MTV Album der Woche: Linkin Park

Zurück zum harten Alltag - nach dem Remix-Release lassen es Linkin Park auf "The Hunting Party" ordentlich krachen.

MTV Album der Woche: Linkin Park – The Hunting Party

Die Spatzen pfiffen es schon von den Dächern, noch lange bevor Linkin Park das Album überhaupt der Presse zur Verfügung stellten: The Hunting Party sollte nach zwei mehr oder weniger experimentellen Ausflügen wieder ein Back to the Roots markieren. Dahin zurückgehen, von wo aus die Band um Frontmann Chester Bennington einst loslegte – beim harten Alternative-Rock, der zuletzt gerne mal gegen elektronische Spielereien ausgetauscht wurde und durchaus für Kritik sorgte. Denn so sehr die Weiterentwicklung in den Mannen drinsteckte, so wenig wollten einige Fans dies wahrhaben: Warfen Linkin Park anlässlich A Thousand Suns (2010) und Living Things (2012) gar vor, sich gegen den eigenen Sound zu wenden und darauf zu pfeifen, was sie einst berühmt werden ließ.

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Doch funktionierten auch diese Releases auf ihre Weise bestens, denn sie zeigten neben der bereits bekannten Härte Linkin Parks eine sehr erstaunliche Bandbreite der Musikalität und formten ein Songkonstrukt, dass – zugegebenermaßen – nicht sofort ins Ohr ging, sondern eher das Hirn anregte. Nun müssen sich Bennington, Shinoda & Co. gedacht haben: Tun wir den Skeptikern einen Gefallen und ziehen direkt über Los, sacken 4000 harte Riffs ein und klingen wieder so, wie die Fans der ersten Stunde es von uns manchmal verlangen. Erstaunlich, aber das Ganze gelingt der Band mit dem sechsten Album The Hunting Party ohne dass es sich wie eine einzige Reminiszenz anhört. Die Blaupause bleibt aus und dies zu verhindern, ist im Prinzip neben den Songs die größte Leistung des neuen Albums.

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Hinabsteigen Linkin Park für ihre Songs allerdings erneut in eine ganz eigene Welt – vielleicht die größte Konstante ihrer Karriere: Mit jedem neuen Werk erschaffen sie einen Kosmos, der wie eine Parallelwelt funktioniert und mit den Umständen bricht. Natürlich die Welt, wie wir sie kennen, aufgreift – diese jedoch verformt, weiterentwickelt und nach neuen Entfaltungsmöglichkeiten forscht. Bennington und Shinoda sind darin inzwischen derart geübt, dass The Hunting Party genau so verfolgt und eingezwängt wirkt, wie es neben dem stets mitschwimmen Quäntchen Trost, auch Hoffnung und einen Funken Glück versprüht. Einzutauchen in die vielschichtigen Lyrics, den immer doppelten Boden, dass ist quasi eine ähnlich Kunst, wie die Inhalte selbst zu entwerfen und neben der erneuten Kehrtwende im Sound, die größte Herausforderung, der man sich angesichts The Hunting Party stellen muss.

>> Video-Special Linkin Park: Mit bekannter Härte zu neuen Ufern – anlässlich Linkin Parks neuen Albums 'The Hunting Party' haben wir die besten Videos und Live-Auftritte am Start. Linkin Parks Return to from gelingt demnach nicht nur deswegen, weil sie geübt darin sind mit jedem neuen Release eine neue Seite von sich zu zeigen – sie fasziniert auch deswegen, weil die Band 2014 dort angekommen ist, wo sie es sich zu Beginn ihrer Karriere nicht hätte träumen lassen. Versöhnt von Anfang bis Ende.

Label: Warner Vö: bereits erschienen

Tracklist:
1. Keys To The Kingdom
2. All For Nothing (feat. Page Hamilton)
3. Guilty All The Same (feat. Rakim)
4. The Summoning
5. War
6. Wastelands
7. Until It’s Gone
8. Rebellion (feat. Daron Malakian)
9. Mark The Graves
10. Drawbar (feat. Tom Morello)
11. Final Masquerade
12. A Line In The Sand

Und das vergangene MTV Album der Woche gibt es hier.

Montag, 16. Juni 2014