wo The Cure Frontmann Robert Smith durch seine zurückhaltende, charmante Art in den letzten zwei Jahrzehnten zig Bands für sich gewinnen konnte, verscherzte es sich The Smiths Frontmann Morrissey mit allen und jedem.

>> Die brandneuen Videos der Woche gefällig? Bitte sehr.

Weil er drauf pfeift, wie sein Image in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird, da der Ruhm ihn längst hatte, er ihn aber nicht mehr wollte und seiner Stammformation den Rücken zudrehte, die heute noch abgöttisch verehrt wird – es sei allen Spätgeborenen also empfohlen sich zur Menschwerdung die vier Alben dieser inkommensurablen Combo zu holen, rauf und runter zu hören und zu erfahren, wo der Independent mit The Smiths anfing und zugleich aufhörte. Nun geht es uns aber nicht um die Legendenbildung einer Band, sondern um das neue Album eben jenen Frontmanns, den es zu lieben doch sehr schwer fällt: World Peace Is None Of Your Business hätte als Titel nicht besser gewählt werden können, denn es vereint die Misanthropie, die Morrissey hegt und pflegt und demgegenüber seine fanatische Liebe zu den Tieren und zur Natur irgendwie, denn vermehrt verhandeln seine Songs an einigen Stellen dieses Thema immer wieder.

>> Zum neuen Morrissey-Video 'The Bullfighter Dies' geht es hier entlang.

Im Gegensatz zum Vorgängeralbum Years Of Refusal hält sich der Zeremonienmeister dieses Mal allerdings zurück und klingt nicht ganz so nach breitbeinigen Männerrock, wie dies zuletzt der Fall war. Popmusik ist es deswegen allerdings auch nicht, aber die gewollte Eingängigkeit, die die Arrangements oder Harmonieböge manchmal zugrunde liegt, zeigt neben dem harschen – teilweise alles anklagenden Lyrics – eine erstaunliche Altersmilde. Möchte man fast meinen, aber wahrscheinlich ist diese Einschätzung am Ende genau so daneben wie jede andere Art der Analyse zu diesem Meisterwerk. Es Morrissey recht zu machen, geht sowieso nicht und niemand will dies an dieser Stelle auch nur ansatzweise ein solches Unterfangen angehen. Kurzum: Der Pop steht ihm dieses Mal mehr als es vor fünf Jahren der Rock tat und auch den hatte er vollkommen unter Kontrolle.

>> Zählt Morrissey und The Smiths ebenso zu seinen großen Einflüssen: Checkt unser MTV Special mit Fink. The Smiths damit abhängen? Nein, dass sollen seine Soloalben seit den Neunziger Jahren auch überhaupt nicht – Morrissey wird vielleicht gerne als verklärt umjubelt verschrien, aber nichts bereitete mir in den vergangenen Jahren mehr Freude als genau dieser verklärte Fan zu sein.

Label: Capitol/Universal Vö: bereits erschienen

Tracklist:
1. World Peace Is None Of Your Business
2. Neal Cassady Drops Dead *
*3. I’m Not A Man

4. Istanbul
5. Earth Is The Loneliest Planet
6. Staircase At The University
7. The Bullfighter Dies
8. Kiss Me A Lot
9. Smiler With Knife
10. Kick The Bride Down The Aisle
11. Mountjoy
12. Oboe Concerto

Und das vergangene MTV Album der Woche gibt es hier.

Montag, 14. Juli 2014