MTV Album der Woche: Yo La Tengo

Not "Fade" away: Yo La Tengo beweisen mit ihrem neuen Album dass sie noch längst nicht zum alten Eisen gehören.

MTV Album der Woche: Yo La Tengo – Fade

Es geht oft ums Altern. Yo La Tengo sind wahrlich keine Newcomer mehr und haben bereits einen Katalog im Angebot, der sie für viele junge Bands zu einem der Haupteinflüsse ihrer Musik macht. Fade wird diesen Heldenstatus weiter ausbauen, denn es markiert eine Rückkehr und Weiterentwicklung zugleich: Zum einen erinnern die Songs in ihrer unbekümmert leichten Art an die Meisterwerke I Can Hear The Heart Beating As One und …And Then Nothing Turned Itself Inside Out und anderseits grenzen sie sich damit klar von den letzten Platten des Trios aus Hoboken/New Jersey ab – die dann doch ungestümer waren und eher auf den Putz hauen wollten, als dass es ihnen um die innere Einkehr und die Entschleunigung von Popmusik ging.

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Die Geschlossenheit von Fade entsteht aber auch durch tiefgreifende und erhabene Melodiebögen, durch eine unverkennbare Homogenität, die allen Songs zugrunde liegt. Selbst der groovende Schlussakkord Before We Run ändert nichts daran, auch wenn nur mit flotten Gitarren und schnellem Schlagzeug das Tempo erhöht wird. Damit besteht an Zweierlei kein Zweifel: Zum einen daran, dass Yo La Tengo in ihrer Fankurve für ordentlich Begeisterung sorgen werden und andererseits niemanden, der ihnen erst jetzt volle Aufmerksamkeit schenkt, verschrecken. Die letzten Nebenprojekte – Condo Fucks seien dabei zuerst erwähnt – hätten mehr Schwierigkeiten gehabt, doch Fade macht den Einstieg leicht und zeigt, dass wir niemals auf diese Band verzichten können.

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Gerade wenn sich andere Alternative-Ikonen verabschieden, ist es gut zu wissen, dass wenigstens diesen drei Musikern nichts an einer Trennung liegt und ihr Kreativitätslevel in all den Jahren ebenso wenig gelitten hat. Seit drei Dekaden spielen Yo La Tengo Indierock und wahlweise Pop, wie nur sie ihn hinbekommen und Fade feiert die Vergangenheit und Zukunft dieser Band wie wenige es nur erwartet hätten. Selbst Simpsons Autor Matt Groening outete sich unlängst als Fan und gab ihnen ein exklusives Theme für die Show. Ehre wem Ehre gebührt und hier ist sie niemals am falschen Platz: Album Nummer 13 ist erneut ein Highlight in der ausfallfreien Diskographie dieser sagenhaft sympathischen Combo, der nie ein schlechter Longplayer unterlaufen ist.

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Verblasst wird also rein gar nichts, auch wenn der Titel dies einem weiß machen will. Yo La Tengo halten das Niveau und ihre Ausnahmestellung aufrecht – Nachahmer gab es gerade in den Neunzigern viele, keiner von ihnen konnte es vollbringen: Dieses Trio auch nur annähernd vom Thron zu stoßen.

Label: Matador/Beggars Group/Indigo Vö: 11.01.13

Tracklist:
1. Ohm
2. Is That Enough
3. Well You Better
4. Paddle Forward
5. Stupid Things
6. I’ll Be Around
7. Cornelia And Jane
8. Two Trains
9. The Point Of It
10. Before We Run

Und das vergangene MTV Album der Woche gibt es hier.

Montag, 31. Dezember 2012