Die Metamorphose des Musikfilms

Seitdem MTV 1981 sein Programm mit dem Clip zu „Video Killed The Radio Star“ eröffnete, hat sich dieses Genre ganz schön weiterentwickelt. Wir zeigen euch, welche Regisseure dafür verantwortlich sind.

Ästhetik, Emotion, künstlerische Freiheit. Das Kreieren eines individuellen Images. Musikvideos sind ein Spiegel des Schaffens von Sängern und Bands. Sie sind die optischen Transformatoren von Lyrics, Aussage, dem spezifischen Sound. Mit diesen Bewegtbildern können neue Welten erschaffen werden, surreale Geschöpfe geboren werden, die sich an die musikalische Heimat anpassen. Das Gros der momentanen Videos sind Kurzfilme, die durch Kreativität ein eigenes Genre definiert haben. Früher dienten die Musikclips der Steigerung der Bekanntheit, des Profits. Die Anfänge der Videos waren bunt, aus wenigen Perspektiven gefilmt, stellten den Musiker ins Zentrum des Geschehens. Natürlich dienen Clips auch heute noch kommerziellen Zwecken. Durch den technischen Fortschritt haben die Filmemacher aber mit weniger Hindernissen zu kämpfen, ihr Werk kann ohne Begrenzungen existieren. Durch die Digitalisierung, das Internet, gibt es vielfältige Plattformen auch kleineren Musikern Zuschauer zu bieten. Es kann mit wenig Budget Großes entstehen.

David Fincher, der Regisseur von Filmen wie Fight Club, legte den Grundstein für tiefgründige Musikvideos. Er produzierte zahlreiche Clips für Madonna, die von Filmklassikern (z.B. Citizen Kane) inspiriert waren. Auch Spike Jonze, dessen Film „Her momentan in den Kinos läuft, begann mit Musikvideos seine Karriere. Er kreierte legendäre Videos für die "Beastie Boys, Björk, Kanye West. In seinem Oeuvre für Fatboy Slims „Weapon of Choice“ übernahm sogar der Schauspieler Christopher Walken die tanzenden Hauptrolle. Diese beiden Produzenten ließen ihre Story Telling Fähigkeiten und die Perspektiven eines Kinofilms in ihre Videos einfließen, erschufen Ungesehenes. Zu den Musikvideo-Großmeistern zählt ebenfalls Hype Williams, der seit 1991 für ungefähr jeden namhaften Künstler der HipHop und R’n’B-Szene arbeitete.

Aber der Nachwuchs lässt nicht auf sich warten. Ein Beispiel für zukunftsorientierte Regisseure ist das französische Duo Fleur & Manu, die im letzten Jahr das Video zu Gesaffelsteins „Pursuit“ drehten. In diesem Kurzfilm wird der Zuschauer durch Autoperspektive zum Protagonisten der Handlung. Er wird in die Szenerie gezogen, erfährt die Emotionen dieser Parallelwelt. Auf ihrem Portfolio findet man Sébastien Tellier oder M83. Für letztere erschufen sie eine Clip-Trilogie mit einer aufeinander aufbauenden Geschichte.

Andere Ausnahmeerscheinungen ist Ian Robertson, der im Video zu "Need U (100%)" von Duke Dumont feat. A*M*E die Musiker kein einziges Mal erscheinen ließ, sie stattdessen durch einen Mann mit Radio im Bauch ersetzte. In diesem Rahmen darf Emily Kai Bock nicht unerwähnt bleiben. Sie ist verantwortlich für die cinematographische Geschichte zu Arcade Fires „Afterlife“. Für die Kanadier Majical Cloudz übersetzte sie tiefe Melancholie ins schwarz-weiße Bewegtbild. Doldrums schickte sie in die Wüste, um sie dort musizieren zu lassen.

Ein weiterer großer Name im Hintergrund ist Nabil Elderkin der zu „Higher“ von Jay-Z, Just Blaze und Baauer Martial Arts Kämpfe austragen ließ, für James Blakes und Chance The Rappers Duett „Life Round Here“ eine Slow-Motion-Welt inszenierte. Die Liste der Kreativen, die das Genre des Musikfilms prägen, scheint unendlich. Genau wie die Innovation, die Ästhetik, die Freiheit, die sie mit sich bringen…

Freitag, 04. April 2014