MTV Interview Delphic

Mit Kunstverstand wurden Delphic berühmt. Im Interview zum zweiten Album "Collections" bleiben sie lieber auf dem Teppich.

“Unser Publikum besteht aus mehr Männern als Frauen – spricht das gegen uns?”

Als Delphic vor zwei Jahren endlich auf der großen Bühne ankamen, hatten die einzelnen Mitglieder etliche Anläufe hinter sich: ‘Über Jahre hinweg hat jeder von uns nach der geeigneten Combo gesucht und wenn wir ehrlich sind, manchmal sogar daran gezweifelt, dass er sie je findet’, gibt das Trio am Interviewtag in Berlin gegenüber MTV ohne Umschweife zu und legt noch ein paar unbequeme Wahrheiten drauf – all das natürlich nur, weil sie ihr zweites Album Collections im Kasten haben und wollen, dass es den Erfolg des Debüts Acolyte einstellt, wenn nicht gar toppt. Ein beachtlicher Plan, der in die Tat umgesetzt werden will – wie genau, erfuhren wir im persönlichen Gespräch mit den drei Köpfen hinter Delphic.

mtv.de: Obwohl ihr als Musiker schon einige Jahre auf dem Buckel habt, seid ihr noch relativ jung – ist das ein Segen oder Fluch?
James Cook: Eher ein Vorteil. Auf diese Weise kannst du viel Zeit als Lernprozess beanspruchen und das haben wir definitiv getan. Du musst vor allem vorsichtig sein und darfst nicht jeden Kram glauben, der über dich in irgendeiner Zeitung steht, egal ob gut oder schlecht.

mtv.de: Euer Sound ist breit gefächert. Darf ‘Collections’ als Angebot an den Hörer verstanden werden, sich einzelne Songs auszusuchen, ohne das ganze Album zu mögen?
Matt Cocksedge: Interessante Interpretation, habe ich so noch nicht gesehen.
Richard Boardman: (unterbricht seinen Kollegen) Ich weiß, worauf du hinauswillst: Heutzutage ist es eher unüblich sich Alben als Ganzes zu kaufen, vielmehr suchen sich viele die besten Tracks einer Band zusammen und das reicht ihnen dann. Ist okay, aber nicht der Gedanke hinter ‘Collections’. Uns geht es vielmehr darum, zu zeigen, dass das musikalisch vielfältig ist, was wir seit dem Debüt machen. Mehr eine Kollektion an Sounds und trotzdem als Album hörbar.

mtv.de: Haben wir das geklärt. Live hingegen ist es meist ein langer Song, den ihr performt und Delphic sind bekannt dafür, dass es keine Pausen gibt.
James Cook: In erster Linie will man nicht aus dem Rhythmus kommen, aber es gibt durchaus Situationen, in denen einen das stören. Wenn ich mir zum Beispiel vor dem Gig einen Drink auf die Box stelle und nach der Zugabe merke, dass kein Schluck davon fehlt. So habe ich mir das Musikerleben Live nicht vorgestellt. (lacht)

mtv.de: Wie reagieren die Fans darauf – Applaudieren ist zum Beispiel eher schwierig, wenn ihr keine Zeit dazu lasst.
Matt Cocksedge: Unser Publikum ist eher männlich als weiblich. Was das genau über uns sagt, weiß ich nicht, aber vielleicht vergraulen wir Frauen? (überlegt) Lass es mich so ausdrücken: Gehst du in einen Club, vermischen sich die einzelnen Tracks auch ineinander und wir versuchen diesen Gedanken einfach zu adaptieren, that’s it.

mtv.de: Die ersten Reaktionen der Presse zu ‘Collections’ sind bislang positiv – beruhigt einen das als ehemals gefeierte Newcomer und Band der Stunde?
Richard Boardman: Wie gesagt, das bekommt man gar nicht so direkt mit. Es ist ja nicht so, dass wir nach einem Interviewtag wie heute in die Läden rennen und alle Magazine kaufen, die über uns berichten. Im Prinzip höre ich das jetzt zum ersten Mal, dass die Kritiker die Sache in Ordnung finden.

mtv.de: Schon erfreulich, oder? Gerade wenn man bedenkt, dass den Songs eine Schreibblockade vorausging.
Matt Cocksedge: Es gibt ja verschiedene Formen von Writer’s Block: Bei uns war das nicht so, dass gar nichts zustande kam, sondern nur Songs, mit denen niemand etwas anfangen konnte. Das wirft dich dann zurück und irgendwann entsteht die von dir angesprochene Blockade, weil man mit nichts mehr zufrieden ist. Haben wir aber auskuriert, alles gut.

Aktuelles Album: DelphicCollections (Cimeric/Cooperative Music)

>> Auf der Bühne ohne Unterbrechung: Delphic Live in London gibt es hier zu sehen.

>> Alle Infos zu Delphic gibt es hier.

Sonntag, 20. Januar 2013