MTV Special Kate Tempest: Hip Hop kann anders

Für Kate Tempest ist Hip Hop mehr als nur Bling Bling und fette Schlitten - ihr Debüt "Everybody Down" klingt wunderbar anders.

“Wenn Chuck D dich empfiehlt, ist das schon toll”

Man spricht immer gerne und schnell von so genannten Multitalenten. Kate Tempest ist aber wirklich ein solches, denn sie bekommt ihr MTV Special nicht nur, weil ihr Debüt Everybody Down so unfassbar großartig geworden ist, sondern auch deswegen, weil sich die in London ortsansässige Newcomerin bereits eine Karriere als Spoken-Word-Künstlerin aufgebaut hat und trotz des Erfolgs ihres ersten Buches Everything Speaks In Its Own Way (2012) den Mut besitzt, nun mir der Musik nachzuziehen.

>> Die besten Newcomer des Jahren – neben Kate Tempest – könnt ihr hier im Video-Special sehen.

Ob ihr das eine Talent für das andere half, weiß sie heute nicht mehr, aber der Hip Hop stand immer an erster Stelle – allerdings nicht in der Form, wie er in den amerikanischen Billboard-Charts abgebildet wird, sondern sie fabriziert ihn so rough, dass er perfekt zu den Stories passt, die sie parallel dazu als eine Art Geschichte mehrerer Personen erzählt. Neben den bereits von uns hoffierten Young Fathers das bislang beste Genre-Release aus Groß Britannien im Jahre 2014. Daran haben selbst ihre anfänglichen Kritiker keinen Zweifel.

>> Alles zu Young Fathers gibt es an dieser Stelle: Wie das verregnete Schottland einen zum credibilen Rapper machen, erklärten uns die Jungs im Interview.

Wir sprachen mit Kate Tempest über den Mut zum Stilwechsel, das Anrennen gegen dickköpfige Kollegen und warum ihre Musik mit den Gangstern zwar liebäugelt, aber keinesfalls die alte Leier von ‘Get Rich Or Die Trying’ aufgreift.

Eine Karriere, die im Schulbus begann…

Kate Tempest: Ganz zu Beginn hatte ich keine Möglichkeit mir Aufmerksamkeit zu verschaffen, weil ich für die Clubs mit 16 noch zu jung war. Also überlegt ich mir, wo ich Leute erreiche und sie mir im Gegensatz zur Straße auch zuhören müssen – im Bus! So rappte ich erst in der oberen Etage und ging dann nach unten. Genug Zeit, um alle Anwesenden direkt zu erreichen.

Weswegen die ‘harten Jungs’ manchmal nerven…

Kate Tempest: Ich gehöre sicherlich nicht mehr zu der Generation von weiblichen Rappern, die sich gegen die Männer in einem besonderen Maße behaupten müssen. Allerdings spürt man einen gewissen Geschlechterkampf gerade bei den Open Mic Nights – mich störte das allerdings nie und das richtig harte Pflaster war für mich eher der Poety Slam als Autorin.

Warum Hip Hop wichtiger als Bücher ist…

Kate Tempest: Lange bevor ich dachte: Wenn das mit dem Rappen funktioniert, könntest du deine Texte auch in Poetry-Form vortragen, war meine Liebe zur Musik entfacht. Anfänglich wunderte sich mein Umfeld, dass ich statt Madonna lieber Chuck D hörte, aber irgendwann war auch denen klar, dass Pop nicht mein Ding allein ist.

>> Zum neuen Kate Tempest Video „The Beigeness“ geht es hier entlang.

Obwohl ihr erstes Album Everybody Down ein ziemlich eingängiges Wunderwerk geworden ist, will Kate Tempest sich bei niemanden anbiedern und so sind auch die Texte der Londonerin kaum für die breite Masse geschrieben – das Hip Hop mehr als nur ausgelatschte Platituden kann, beweist dieses Debüt sehr wohl.

Aktuelles Album: Kate TempestEverybody Down (Big Dada/Ninja Tune/Rough Trade)

>> Alle Infos zu Kate Tempest gibt es hier.

Samstag, 17. Mai 2014