Montag, 23. April 2012

MTV Album der Woche: Jack White - Blunderbuss

Zu tun hat dieser nimmermüde Musiker ja eh genug. Veröffentlichte zuletzt zwei Alben mit The Dead Weather, produzierte seit 2009 auf seinem Label Third Man Records knapp 120 Platten anderer Künstler und trug nebenher The White Stripes zu Grabe. Ein wenig überraschender Schritt natürlich, denn seit nunmehr fünf Jahren erschien nichts Neues aus dem Hause White/White und nur wenige Blogs im Netz waren angesichts des ultimativen Endes wirklich schockiert. Sich aber ganz aus der aktiven Musikwelt zurückzuziehen und nur noch als Produzent in Erscheinung zu treten, sollte indes nicht des Rätsels Lösung sein - die Rückkehr als hauptberuflicher Songwriter vollzieht White dieser Tage mit Blunderbuss und so viel vorweg: sie ist ihm hervorragend gelungen.

>> Die brandneuen Videos der Woche gefällig? Bitte sehr.

Allein die dreckige Orgel, die im Opener Missing Pieces ertönt, ist herzallerliebst und leitet ein Soloalbum ein, in dem so viel Jack White drin steckt, wie auf dem Cover darauf steht. Mal aufgeweckt mit stampfendem Schlagzeug, mal zurückhaltend mit sanften Boogie Klavier, ist jeder Track dem Prädikat Bluesrock verschrieben und freilich soll damit keine musikalische Revolution gestartet werden - vielmehr setzt White an den Stellen an, die bereits The White Stripes zum Durchbruch verhalfen und dafür sorget, dass Seven Nation Army inzwischen bei jedem noch so kleinen Fussballspiel als veritables Fanlied herhält.

>> Zum Jack White-Video Love Interruption.

Andererseits stellt sich die Frage: Brauchen wir Blunderbuss überhaupt? Freilich, denn auf Solopfaden schälen sich die vielen Qualitäten des einstigen Frontmanns fast perfekt heraus und weil hier niemand White davon abhält zum Heavy Metal (Take Me With You When You Go) oder zum Vaudeville überzulaufen, wird seiner Experimentierlust keinerlei Grenzen gesetzt - allerdings wirkt Blunderbuss deswegen nicht wie ein Setzbaukasten, sondern erhält seine Homogenität allen voran durch das unverkennbare Spiel Jack Whites an sämtlichen Instrumenten. Stimmlich schraubt er sich einmal mehr durch die Verzerrer, sofern es der jeweilige Song zu lässt und wagt mehr als man ihm zutrauen würde.

>> Dem Fürst der Finsternis bei der Arbeit zuschauen? Hier entlang.

Aber Obacht: Blunderbuss wird nur einmal funktionieren und Jack White sollte den Moment auskosten, der ihm zu einem seiner spannendsten Werke verhalf - beim nächsten Mal vielleicht das Tempo raus und rein akustisches Material eingespielt? Wird auch wieder Knochentrocken wie der Wüstenstaub Nevadas klingen.

Label: XL Recordings/Beggars Group/Indigo Vö: bereits erschienen

Tracklist:

1. Missing Pieces
2. Sixteen Saltines
3. Freedom at 21
4. Love Interruption
5. Blunderbuss
6. Hypocritical Kiss
7. Weep Themselves to Sleep
8. I'm Shakin'
9. Trash Tongue Talker
10. Hip (Eponymous) Poor Boy
11. I Guess I Should Go to Sleep
12. On And On And On
13. Take Me With You When You Go

Und das vergangene MTV Album der Woche findet ihr hier.

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