Kool Savas: Manipulation auf Spotify ist "lustig, dreist und verbrecherisch"

8 September 2020
"Ihr manipuliert nicht nur eure, sondern auch die Karrieren anderer."
Was lange Zeit komplett verheimlicht wurde, ist mittlerweile so gut wie jedem bekannt. Manche Künstler reden sogar ganz offen darüber. Shindy zum Beispiel: "Leute wundert Euch morgen nicht über die Zahlen. Ich hab für Laas paar Klicks gekauft". Damit erklärt sich dann auch, warum Laas mit seinem Song "AAA" aus dem Album "T.D.S." plötzlich 1,6 Millionen Spotify-Streams vorzeigen kann. Andere Songs der LP bringen es hingegen auf 40.000 bis 153.000 Streams. Gekaufte Klicks sind immer wieder ein Thema in der Rap-Szene und nun meldet sich auch Urgestein Kool Savas zu Wort. Via Twitter schreibt er: "Wenn Interesse besteht kann ich versuchen Euch das Streaming-Kauf-Game analytisch und klar zu präsentieren. In jeden Fall ist es lustig, dreist und verbrecherisch".
Seitdem das Y-Kollektiv im Mai 2020 mit einer Dokumentation auf die Chartminpulation aufmerksam machte, die es bereits erfolgreichen Künstlern und Labels ermöglicht, hohe Positionierungen und noch höhere Streamingzahlen zu kaufen, hat sich der Blick auf vermeintlich erfolgreichen Rap-Newcomer sehr verändert. Was wie ein Raketenstart vereinzelter Durchstarter im Business wirkte, ist für viele Rapfans einfach nur noch fake. "Das Rap-/Chartgame hat sich zur Tour de France entwickelt, die Spitze ist gedoped und der der nicht auf Stoff ist hat keine Chance", bringt ein Twitter-User die momentane Situation auf den Punkt.

Savas erklärte seinen Followern jetzt via Twitter, woran man die Fake-Künstler erkennen kann. Das Offensichtlichste sei ein hoher Peak in der Releasewoche ohne weitere Dominanz in den folgenden Wochen. Nach Savas wisse jeder Mensch der Musikindustrie, dass so ein Verlauf nie natürliche Gründe hat - sondern immer auf gekauften Streams basiert: "Erste Woche Top 10 Singlecharts, zweite Woche knapp Top 100 – jede*r Manager*in, jede*r Künstler*in weiß, dass das Blödsinn ist."
Eine Million Streams würden ungefähr 3.500 Euro kosten, so der Berliner. Das sei ungefähr das, was Spotify einem für die Streams im Nachhinein auch auszahlt. Ein Deal, der wirklich zu gut klingt. Ob Streams echt oder unecht sind, erkenne man auch im Vergleich verschiedener Streaming-Portale. Natürlich würden die meisten Menschen ihre Musik über Spotify streamen, jedoch sollte das Ganze in einem angemessen Verhältnis zu anderen Streamingdiensten stehen: "Auf Spotify zehn Millionen Streams, bei iTunes nicht mal 50.000", für Savas eindeutige Beweise, dass etwas nicht richtig sein kann. Hier alle Tweets des selbsternannten "King of Rap":
Warum das Geschäft mit den Fake-Streams so einfach und nicht nachweisbar zu sein scheint? Dafür liefert der Rapper Richter eine Erklärung. Er gibt an, in seinem Bekanntenkreis Programmierer zu haben, die intelligente Bots entwickelt, die das Verhalten eines echten Spotify-Hörers nachahmen. So würden sie etwa schlafen gehen oder das Hörverhalten ändern. Damit sei das Programm, dass die Streamingzahlen der Chart-Betrüger in die Höhe schnellen lässt, nicht nachvollziehbar - eine wahre Gelddruckmaschine.

Wirklich negative Konsequenzen hat bisher noch kaum ein Musiker zu spüren bekommen, der sich dazu entschieden hat, seine Zahlen zu faken. Doch die Community verlangt langsam nach einer Antwort auf die Frage, wie Unternehmen wie Spotify in Zukunft mit Künstlern umgehen wollen, die ihre Karrieren strukturell mit illegalen Streamingkäufen pushen.

Kool Savas & Alies - AMG

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