MTV Album der Woche: The xx

Die Erwartungen könnten kaum höher sein und doch stemmen sich The xx im Zuge von "Coexist" mit Bravour dagegen.

MTV Album der Woche: The xx – Coexist

Wir sprechen hier nicht von irgendeinem zwei Wochen lang gehypten Indie-Act, der im Anschluss eigentlich keinen mehr interessierte. Es geht an dieser Stelle um The xx, die 2009 mit ihrem Debüt monatelang auf einer Welle der Euphorie schwammen und eine Nische besetzten, die es vor dem Erscheinen des Erstlings eigentlich nicht gab: Minimaler Pop traf auf knochentrockene Electronica traf auf flüsternde Gesänge – was im Endergebnis allerdings nicht die vermeintliche Wärme eines Industriegebiets ausstrahlte, sondern melancholisch gefühlvoll um die Ecke bog. Ein Highlight und wären damals nicht Phoenix- mit ihrem inkommensurablen Wolfgang Amadeus Phoenix gewesen, The xx hätten die Pol unserer Jahrescharts belegt, darin besteht selbst 2012 kein Zweifel.

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Zweifelhaft ist zum Glück auch nicht der Nachfolger Coexist, den viele schon im Vorfeld – ohne auch nur einen Ton gehört zu haben – auf den Prüfstand setzten und kritisch beäugten. Jetzt, wo das Album wirklich das Tageslicht erblickt, werden sich alle Skeptiker fragen: Sind das noch die The xx, die damals so wundervolle Harmonie zwischen Stahlbad und Postromantik aufgenommen haben? Eine gewisse Dissonanz bestimmt viele der Tracks, die Beats wirken kantig, entschleunigt und halten sich keineswegs an irgendwelche Taktvorgaben. Dazu nuschelt das Sängergespann Romy Madley Croft und Oliver Sim lieblich über die Liebe: Ohne sie zu nennen, denn nicht umsonst heißt dieses Album Coexist – es geht hier nicht um die klassische Vorstellung von Partnerschaft und Zweiraumwohnung, sondern um die Anwesenheit des Seelenverwandten direkt neben uns; koexistent sozusagen.

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Das es gegen Ende, im Track Swept Away, noch einmal an Fließgeschwindigkeit zulegt, tut dem Album gut: Es ist der Klimax einer Songsammlung, die, so verschieden sie auch sein mag, komplett zusammengehört werden muss – von Anfang bis Ende. The xx schaffen damit das Unmögliche: Sie verzetteln sich durch den öffentlichen Druck genau so wenig, wie sich einfach nur zu wiederholen. Dies zeigt, wie reif sie trotz jungen Jahrgangs schon sind. Coexist klingt auch deswegen alterweise und naiv-schön, es hat alles, was wir an diesem Trio schätzen gelernt haben und alles, was wir noch nicht schätzen konnten. Am nachhaltigsten ist aber die Tatsache, dass The xx zu überraschen wissen – mit fast jedem Beitrag auf Coexist vollbringen sie diese Unmöglichkeit.

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Freilich wird es solche geben, die ihnen genau daraus einen Strick drehen, weil sie lieber einen Aufguss des Debüts gehabt hätten – für alle anderen ist Coexist die Bestätigung der Vermutung, dass The xx schon vor drei Jahren zu den ganz Großen gehörten und 2012 scheint einmal mehr ihr Jahr zu werden. Wie Phoenix- aus der Asche.

Label: Young Turks/Xl Recordings/Beggars/Indigo Vö: 7.9.12

Tracklist:
1. Angels
2. Chained
3. Fiction
4. Try
5. Reunion
6. Sunset
7. Missing
8. Tides
9. Unfold
10. Swept Away
11. Our Song

Und das vergangene MTV Album der Woche findet ihr hier.

Montag, 03. September 2012