MTV Album der Woche: Kollegah

Der Boss oder wahlweise "King" ist zurück - Kollegah rechnet nicht nur mit der Konkurrenz, sondern auch mit sich selbst ab.

MTV Album der Woche: Kollegah – King

Von einem Mammut zu sprechen, ist fast noch ein bisschen untertrieben. Kollegah versammelt auf seinem neuen Album King nur ein Jahr nach seiner Kollabo mit Farid Bang satte 20 Tracks, die keine Interludes beinhalten, sondern jeweils sagen, was dem gebürtigen Hessen auf der Seele brennt. Natürlich kommen dabei seine Konkurrenten wieder unter die Räder und doch unterscheidet Kollegah von seinem oben erwähnten Kollegen die Tatsache, der er zumindest für einen Moment auf King die Maske fallen lässt – im Song ‘Morgengrauen’ zeigt sich Felix Antoine Blume (so sein bürgerlicher Name) als das, was er ist: Ein ebenso verletzlicher Mensch wie jeder andere. Der zwar gerne den Endgegner herausfordert, sich aber gleichwohl in den Backstage zurück ziehen kann und etwas wie Einsamkeit empfindet. Einer der stärksten Beiträge von vielen auf King.

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Abgesehen davon geht es meist harsch zu. Die AKs klemmen im Schrank, der Schotter rollt nicht nur unter dem Bentley, sondern auch auf den Konten vor sich hin und die Sorgenfalten der eigenen Mutter werden mit Einfamilienhäusern wieder gut gemacht. Kollegah ist und bleibt von seinen Rhymes und Punchlines der Beste eines Genres, dass der Feuilleton gerne als ‘Hantelbankrap’ bezeichnet und sich einen Spaß daraus macht, den Vertretern der Stilrichtung immer die Frage nach der Verantwortung gegenüber den Fans zu stellen. Eine gewisse Form der Abstraktion zwischen dem, was Kollegah & Co. machen, weil es den Lyrics Witz gibt und dem, was sie davon wirklich ernst meinen, sollte indes vorhanden sein. King geht derbe nach vorne und zieht alle Register, fordert aber genau so die Pflicht eines jeden Einzelnen ein, das Optimale aus seiner Situation herauszuholen, ohne dabei einen ellenlangen Strafen-Katalog anzuhäufen.

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Dazu gibt es die passenden Beats – mal macht es sich King mit allerhand Samples gemütlich und dann kommt der Pop wieder zum Einsatz. All das kombiniert mit den unglaublichen Skills, die er mit seinen acht- bis zehnsilbigen Reimen fast mühelos dazwischen streuen kann. Das mag für manche alles wie ein massiver Schwanzvergleich wirken und danach, dass es hier um den Längsten geht, aber die Rolle des Protagonisten dieses Albums ist nicht immer die des Künstlers selbst. Der gehört nämlich nicht zu der Sorte Rapper, denen es einzig um goldene Schlitten und Schnitten geht: Kollegah weiß um sein Talent und das spielt er auf King gerade deswegen so gekonnt aus, weil die Platte die arg plastischen Beats des Vorgängers beiseitelässt.

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Unterstützt von unzähligen Kollegen, geht King dahin, wo es wehtut und kommt mit wundervollen Songs zurück. Harte Schale, weicher Kern, so abgedroschen dies klingen mag, so sehr bewahrheitet es sich hier. Kollegah muss nun selber schauen, was danach noch kommen kann. Schließlich ist er der Boss, bzw. King.

Label: Selfmade/Universal Vö: bereits erschienen

Tracklist:
1. Alpha
2. King
3. Flightmode
4. R.I.P.
5. Cohibas, Blauer Dunst (feat. Farid Bang)
6. AKs Im Wandschrank
7. Morgengrauen
8. Sanduhr (feat. Favorite)
9. Du Bist Boss
10. Universalgenie
11. Lamborghini Kickdown
12. Karate (feat. Casper)
13. Schwarzer Benz
14. Rolex Daytona (feat. Game)
15. Warum Hasst Du Mich
16. Königsaura
17. Es Ist Rap (feat. Genetikk)
18. Click Click
19. Regen
20. Omega

Und das vergangene MTV Album der Woche findet ihr hier.

Montag, 12. Mai 2014