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MTV Album der Woche: The Smashing Pumpkins - Oceania
Hand aufs Herz: Dass wir Billy Corgan je wieder in dieser Rubrik begrüßen dürfen, hätte sich in den Hallen der MTV Redaktion niemand träumen lassen. Zu sehr verloren seine Smashing Pumpkins in den letzten zehn Jahren alles, was sie einst riesengroß werden ließ und zur Speerspitze der amerikanischen Alternative-Bewegung Mitte der 90er machte. Die Band zerfiel, ihr Chef kratzte die Reste noch einmal zusammen und haute mit dem ursprünglichen Drummer Jimmy Chamberlain 2007 Zeitgeist raus. Ein Album, dass an Größenwahn nicht zu überbieten war, sich schon am Titel verhob und mäandernde Elegien bot, die keinerlei Fortüne besaßen, aber mindestens die besten Rocksongs aller Zeiten sein wollten. Im Anschluss glaubte man, es sei endgültig aus: Im vergangenen Jahr musste die gesamte Deutschlandtour bis auf das Berlin-Konzert abgesagt werden - angeblich aus 'zeitintensiven Verpflichtungen' Corgans, in Wahrheit aber, weil nur so viele Karten verkauft wurden, dass selbiger auch zu jedem einzelnen Interessenten nach Hause hätte fahren können.
>> Die brandneuen Videos der Woche? Bitte sehr.
Doch genug der Schelte und des Zynismus, denn es gehört nicht viel dazu einen angeschlagenen Boxer K.O. zu hauen - ihn aber in der zwölften Runde beim Aufrappeln zu beobachten und zu sehen, dass doch noch Blut durch seine Adern fließt, ist umso schöner: Oceania erwischt einen derart kalt, dass man sich kurz vergewissern muss, ob es sich um ein neues oder nur neu-aufgelegtes Smashing Pumpkins Album handelt - so großartig geraten Corgan dieses Mal seine Songs, so wundervoll unprätentiös wird der Rock zitiert und dabei keine Klischees bedient. Fast wehrt man sich dagegen, weil es so sicher schien, dass der Schöpfer all dessen längst den Zenit überschritten hat und freilich, mit den richtigen Argumenten darf man Oceania richtig doof finden, das gilt für jedes andere Album aber auch.
>> Zum The Smashing Pumpkins-Hit 'Ava Adaore' aus dem Jahre 1998 geht es hier entlang.
The Smashing Pumpkins bestehen inzwischen nur noch aus ihm, der Rest macht einfach mit, bestreitet die Sessions und geht auf Tournee. Doch ihr Vorsteher hat den willigen Kombattanten nicht irgendeinen Murks übergestülpt, sondern seine besten Tracks seit Adore von 1998 versammelt: Weniger Gedonner, mehr künstlerische Akzente, mehr Arrangements im Stile von Mellon Collie… und manch exotischer Tune machen Oceania zu einem vitalen Statement, dass in dieser Form der Rezensent einem Billy Corgan 2012 zuallerletzt zugetraut hätte. 10 von 10 Punkten ist es deswegen nicht, aber platziert sich im oberen Drittel und beweisen musste es sich Corgan wohl am ehesten selbst - dass da noch was geht, rein kreativ und künstlerisch.
Man darf sich auf das Alterswerk von The Smashing Pumpkins wieder freuen und nicht nur leicht beschämt dem Klassiker Siamise Dream daheim hören - Billy Corgan ist zurück und wenn er in dieser Form bleibt, werden die Konzerte bald wieder voller. Ganz bestimmt sogar.
Label: Martha's Music/EMI Vö: bereits erschienen
Tracklist:
1. Quasar
2. Panopticon
3. The Celestials
4. Violet Rays
5. My Love Is Winter
6. One Diamond, One Heart
7. Pinwheels
8. Oceania
9. Pale Horse
10. The Chimera
11. Glissandra
12. Inkless
13. Wildflower
Und das vergangene MTV Album der Woche gibt es hier.
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