MTV Album der Woche: Skrillex

Nach zig EPs endlich das Debütalbum. Doch beschwert uns Skrillex mit "Recess" wirklich das Meisterwerk, das wir erwarten?

MTV Album der Woche: Skrillex – Recess

Selbst wenn ein jeder das Gefühl haben mag, Skrillex habe bereits einen ordentlich Katalog an Veröffentlichungen auf dem Buckel, ist Recess tatsächlich erst sein Debüt auf Albumlänge und allein sechs vorab veröffentlichte EPs reichten dem dauer-angesagtesten Newcomer 2012 aus, um uns allen den Kopf zu verdrehen. Nun sind zwei Jahre Anlauf nicht unbedingt wenig, selbst im Zeitalter der digitalen Downloads, in denen Alben gerne als Relikt längst vergangener Tage herhalten, darf ein Künstler sich nicht auf der Annahme ausruhen, dass zwei bis drei gute Singles reichen und dann liefe das schon. Skrillex – so viel sei vorab verraten – unterläuft dieser Fehler nicht. Das ist das Gute an Recess und doch zugleich das Licht einer nicht zu unterschlagenden Schattenseite.

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Denn die Homogenität, das Ineinandergreifen der einzelnen Tracks, nimmt Skrillex leider zu genau und so klingt das Gesamtergebnis gerne wie ein einstündiger Mix, den er ohne Rücksicht auf Verluste durchzieht. Problem dabei ist die Tatsache, dass seine Songkonstruktionen meist voll die Zwölf gehen und sich Verschnaufpausen kaum gönnen – zu keiner Sekunde irgendwie. Als namhaftester Vertreter einer Dubstep-Revolution, die im Gegensatz zu Diplo oder Burial nicht auf das atmosphärische Moment in der Komposition abzielt, funktionieren seine Songs tatsächlich besser als einzelne EPs als als ganzes Album. Das muss an dieser Stelle trotz der Bezeichnung ‘MTV Album der Woche’ festgestellt werden.

>> Das Video zu Skrillex Hit 'Bangarang' gibt es hier.

Spricht allerdings nicht gegen eine solche Nominierung, denn für sich betrachtet – oder anders: als ein einzelner Song betrachtet, ist Recess ohne Fehl und Tadel, hat massenhaft Features am Start (u.a. Chance The Rapper, Ragga Twins, Diplo, Passion Pit Sänger Michael Angelakos, Kill The Noise, Alvin Risk sowie die Newcomer Milo & Otis) und bietet gerade durch den Einsatz der Gäste immer wieder neue Nuancen zwischen hämmernden Beats, wirren Quietsch-Samples und seinen stets reingedrehten Laptop-Loops. Revolutionär wie vor zwei Jahren ist das Ganze nicht mehr und wahrscheinlich werden einige mehr als nur enttäuscht vom nun endlich vorliegenden Erstling sein. Jedoch: Den hohen Erwartungen folgeleisten, das wollte Skrillex scheinbar von Anfang an nicht und deswegen ist Recess geworden, was es ist: Ein sperriges Album, dass nicht jeden erreichen wird, sondern nur denjenigen, der es selbst erreichen will.

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Es gehört schlicht mehr Zeit dazu, sich in Skrillex Album zu verlieben, als seine bislang erschienenen EPs zu mögen. Recess wird kaum in den Bestenlisten des Jahres 2014 auftauchen, aber allein für den Mut, es so aufzunehmen wie er es aufgenommen hat, gebührt dem einstigen Newcomer jeder Respekt – und der Titel ‘MTV Album der Woche’ eben auch.

Label: Atlantic/Warner Vö: bereits erschienen

Tracklist:
1. All Is Fair In Love And Brostep
2. Recess
3. Stranger
4. Try It Out (Neon Mix)
5. Coast Is Clear
6. Dirty Vibe
7. Ragga Bomb
8. Doompy Poomp
9. F That
10. Ease My Mind
11. Fire Away

Und das vergangene MTV Album der Woche gibt es hier.

Montag, 17. März 2014