Keine Ausreden mehr. Warum Yeasayer es mit "Fragrant World" es allen beweisen müssen, erfuhren wir im MTV Interview.

MTV Interview Yeasayer

Samstag, 28. Juli 2012

"Und einen Moment später bemerkst du, was der Sänger da von sich gibt"

Sind die Jungs um Sänger Chris Keating einfach nur besorgt oder treibt sie die Zukunft in den Wahnsinn? Fragen, die sich anhand ihres neuen Albums Fragrant World aufdrängen und damit das weiterführen, was Odd Blood 2010 nur andeutete: 'Natürlich ist das alles sehr explizit und für einige vielleicht zu viel - wir haben aber noch nie gemacht, was von uns erwartet wurde', erklären Yeasayer und behalten recht: Nur dank einer solchen Haltung gelang der Band aus dem dauerangesagten Brooklyn/New York vor einigen Jahren der Durchbruch - doch genau die, die sie damals in den Himmel lobten, müssen nun auch überzeugt werden, dass das alles keine Eintagsfliege war.

mtv.de: Für viele seid ihr eine tanzbare Indie-Elektroband und doch sind eure Texte alles andere als leicht verdaulich. Fühlt man sich da manchmal missverstanden?
Chris Keating: Ganz und gar nicht. In der Popmusik darf man solche Schnitte zwischen Melodie und inhaltlicher Ebene durchaus machen und nicht umsonst laufen Joy Division heute noch in jedem Indieladen - die singen ebenso vom Ende der Welt. Machen es aber auf eine Weise, dass du dazu tanzen kannst.

mtv.de: Es gibt auf 'Fragrant World' mit 'Henrietta' ein sehr zentrales Stück: Henrietta Lacks war Anfang der Fünfziger Jahre eine farbige Krebspatientin .
Chris Keating: (unterbricht) Und verstarb an einer medizinischen Sensation, die gegen ihren Willen geschah: In Baltimore wurden Schwarze damals nur in einem einzigen Krankenhaus behandelt und als man ihr Gewebematerial entnahm, entdeckten die behandelnden Ärzte Zellen, die sich immer wieder teilten und ein Eigenleben führten.

mtv.de: Der Song beschreibt aber eher die dunkle Seite der Geschichte: Wie Lacks an der Behandlung verstarb.
Chris Keating: Genau. Auch ihre Familie hatte am Ende nichts von allem, keine Entschädigung oder Beileidsbekundungen. (überlegt) Das sind halt so Sachen, die man aufgreift und bei denen ich das Gefühl habe, dass sie ganz gute Stories ergeben können - natürlich ist es dann immer eine Herausforderung, dass Thema an die Musik anzupassen.

mtv.de: Es gibt aktuell viele Indiebands, die es mit Elektrozusätzen versuchen. Yeasayer haben es geschafft - worin liegt eurer Meinung nach der Trend begründet?
Chris Keating: Als ich mit der Musik angefangen habe - sie als Teenger zu hören, meine ich - da waren die Genres ziemlich sauber voneinander getrennt: Sonic Youth haben Gitarren benutzt, DJs das Mischpult im Studi angeschmissen. Allerdings gab es selbst vor zehn, fünfzehn Jahren bereits erste Künstler, die diese Kategorien durchbrechen wollten.

mtv.de: Wer fällt dir da ein?
Chris Keating: Zuallererst natürlich Moby. Ich kann mich noch genau daran erinnern, wie auf einer Party das erste Mal "That's When I Reach For My Revolver" lief und es mir nicht in den Kopf wollte, dass dieser Track von einem DJ stammen soll. Man musste mir wirklich das Vinyl zeigen, ehe ich es glaubte!

mtv.de: Weswegen aber neben all den flotten Songs auf „Fragrant World“ diese Untergangsstimmung?
Chris Keating: Es ist keine wirklich Apokalypse und mir persönlich gefiel ein gewisser Gegensatz bei Bands schon immer - du hörst zuerst der Musik zu und dann, nur einen Moment später, bemerkst du, was der Sänger da von sich gibt und wie sehr dies einen Anreiz darstellt, es sich weiter anzuhören.

mtv.de: Können wir so stehen lassen und: Danke sagen, dass euch erneut ein Ausfall-freier Longplayer gelungen ist!
Chris Keating: Über Lob freuen wir uns immer. Gerade auf Konzerten ist es der Augenblick für dich als Musiker, wenn jemand, der für den Gig bezahlt hat, zu dir kommt und sich für den Abend bedankt - manchmal fühle ich mich peinlich berührt, ist doch nur mein Hobby. (lächelt)

Aktuelles Album: Yeasayer - Fragrant World (19.8.12, Mute/GoodToGo)

>> Alle Infos & Videos zu Yeasayer gibt es hier.

Yeasayer auf Tour:
16.09.12 Berlin - Astra Kulturhaus
23.09.12 Köln - Club Bahnhof Ehrenfeld

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