MTV Album der Woche: Atoms For Peace

Radiohead lassen nur bedingt grüßen, wenn Thom Yorke mit seinem Nebenprojekt Atoms For Peace für Unruhe sorgt.

MTV Album der Woche: Atoms For Peace – Amok

Natürlich hört inzwischen niemand mehr Radiohead weil deren zweites Album The Bends so großartig war. Vielmehr liegt der Reiz in den Songs der letzten Dekade, die selten an Rock-Standards angelehnt waren, obwohl die Band weiterhin als Independent-Act verhandelt wird. Für ihre Verhältnisse zuletzt ein recht zugängliches Werk mit The King Of Limbs vorlegte, in dessen ersten Single-Clip Lotus Flower Thom Yorke ausgelassener denn je das Tanzbein hob und doch erwartet man von jedem neuen Release etwas Außergewöhnliches. Etwas, das einen genauso aus der Bahn wirft wie 2000 das Meisterstück Kid A dies vollbrachte: Dessen Einfluss auf den aktuellen Popdiskurs immer noch zu spüren ist, weil mehr und mehr Bands ein Genre nicht als etwas in sich geschlossenes sehen, sondern Grenzgänge wagen; Elektronik mit Instrumenten fast selbstverständlich kombinieren.

>> Die brandneuen Videos der Woche gefällig? Bitte sehr.

Atoms For Peace lautet der neueste Zeitvertreib von Thom Yorke und freilich dauert es keine 20 Sekunden um zu wissen, wer hier das Sagen hat: Es flirrt, rumort und knirscht an allen Enden und selbstverständlich ist die Basis der Tracks eine elektronisch dominierte, wohl angereichert mit konventionellen Einflüssen, aber immer als solche nah an dem, was man von Radiohead eben kennt. Was keinesfalls negativ zu verstehen ist, denn Amok testet die Grenzen aus, wie es zugleich große Unterhaltung bietet: Deutlich spürt man, dass noch andere im Studio das Sagen hatten – neben Thom Yorke u.a. Flea von den Red Hot Chili Peppers bzw. Super-Produzent Nigel Godrich, die ihren Anteil an Amok einforderten, damit nun ein gemeinsames Werk vorliegt, dass sie musikalisch zu einem der spannendsten Projekten im jungen Jahr 2013 macht.

>> Den aktuellen Clip von Atoms For Peace – Default – gibt es hier.

Vergessen werden darf immerhin nicht, dass Atoms For Peace 2009 erst langsam zusammenfanden und zu Beginn nur ein Hobby waren, dass Yorke neben seinem Soloausflug The Eraser betrieb. Trotzdem spielten sie sich in den Jahren derart gut aufeinander ein, dass Amok nicht wie der Erstling eines Teilzeitvertreibs, sondern wie ein langjährig vorbereitetes Debüt einer Vollzeitband klingt. Homogenität ist dabei das bindende Element, denn ein Song fügt sich nahtlos dem anderen an und gegen Ende der neun Beiträge schafft die Supergroup es tatsächlich in der Form zu verwirren, wie Radiohead dies regelmäßig tun. Mehr kann von Amok nicht erwartet werden – ein Debüt, dass den Druck, der aufgrund der Besetzung aufgekommen sein dürfte, schlicht missachtet und deswegen so gut geworden ist.

>> Auch sehr Hit-verdächtig: Unser ausführliches Interview mit Multiinstrumentalist Jamie Lidell, der meint, dass das Hipster-Dasein viele Probleme mit sich bringt.

Ein Nachfolger sei derzeit in keinerlei Planung involviert, obschon die Beteiligten dies nicht ausschließen würden. Amok hält derweil, was die Konstellation Atoms For Peace verspricht und lässt die Urheber zu jedem Zeitpunkt durchblicken, aber nie auf Kosten der eigenen Originalität. Welch unruhige Gelassenheit es doch ausstrahlt.

Label: Xl Recordings/Beggars Group/Indigo Vö: 22.2.13

Tracklist:
1. Before Your Very Eyes
2. Default
3. Ingenue
4. Dropped
5. Unless
6. Stuck Together Pieces
7. Judge, Jury and Executioner
8. Reverse Running
9. Amok

Und das vergangene MTV Album der Woche gibt es hier.

Montag, 18. Februar 2013