MTV Interview Paul Weller

Auf seiner Tour passten wir Britpop-Ikone und Oasis-Idol Paul Weller ab und fragten, wie man sich als Ikone so fühlt.

“Wenn ein Politiker einen Song von mir mag, interessiert mich das nicht”

Er muss niemanden mehr etwas beweisen. Paul Weller hat mit seiner ersten Band The Jam, der darauffolgenden The Style Council und im Alleingang all das definiert, was heute unter den Begriff Britpop zusammengefasst wird. Legte Hits wie Town Called Malice bzw. Shout To The Top aufs Parkett und tourte zuletzt eifrig durch die Weltgeschichte. Bei seinem Berlin-Aufenthalt passten wir ihn pflichtgemäß ab und fragten, was es mit dem Ikonenstatus auf sich hat, warum David Cameron ihn gerne haben kann und welcher seiner Songs aus dreißig Jahren sein liebster ist.

mtv.de: Eine Single des neuen Albums ‘Sonik Kicks’ heißt ‘That Dangerous Age’ und beschäftigt sich mit der Midlife Crisis – wovon bei dir nicht die Rede sein kann, oder?
Paul Weller: (lacht) Ich bin auf Tour und veröffentliche aktuell sehr regelmäßig Platten. Stimmt schon, da kann man nicht von einer Krise sprechen. Allerdings haben meine Songs selten Tagebuchcharakter und deswegen sollte man das nicht alles auf mich projektieren.

mtv.de: Der britische Premier David Cameron hat sich letztens als Fan von dir geoutet und meinte, dass ‘The Eton Rifles’ einer seiner Lieblingssongs sei. Freut dich das?
Paul Weller: Nachdem ich mein letztes Album ‘Wake Up The Nation’ genannt hatte, kamen viele auf die Idee, ich sei zu einem Protestsänger mutiert. (schüttelt den Kopf) Was total übertrieben ist, denn darum ging es überhaupt nicht und wenn ein Politiker einen Song von mir mag, ist das okay für ihn – tangiert mich nicht wirklich.

mtv.de: In Deutschland bist du ein absoluter Kritikerliebling und wirst gerne als Erfinder des Britpop bezeichnet. Freut dich das wenigstens?
Paul Weller: Na ja, es sind Meinungen anderer über einen selbst. Ich sehe mich nicht als Erfinder, aber es gab damals – vor dreißig Jahren – wohl keinen passenden Begriff für die Musik, die Bands wie The Jam spielten und all die, die damit aufwuchsen, haben irgendwann selber mit der Musik angefangen. Referenzen entstehen dann von ganz alleine, wenn zum Beispiel ein Noel Gallagher mich als Einfluss nennt.

mtv.de: Du sprachst vor einiger Zeit von einer Schreibblockade, hast in den letzten 20 Jahren aber zehn Alben veröffentlicht.
Paul Weller: Wenn man es so aufzählt, wirkt es, als würde ich irgendetwas an den Haaren herbeiziehen – worum es mir mit der Aussage aber ging, war die Tatsache, dass davor fast neun Jahre nichts Neues von mir kam.

mtv.de: Welchen Tipp würdest du dir denn geben, wenn du zurückreisen könntest?
Paul Weller: (überlegt) Dass ich mal locker bleiben soll. Was aber leichter gesagt als getan ist und niemand mag den Stillstand: Damals brauchte ich den irgendwie und musste die Jahre durchstehen, um wirklich wieder Sachen zu schreiben, die mich berühren und mir ein gutes Gefühl geben.

mtv.de: Gibt es musikalisch überhaupt noch Herausforderungen nach über drei Dekaden Musik – Dinge, die du gerne umsetzen würdest?
Paul Weller: Auf jeden Fall. ‘Sonik Kicks’ war mein Versuch, etwas Neues auszuprobieren und hat wohl auch deswegen einige verschreckt, als es im Frühjahr herauskam. Das Risiko musst du als Musiker aber eingehen. Selbst wenn dir die Platte irgendwann nicht mehr gefällt; alles was ich je aufgenommen habe, würde ich niemals rückgängig machen.

mtv.de: Auf welchen deiner Songs bist du am meisten stolz?
Paul Weller: (sofort) ‘Wild Wood’. Der ist recht einfach gehalten, vier Akkorde und kaum irgendwelches Tamtam. Das mag ich heute noch, denn er wirkt klassisch und zeitlos. Was allerdings nicht heißt, dass mir meine anderen Songs Rätsel aufgeben – ich weiß, wo ich herkomme und vergesse das nicht.

Aktuelles Album: Paul WellerSonic Kicks (Cooperative Music/Universal)

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Samstag, 29. Dezember 2012