Extreme Fanliebe: Groupie

    Wann gab es eigentlich die ersten Groupies? Und wen haben diese Frauen verehrt? Wir sind diesem popkulturellen Phänomen auf die Spur gegangen.

    Jeder hat – hoffentlich – zumindest eine Leidenschaft in seinem Leben. Bei dem Einen ist es die Miniaturmodellbahn, beim Nächsten der BVB, die Übernächste sammelt alles, was sie über Vivienne Westwood findet. Eine der meist verbreiteten Leidenschaften ist aber die Musik, das musikalische Sprachrohr unserer Persönlichkeit. Man kuratiert seine Playlist wie ein vertontes Museum, in dessen Hauptgebäude nur wenige Plätze frei sind. In dieses Areal dürfen nur unsere Lieblinge, von denen wir Poster sammeln, Social Media Kanäle abonnieren. Die uns vor Konzerten Bauchflattern bereiten und denen wir den ganzen Tag zuhören könnten. Die uns zu ihren Fans werden ließen.

    Das Wort Fan leitet sich vom lateinischen Begriff Fanaticus ab und heißt von einer Gottheit ergriffen, in Raserei versetzt, begeistert, schwärmerisch. Tauscht man den abstrakten Begriff Gottheit gegen Popkultur-Namen wie Drake, Rejjie Snow, King Krule, Lorde oder Mø ein, erklärt die Etymologie gut, was diese Künstler mit uns und unserem hormonellen Gleichgewicht anstellen können. Zwischen den Musikern und ihren Fans besteht eine wechselseitige Abhängigkeit, die auf Zuneigung, Bewunderung, Hingabe, Aufopferung und Profit basiert. Manchen Fans reicht diese Beziehung nicht. Sie suchen das Extreme. Sie werden zu Groupies. Geben ihr eigenes Leben auf, um ihren Idolen nahe zu sein.

    In den Vierziger Jahren nahm das Phänomen mit Frank Sinatra seinen Anfang, wurde allerdings in den Sechzigern und Siebzigern, parallel zur Hippie-Bewegung, dem Rock, der sexuellen Revolution, erst zum wichtigen Thema. Die Bands waren mal mehr, mal weniger begeistert von der neuen Gattung namens Groupie. Sie widmeten ihnen Songs (z.B. The Rolling Stones „Ruby Tuesday“, Led Zeppelin „Black Dog“), führten kurze Beziehungen mit ihnen, zeigten den Frauen wie dunkel die Seiten des Showbusiness sein können. Der Begriff Groupie wird gerne romantisiert, verklärt die oft einseitige Liebe, verschleiert das Machtgefälle, das zwischen den Protagonisten herrscht. Und dennoch kann man den Star-Groupies wie beispielsweise Pamela Des Barres einen gewissen Glamour nicht abstreiten. Sie gehörten zu der Zeit, genau wie die Beatles oder The Doors. Sie prägten das Bild, kreierten eine eigene Mode, standen für einen freien und wilden Lebensstil. Sie dienten als Grundlage für Filme wie Almost Famous mit Kate Hudson oder Groupies Forever mit Goldie Hawn und Susan Sarandon.

    Natürlich kommt die Frage auf, wann ein Fan zum Fanatiker und dann zum Groupie wird. Wie weit darf die Leidenschaft gehen? Wann und wieso wird die Bewunderung für einen Künstler so stark, dass man sein Leben nach ihm richtet? Gibt es heute noch wahre Groupies? Könntet ihr euch einen solchen Weg vorstellen?

    Sonntag, 13. April 2014