MTV Album der Woche: Green Day

Alles neu macht die Weihnachtszeit? Green Day vollenden mit "Tre!" ihre großangelegte Albumtrilogie etwas zu vorzeitig.

MTV Album der Woche: Green Day – Tre!

Als habe sie jemand auf Teufel komm raus dazu gedrängt, veröffentlichen Green Day den eigentlich für Januar geplanten letzten Teil ihres Mammutprojekts Uno!, Dos! bzw. Tre! schon einen Monat vor dem angesetzten Release-Date. Warum wohl? Wahrscheinlich, weil der Longplayer fix und fertig vor ihnen lag und ein weiteres Zaudern den hausinternen Prozess nur unnötig verlängert hätte. Das Direkte und Unvermittelte stand derweil im Vordergrund der ersten beiden Parts und soll nun durch epische Elemente auf Tre! abgerundet werden – was nicht heißen soll, dass Green Day damit automatisch versuchen, den Megasellern Americian Idiot oder 21th Century Breakdown einen Klon herbeizuzaubern, sondern vielmehr versuchen sie, die Gitarrenwände wie echte Wände klingen zu lassen und Riffs weniger wie kurze Licks.

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Natürlich ist das Ergebnis wieder Ansichtssache, für die einen gab es ja schon zwischen Uno! und Dos! keinen nennenswerten Unterschied und richtig absetzen kann sich auch Tre! von den Vorgängern nicht – allerdings sind die Differenzen hier klarer hervorgehoben und man merkt, dass die Songs in einem anderen Schreibzyklus entstanden, als die Tracks der ersten beiden Platten. Deutlich geringer drängt es die Beiträge in die Sendezeiten der alternativen Radiostationen, sie probieren sich aus und man darf durchaus behaupten, dass Green Day trotz mancher Powerpop-Ballade Neuland wagen. Immer mit Bedacht versteht sich, denn freilich sollen die Fans der ersten Stunde nicht das Gefühl bekommen, hier schwimme jemand einzig und alleine im larmoyanten Fahrwasser, mache auf Muse.

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Erstaunlich ist dabei die stimmliche Varianz, die Billie Joe Armstrong aufweist – erinnert man sich nur kurz an Basket Case, dem kommerziellen Durchbruch der Band von 1994, hätte damals wohl kaum jemand geahnt, dass er auch in der Lage sei, den Pop meets Punk-Kontext mit seinem Gesang zu verlassen. Stolz wie Bolle darüber, ist Armstrong sowieso und betonte bereits, wie außergewöhnlich die Vorgehensweise sei, in einem Jahr drei Alben zu veröffentlichen. Was nicht ganz stimmt, denn bereits Neil Young tat dies in diesem Jahr, zählt man sein vollbepacktes Doppelalbum Psychedelic Pill als zwei Longplayer. Insofern ist es besser, wenn Green Day den Ball hier etwas flacher halten – das Alleinstellungsmerkmal haben zu viele, als dass es etwas Besonderes ist.

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Künstlerisch allerdings – und das muss ebenso erwähnt werden – haben Green Day alles recht manierlich umgesetzt. Uno!, Dos! und Tre! sind im Dreierpack zwar nicht so stark, wie es American Idiot oder 21th Century Breakdown waren, aber bestens unterhalten wurde wir 2012 von den Dreien ohne Frage.

Label: Warner Music Vö: bereits erschienen

Tracklist:
1. Brutal Love
2. Missing You
3. 8th Avenue Serenade
4. Drama Queen
5. X-Kid
6. Sex, Drugs & Violence
7. Little Boy Named Train
8. Amanda
9. Walk Away
10. Dirty Rotten Bastards
11. 99 Revolutions
12. The Forgotten

Und das vergangene MTV Album der Woche findet ihr hier.

Montag, 10. Dezember 2012