MTV Interview Tocotronic

Nicht immer nur Nein sagen. Tocotronic erklären im MTV Interview anlässlich des neuen Albums wie es auch anders geht.

Samstag, 12. Januar 2013

"Das ist doch langweilig, wenn jeder alles über jeden weiß"

Nach dem selbstauferlegten Sabbatjahr 2011 sind Tocotronic zuletzt fleißig gewesen und haben den neuen Longplayer Wie Wir Leben Wollen im Berliner Studio unter Mithilfe von Beatsteaks Moses Schneider eingespielt - ein Mammut von Album mit über 70 Minuten Länge und 17 Tracks, das einmal mehr beweist, wie Ausfall-frei diese Band seit einer halben Ewigkeit ihre Kreise zieht und natürlich passten wir sie auf halber Strecke ab und befragten sie zum neuen Album und warum eigentlich nie etwas Privates in der Presse über sie auftaucht. Schlagzeuger Arne Zank und Gitarrist Rick McPhail standen uns im MTV Interview Rede und Antwort.

mtv.de: Tocotronic gelten als absolute Kritikerlieblinge und euer neues Album erhält wieder nur gute Rezensionen - ein schlechter Longplayer passiert euch nicht, oder?
Rick McPhail: (lacht) Auf unser "Lulu" (Metallica-Album mit Lou Reed, A.d.R.) müsst ihr wohl noch warten. Aber man nimmt ja kein Album mit dem Hintergedanken auf, dass es nur nicht schlecht werden darf. Du musst zufrieden sein, dann passt alles.
Arne Zank: Genau. Es gibt da keinen Druck, der von außen an uns herangetragen wird.

mtv.de: Euer sogenanntes Sabbatjahr 2011 war keine richtige Pause, sonst würden wir hier nicht sitzen und uns über das neue Album "Wie Wir Leben Wollen" unterhalten.
Arne Zank: Diese Aussage bezog sich auch mehr auf die Bühne. Wir spielten lange keine Konzerte und entschieden uns bewusst dafür. Natürlich spricht man währenddessen miteinander und legt sich keine Kontaktsperre auf.
Rick McPhail: Ich bin zum Beispiel mal wieder in den Urlaub gefahren, war in Kalifornien und fand das sehr erholsam.

mtv.de: Auch so ein Punkt bei Tocotronic: Ihr schafft es, euer Privatleben privat zu halten. Von anderen Bands erfahren wir oft mehr als uns lieb ist.
Arne Zank: Aber das ist doch auch irgendwie langweilig, wenn das zu offen breitgetreten wird und jeder alles über jeden weiß.

mtv.de: Green Day fanden es wichtig, die Entziehungskur ihres Frontmanns Billie Joe Armstrong öffentlich bekanntzugeben.
Arne Zank: So etwas gibt es bei uns aber nicht, abseits der Bühne haben wir einfach nichts zu erzählen. (lacht) Es spielte nie eine Rolle und was sagt das schon über uns aus, wo wir Mittag essen oder übermorgen unterwegs sind?
Rick McPhail: Die Presse konzentriert sich bei uns auf die Musik.

mtv.de: Zurück zu Tocotronic. "Wie Wir Leben Wollen" bricht inhaltlich ein wenig mit der Tradition des Verweigerns und bietet viel "Ja" zur gewohnten "Nein"-Haltung.
Rick McPhail: Wie ich vorhin schon meinte, es gibt da im Vorfeld keinen Masterplan nach dem die Songs entstehen. Aber aufgefallen ist uns das schon und es gefällt jedem innerhalb der Band. Kein Grund, es zu ändern.

mtv.de: Auffallend ist zudem, dass der Sound breitgefächerter ist und mit viel Hall versehen wurde. Sind Tocotronic musikalisch eine größere Herausforderung geworden?
Arne Zank: Die Frage verstehe ich nicht ganz.

mtv.de: Insofern, als dass jeder weiß, dass das inhaltlich bei euch niemals schief geht und der Überraschungseffekt nur durch den Sound entsteht.
Arne Zank: Ach so, nein, darauf sehen wir es nicht ab. Obwohl du als Band natürlich mit den Instrumenten mehr Bewegungsfreiraum hast, als Dirk, wenn er die Text schreibt. (überlegt) Zumindest in Bezug auf die konkrete Zusammenarbeit im Studio, wo die Mikrophonierung schon den Klang einer Platte komplett verändern kann.

mtv.de: Das letzte Album „Schall Und Wahn“ galt als Abschluss der Berlin Trilogie. Die neue Platte entstand aber wieder in Berlin und mit Moses Schneider als Produzent.
Rick McPhail: Das haben wir uns damals bei David Bowie abgeschaut, weil es uns gefallen hat.
Arne Zank: Ähnlicher Entstehungsprozess. (beide lächeln)

Aktuelles Album: Tocotronic - Wie Wir Leben Wollen (Vertigo Berlin/Universal)

>> Zum aktuellen Tocotronic-Video "Auf Dem Der Dämmerung" geht es hier entlang.

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Tocotronic auf Tour:
28.01.13 Hamburg - Thalia Theater
01.02.13 Dortmund - FZW
06.03.13 Bremen - Modernes
07.03.13 Düsseldorf - Zakk Halle
08.03.13 Heidelberg - Halle 02
10.03.13 Freiburg - Haus der Jugend
12.03.13 Stuttgart - LKA Longhorn
13.03.13 Offenbach - Capitol
14.03.13 Münster - Jovel Music Hall
15.03.13 Hamburg - Große Freiheit 36
03.04.13 Hannover - Capitol
04.04.13 Köln - E Werk
05.04.13 Würzburg - Posthalle
06.04.13 München - Tonhalle
11.04.13 Erlangen - E-Werk
12.04.13 Leipzig - Haus Auensee
13.04.13 Dresden - Alter Schlachthof
14.04.13 Berlin - Columbiahalle

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