MTV Interview SOHN

SOHN empfiehlt sich mit seinem Debüt "Tremors" als Newcomer der Stunde, der ein großes Geheimnis aus sich macht.

“Einen Mythos zu pflegen, ist heutzutage ziemlich schwer”

Eigentlich leiten wir unsere Interviews gerne immer mit ein paar Worten zur Biographie ein, um Künstler und Werk ins passende Licht zu rücken. Bei Christopher Taylor und seinem Projekt SOHN ist das ein bisschen schwierig, denn Informationen über seine Herkunft, Alter oder wie genau er zur Musik kam, sind kaum herbeizuschaffen. So viel steht jedoch fest: 2012 gegründet, kommt nun das Debüt Tremors mit allerhand Vorschusslorbeeren auf den Markt und verbindet geschickt Eletronica mit Soul und Elementen aus dem R’n’B. ‘Ich wohne derzeit in Wien, falls das irgendeine Relevanz hat’, gibt Taylor immerhin zu und freut sich darüber, dass im digitalen Zeitalter, in dem alles vollkommen durchleuchtet scheint, seine Biographie noch nicht bei Wikipedia steht. Im MTV Interview erfuhren wir allerdings trotzdem ein paar Fakten, die er auf Rückfrage freundlich presigab.

mtv.de: Dein Debüt geistert derzeit massiv durch die Presse und Titel-Stories gab es selbst vor Release. Für ein gerade mal zwei Jahre altes Projekt nicht schlecht, oder?
SOHN: Natürlich freut mich das, aber so richtig registriere ich das nicht. Die Arbeit mit meiner Musik, sei es Studio, Live oder wie jetzt in Interviews, hält mich gut in Bewegung und wer weiß, wie ich die ganzen Artikel am Ende finden würde. Sich selber zitiert zu lesen, ist nicht immer einfach.

mtv.de: Was auffällt, ist Tatsache, dass deine Biographie vor dem Projekt SOHN ein schwarzes Loch zu sein scheint. Warum die Geheimniskrämerei?
SOHN: (lächelt) Im Zeitalter der digitalen Vernetzung, kannst du im Prinzip alles über jemanden bis ins Schlafzimmer hinein herausfinden und das ist schon irgendwie beängstigend. Darum besteht die große Kunst darin, diesen Informationsfluss zu stoppen und Dinge privat zu halten, die nichts mit deiner Rolle als Musiker zu tun haben. Was ich vor 2012 anstellte, bildet keinerlei Mehrwert zum Verständnis von ‘Tremors’ oder meiner Musik im Allgemeinen.

mtv.de: Immerhin weiß man, dass du in Wien wohnst und von London aus dort hinzogen bist. Passiert selten, dass Musiker bewusst aus London wegziehen.
SOHN: Ich sehe in Wien eine Insel. Dort wohnen meine Freunde, ich finde meine Ruhe und die Stadt gilt nicht wie New York, London oder Berlin als Schmelztiegel der Musikszene.

mtv.de: Was die Musik auf ‘Tremors’ definitiv auszeichnet, ist die Tatsache, dass du deine Stimme teilweise wie ein Instrument einsetzt.
SOHN: Um ehrlich zu sein, war das nichts, was mir beim Spazierengehen eingefallen ist, sondern sich im Studio mehr und mehr anbot. Jeder Song auf ‘Tremors’ startete anfangs mit einer Melodie und meist ohne Text. Deswegen habe ich dann Laute benutzt, um die Gesangslinie vom Gefühl her festzulegen und zu wissen, wie der zukünftige Text performt werden muss. So begann ich mit den Phantasielauten zu spielen und fing an, damit herumzuexperimentieren – eins kam zum anderen.

mtv.de: Bei allem Mysterium sei die Frage erlaubt: Wenn du das Wort ‘Du’ in denen Songs benutzt, sind damit real-existierende Personen gemeint?
SOHN: (überlegt) Teilweise schon, aber mit ziemlicher Sicherheit werden es die meisten nicht mitbekommen. Die Lyrics sind sehr von den Geschichten bzw. Erlebnissen entfremdet, mit denen sie einst begannen. Insofern bin ich gar nicht so mysteriös, denn die Grundlage meines Songwritings ist sehr autobiographisch – nur zusammensetzen muss das jeder für sich.

Aktuelles Album: SOHNTremors (4AD/Beggars Group/Indigo)

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SOHN auf Tour:
08.04.14 Köln – Gebäude 9
11.04.14 Hamburg – Uebel & Gefährlich
13.04.14 Berlin – Heimathafen Neukölln
20.04.14 Frankfurt am Main – Zoom

Freitag, 04. April 2014