MTV Interview Bonaparte

Der Wahnsinn mit Methode geht in die nächste Runde. Bonaparte mit neuem Album "Sorry, We're Open" im MTV Interview.

“Das Image einer Band kannst du nur teilweise selbst bestimmen”

Es geht immer weiter und immer verrückter. Bonaparte wissen dies nur zu gut und werden auch 2012 nicht müde ihr Konzept einer zügellosen Band in die deutsche Landschaft hinauszutragen. Mit Sorry We’re Open geht der Spaß in die dritte Runde und so allmählich sollten die Kritiker der Berliner Formation wohl eingesehen haben: Das Ganze funktioniert selbst über Jahre hinweg und keine Regel kann auch eine sein. Wir trafen Frontmann Tobias Jundt im Studio und wie sollte es anders kommen: Das bisher als Promo kursierende Material kann sich bis zum Veröffentlichungstermin noch stark verändern – unsere Fragen im MTV Interview blieben trotzdem dieselben.

mtv.de: Das dritte Album – viele hätten wohl nicht erwartet, dass Bonaparte als loses Projekt von dir dazu kommen werden.
Tobias Jundt: (nickt) Na ja, ich kann manchen Artikel sogar verstehen. Es ist schon komisch für den ein oder anderen, dass das bei Bonaparte auf diese Weise klappt: Ein Mitglied hat gerade keine Zeit oder Lust mehr und wir holen ein neues dazu – vielleicht haben wir dann bald zwei mehr an Bord, egal, es funktioniert bislang.

mtv.de: Man kann allerdings schon sagen, dass du der Chef im Ring bist, oder?
Tobias Jundt: Ich bin der, der die Anrufe tätigt. Bonaparte sind halt keine klassische Band mit fester Besetzung und genau wie ich seit einiger Zeit, haben auch andere Familie daheim und da kannst du manchmal keine 50 oder 60 Tage im Jahr unterwegs sein. Was allerdings nicht zum Ausschluss führen sollte, sondern wofür man Verständnis aufbringen muss.

mtv.de: Damit sprichst du ein Thema an, über das wir reden möchte: Deine Rolle als Papa – wie kommst du damit klar?
Tobias Jundt: Ich komme gerade aus der KITA. (freut sich) Das ist wirklich toll und nichts in der Welt kann dir das Gefühl geben, Vater zu sein. Könnte ich stundenlang von schwärmen und doch nicht richtig ausdrücken, was es für mich bedeutet.

mtv.de: Die ARD hat euch einst als Anarcho-Punks bezeichnet. So richtig passt das in Anbetracht von ‘Sorry, We’re Open’ aber nicht mehr, oder?
Tobias Jundt: Das Image einer Band kannst du nur zu gewissen Teilen selbst bestimmen – den Rest übernehmen andere für dich. Auch Leute, die deine Musik hören und nicht für die ARD tätig sind, machen sich ihren eigenen Reim auf Bonaparte. Wichtig ist für mich, dass die, die uns mögen, Spaß haben. Mehr kann man nicht wollen.

mtv.de: Gab es eigentlich je zwischen all dem Klamauk und der Avantgarde Momente, in denen du dir dachtest: Was soll das hier überhaupt?
Tobias Jundt: Auflösungsgedanken? Nein, die kamen bislang noch nicht vor und wenn ich die Frage beantworten muss, dann eher aus der Richtung, dass man sich manchmal natürlich fragt, ob dieses oder jenes, was man gerade macht, das Richtige ist. Dabei handelt es sich dann aber eher um inhaltliche Sachen und niemals um die Frage nach der Berechtigung von Bonaparte.

mtv.de: Was macht den Stil von Bonaparte im Jahre 2012 aus – wie würdest du deine Band definieren?
Tobias Jundt: Ich glaube, dass wir ein gutes Stück vorangekommen sind. Nicht erwachsener oder reifer, aber mit dem dritten Album erkennst du umso mehr, was du von dir und deinem Umfeld – um es so auszudrücken – erwarten kannst und ‘Sorry, We’re Open’ hat uns da einen Schritt weitergebracht.

mtv.de: Die Bühnenshows von Bonaparte sind bekannt für ihre Extensivität. Gibt es schon Pläne für die kommende Tour?
Tobias Jundt: Erst mal muss die Platte in Sack und Tüten sein und dann gehen wir den nächsten Schritt. Natürlich habe ich mir während der Aufnahmen erste Gedanken gemacht, wie der ein oder andere Song Live aussehen könnte. So viel sei verraten: Es wird so durchdacht sein, dass am Ende alle glauben, alles passiere hier durch Zufall. (lacht)

Aktuelles Album: BonaparteSorry, We’re Open (staatsakt/Warner, 17.8.12)

>> Alle Infos zu Bonaparte gibt es hier.

>> Bonaparte mit 'Anti Anti' im MTV Akustik-Auftritt. Bonaparte auf Tour:

25.10.2012 Bremen – Schlachthof
26.10.2012 Hannover – Capitol
27.10.2012 Dresden – Alter Schlachthof
28.10.2012 München – Kesselhaus
02.11.2012 Würzburg – Posthallen
04.11.2012 Karlsruhe – Substage
13.11.2012 Köln – Live Music Hall
14.11.2012 Dortmund – FZW
16.11.2012 Frankfurt – Union Halle
17.11.2012 Leipzig – Werk 2

Dienstag, 14. August 2012