MTV Interview Tricky

Er lässt nicht locker, auch im 18ten Jahr seiner Karriere will Tricky uns mit "False Idols" zeigen, wo der Hammer hängt.

“Die kamen zu mir und meinten, sie hätten Sex bei meiner Musik gehabt, verrückt”

Es war einmal ein Graus. Mit Tricky Ende der Neunziger Jahre, Anfang der sogenannten Nuller zu sprechen, glich einem Risiko, dem sich niemand so richtig stellen wollte – und doch hat sich der Mitbegründer des TripHop inzwischen geläutert und entpuppte sich schon beim letzten MTV Interview als eloquenter Gesprächspartner. So auch dieses Mal im Talk zur neuen Platte False Idols: Die genau das zum Thema hat – falsche Vorbilder, denen die Leute alles als bare Münze abkaufen und manche sogar sprichwörtlich aus der Hand fressen. Doch nicht nur um dieses Thema, auch um zwischenmenschliche Gefühle ging es und was Tricky den ganzen Tag neben der Musik so treibt. Sich vor allem durch verschiedene Hotelbetten zu schlafen, wie wir gleich zu Beginn erfuhren.

mtv.de: Dein Manager meinte, du hättest dich heute Nacht nicht entscheiden können, in welchem Bett du schläfst. Klingt aufregend.
Tricky: (lacht lange) Das ist vollkommen richtig. (lacht erneut lange) Mir wurde ein Raum mit unfassbaren sechs Betten gebucht, weil alles andere voll war: Da stand ich nun im Zimmer und dachte, welche von diesen Matratzen soll meine sein? Zuerst schlief ich unten, dann wechselte ich mehrmals die Doppelbetten und will gar nicht wissen, was die Reinigungskräfte heute Morgen gedacht haben.

mtv.de: Stichwort Schlafen: Unter einigen deiner Videos stehen im Netz Kommentare, die deutlich machen, wie viele bei deiner Musik Sex haben – verrückt, oder?
Tricky: Wann das anfing, ich weiß gar nicht mehr, aber es passierte recht schnell nach meinem Debüt ‘Maxinquaye’, dass Leute auf den Konzerten zu mir kamen und meinten, sie hätten total oft Sex bei meinen Songs. Auf der letzten Tour zu ‘Mixed Race’ lernte ich sogar ein Kind kennen, das bei Tricky im Hintergrund gezeugt wurde. Als wäre ich dabei gewesen, verrückt.

mtv.de: Liegt sicher auch an den Sängerinnen, die du verpflichtest. Denen liegt stets dieser Sex-Appeal in der Stimme, als würdest du darauf achten.
Tricky: Da gehe ich intuitiv vor. Meistens fällt die Entscheidung, ob ich diesen oder jenen Song singe – oder jemand anders, schon vor der Studioaufnahme. Dort wiederum gibt es keine zig Takes für einen Track und oft wähle ich gleich den ersten Versuch aus. Dieser Moment hat etwas magisches, denn da singt jeder ohne große Vorbereitung und vielleicht macht das auch das Nahbare aus, wer weiß.

mtv.de: Viele loben dein aktuelles als auch das letzte Album ‘Mixed Race’ über den Klee. Hast du das Gefühl, deinem Schaffen wurde noch einmal ein Schub verpasst?
Tricky: Definitiv, da ist einiges passiert. Musik ist heute ja nicht mehr mein einziger Tagesinhalt, ich habe Familie und um die gilt es ebenso zu kümmern. Das gibt dir auch mal Abstand und du verrennst dich nicht, siehst die Dinge lockerer. Ein unheimlicher Zugewinn. (lächelt)

mtv.de: Warum der Titel ‘False Idols’? Auf welche falschen Idole hast du es denn abgesehen?
Tricky: Es geht um niemanden bestimmtes. Nur gibt es heute so unfassbar viel Schwachsinn und so viele Stars, die den verzapfen und trotzdem hängen die Leute an ihren Lippen. Natürlich ist das einfacher als noch zu Zeiten als ich begann, Facebook und Twitter gab es in den Neunzigern nicht – trotzdem fehlt mir bei vielen die Verantwortung und darum geht es auf ‘False Idols’, denen diese Verantwortung aufzuzeigen.

mtv.de: Dann weißt du hoffentlich, in welcher Weise du deine Hörer zufrieden stellen musst?
Tricky: Da darf ich echt nicht dran denken, denn ich finde meine Musik wirklich nicht erotisch und kann diese Erfahrungen keinesfalls teilen – bei ‘False Idols’ Sex zu haben, erscheint mir vollkommen surreal.

Aktuelles Album: TrickyFalse Idols (!K7/Alive)

>> Zum aktuellen Video von Tricky 'Does It' geht es hier entlang.

>> Alle Infos zu Tricky gibt es hier.

Tricky auf Tour:

19.07.13 Gräfenhainichen – Melt! Festival

Donnerstag, 23. Mai 2013