MTV Special Thomas Azier: Ein Fahrstuhl in die Charts

In einer Fabrikhalle in Berlin nahm Thomas Azier sein Debüt "Hylas" und erklärt im MTV Interview die Vergleiche mit Hurts für ungültig.

“Ich musste aus der Enge meines Umfelds ausbrechen”

Die Reise, die Thomas Azier für sein erstes Album Hylas auf sich nahm, bugsierte ihn am Ende in die deutsche Hauptstadt Berlin. Hier fand er im Bezirk Lichtenberg nicht nur ein Studio in einer ehemaligen Gießerei für Glocken, sondern auch Inspiration, die ihm lange Zeit verwehrt blieb. Wer die Songs auf dem Debüt nun hört, der weiß, dass Azier nichts dem Zufall überließ und mit dem Erstling alles bis ins kleinste Detail richtig machen wollte. Was ihm hörbar gelungen ist: Größer, atmosphärischer und vielseitiger als die halbe Indiepop-Konkurrenz präsentiert er sich und richtig den Blick nicht zu unrecht auf die Charts.

>> Zum Thomas Azier-Video zur Single 'Angelene' geht es hier entlang.

Dabei überlässt er auch abseits der Musik nichts dem Zufall, denn die Darreichungsform von Hylas ist ähnlich durchdacht wie die darauf enthaltene Musik selbst: Auf Hochglanz poliert zeigt sich der Newcomer, den wir bereits in unserem MTV Newcomercheck vor ein paar Monaten im Visier hatten, auf allen Pressebildern und scheint neben seinen Sounds auch optisch neue Impulse setzen zu wollen – wer all das jedoch als reine Reminiszenz an die Vergangenheit bzw. die 80er Jahre versteht, der hat seine Rechnung ohne Azier gemacht, denn dieser will mehr als nur seinen Idolen nacheifern.

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Wir trafen Thomas Azier in seinem Studio in Berlin Lichtenberg und sprachen mit ihm über Deutungsmöglichkeiten, warum die deutsche Hauptstadt ihn anfangs geschluckt hat und wie er sich trotz finanzieller Probleme zu solch einem Album wie Hylas durchringen konnte.

Mit der Band Hurts mag er nicht verglichen werden…

Thomas Azier: Das ist vollkommen normal, wenn Leute nach dem Hören eines Songs von einem ihnen unbekannten Künstler versuchen Verbindungen herzustellen. Zuletzt las ich allerdings, meine Singles würden wie Hurts in Gut klingen und das stört mich dann schon ein wenig, weil es zum einen Hurts schlecht macht und andererseits so wirkt, als habe ich im Studio gesessen, mir deren Alben angehört und den Sound verbessert. Völliger Quatsch, ‘Hylas’ entstand losgelöst von irgendwelchen Vergleichen.

Wie er mit Hilfe von Schrottteilen in Berlin seinen Sound fand…

Thomas Azier: Berlin hat mich wie viele Künstler auch, immer fasziniert und doch fühlte ich mal hier anfangs etwas verloren – allerdings würde ‘Hylas’ nicht so klingen, hätte ich es woanders aufgenommen. Damit meine ich weniger die Stadt, als vielmehr dieses Studio, in dem wir gerade sitzen: Früher war hier eine Fabrik und deswegen liegt allerhand Gerümpel in den Gängen herum. Die haben wir genommen und der Fahrstuhl, der auf dem Album zu hören ist, ist tatsächlich der, den ich jeden Tag nutzte, um ins Studio zu kommen.

Warum sein Feature mit Casper kein Vortäuschen falscher Tatsachen war…

Thomas Azier: Viele dachten nach meinem Feature auf dem ‘XOXO’-Album von Casper, ich wäre ein Hip Hop-Künstler und natürlich würde ich eine weitere Einladung von ihm genau so annehmen. Darum geht es in der Musik doch, dass man die Vielseitigkeit nimmt und daraus etwas entstehen lässt, das sich neu anfühlt.

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Ganz so neu ist diese Erkenntnis nicht, macht Thomas Azier aber wie Anfang des Jahres bereits angekündigt zu einen der besten Newcomer der Saison – hier hat der Pop eine Heimat gefunden, die ihm nicht nur seine Eingängigkeit abnimmt, sondern diese um Tiefe und Atmosphäre erweitert. So gut es überhaupt geht.

Aktuelles Album: Thomas AzierHylas (Caroline/Universal, 25.04.14)

>> Alle Infos zu Thomas Azier gibt es hier.

Montag, 21. April 2014