MTV Interview Boozoo Bajou

Mit dem Downbeat erfolgreich geworden, nehmen Boozoo Bajou auf ihrem neuen Album '4' das Tempo gänzlich raus und erklären uns warum.

“Man nimmt sich Sachen vor und hat Bilder dann im Kopf”

Stress ist selten ein guter Ratgeber. Boozoo Bajou ließen sich mit ihren Alben schon immer gerne drei bis vier Jahre Zeit und gönnten sich auch für den Anlauf zum neuen Album 4 Ruhe und Gelassenheit. Die den Songs folgerichtig anzuhören ist und fast wirkt es so, als beginnen die einzelnen Beiträge erst dann, wenn schon wieder vorbei ist: Die beiden Köpfe hinter des Duos – Peter Heider und Florian Seyberth – verziehen die totale Entschleunigung, gewähren den Kompositionen viel Raum und wer Brian Eno als Vergleich heranzieht, liegt damit nicht falsch: ‘Ein bisschen Dub ist ja auch dabei’, lacht Florian Seyberth und freut sich zugleich, dass man ihm unterstellt, er und sein Kollege Peter Heider würden den Hörer dieses Mal besonders herausfordern. Der Begriff Chillout sei dafür nicht nützlich, denn er sage genau so viel aus, wie er gleichzeitig nichts-sagend sei. Was es also ist, was Boozoo Bajou 2014 antreibt? Die Antwort wurde uns im MTV Interview über verraten.

mtv.de: Im Gegensatz zu Kruder & Dorfmeister hattet ihr nicht den kommerziellen Erfolg – liegt das an eurer eher zurückhaltenden, weniger extrovertierten Art?
Florian Seyberth: Schwer zu sagen, aber sicherlich sind Peter und ich nicht unbedingt die lautesten Typen der Welt. Auf der anderen Seite möchte ich gar nicht, dass der Eindruck entsteht, wir würden uns beschweren: Als Boozoo Bajou haben wir den Sprung nach Australien, Singapur und in den USA geschafft und erreichen die Leute offensichtlich auch so.

mtv.de: Das neue Album „4“ klingt, als hättet ihr ein wenig auf die Bremse getreten und bewusst nach einer Entschleunigung des Sounds gesucht.
Florian Seyberth: (lacht) Man nimmt sich Sachen vor und hat Bilder dazu im Kopf. Aber bewusst dieses Ergebnis hatten wir nicht vor Augen, das ergab sich vielmehr. Da war auch der letzte Winter ein bisschen Schuld dran, weil es bekanntlich der dunkelste seit Start der Wetteraufzeichnung gewesen ist und mir schon ein bisschen aufs Gemüt drückte.

mtv.de: Demgegenüber habt ihr ein ehemals wichtiges Kernelement eurer Musik fast komplett außen vorgelassen: Es gibt keine richtigen Gastsänger. War das schwer ohne?
Florian Seyberth: Auch hier entschieden wir uns während der Aufnahmen dafür, es bleiben zu lassen und generell waren die Arbeiten an „4“ sehr frei und hingen nicht mit Zwängen zusammen. Was man dem Album hoffentlich anhört.

mtv.de: Im Zuge des Abschlussstücks auf ‘4’ namens ‘Tiefdruck-Hochdruck’ sprichst du von Schmerzen, die dir der Song zugefügt haben soll.
Florian Seyberth: Es ist das radikalste Stück der Scheibe und in der Form, wie es nun vorliegt, bereits entschärft. (denkt nach) Die Arbeit daran hat mir wirklich zugesetzt, gerade weil es total intensiv ist.

mtv.de: Ihr seid definitiv Kritikerlieblinge. Gibt es aber Alben in eurem privaten Plattenschrank, mit denen man nicht rechnen würde?
Florian Seyberth: (überlegt) Also eine peinliche Lieblingsband habe ich nicht. Peter hatte mal eine Fusion-Phase. (lacht erneut) Wenn es jemanden gibt, den ich wirklich verfolge, dann ist das definitiv Lloyd Cole. Was angesichts unserer musikalischen Ausrichtung vielleicht ein bisschen überrascht, denke ich.

Aktuelles Album: Boozoo Bajou4 (Apollo/R&S/Alive, 04.04.14)

>> Zum Boozoo Bajou-Video 'Jon Mayen' geht es hier entlang.

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Freitag, 21. März 2014