Freitag, 08. Juni 2012

"Wir waren schon immer eine politische Band"

Zuletzt etwas ungestüm, legen Maximo Park nun noch eine Schippe drauf und zelebrieren auf ihrem neuen, vierten Album The National Health eine politische Sicht der Dinge, die die Unruhen in England aus dem Jahre 2011 auf ganz eigene Weise thematisiert. Als Protestwerk soll der Longplayer allerdings nicht verstanden werden und so rudern Sänger Paul Smith und Gitarrist Duncan Lloyd im persönlichen Gespräch zurück: Beziehungen und zwischenmenschliche Verhältnisse spielten bei den Aufnahmen eine ebenso wichtige Rolle - Partys kommen zwar nicht darin vor, die lange Nacht vor dem Morgen danach ist trotzdem Gesprächsthema im MTV-Interview mit Maximo Park.

mtv.de: Paul, zuletzt erschien dein Soloalbum 'Margins' und schon damals meintest du, Maximo Park erfreuen sich bester Gesundheit - wie hat sich der Alleingang ausgewirkt?
Paul Smith: Sehr gut und ich war auch nicht der erste innerhalb der Band, der es mal ohne die Kollegen ausprobieren wollte. Duncan hatte ein paar Jahre zuvor schon den Anfang gemacht und gerade weil er gut zurechtkam, versuchte ich es ebenfalls. Solche Erfahrungen bringen eine Band definitiv weiter: Man erkennt die Vorteile, die es hat.

mtv.de: Die sich im Anschluss wie genau ausgewirkt haben?
Paul Smith: Wenn du allein im Studio bist, dann hast du zwar die volle Kontrolle, aber auch die komplette Verantwortung. Mit Maximo Park wird diese auf mehrere Schultern verteilt und man kann ein stückweit entspannen, weil sich die anderen genauso um diesen oder jenen Part kümmern können.

mtv.de: 2009 hattet ihr zum Album 'Quicken The Heart' eine schöne Fanaktion: Man konnte auf eurer Homepage Songs für zwei Konzerte voten. Ist jetzt ähnliches geplant?
Duncan Lloyd: Auf jeden Fall arbeiten wir gerade an verschiedenen Ideen. Der Draht zu den Leuten, die deine Alben kaufen und auf den Gigs vorbeischauen, sollte stets gepflegt werden - einfach nur alle paar Jahre mit einem neuen Studiowerk um die Ecke zu kommen, reicht nicht.

mtv.de: Gutes Stichwort: Es gibt einige, die 'The National Health' als bislang politischstes Album von euch begrüßen.
Paul Smith: Es gab 2011 in England ein paar Wochen, in denen ich dachte: Die Nation ist außer Kontrolle und auf der Platte geht es darum, diese Kontrolle zurück zu gewinnen. Das war immer eine der Hauptaussagen von Maximo Park: Schau dich selber an und höre auf deine innere Stimme.
Duncan Lloyd: Allerdings haben wir es nie so deutlich ausgedrückt wie hier und deswegen fällt es allen auf.

mtv.de: Richtig, abseits des Titeltracks sind viele Themen bekannt: Liebe, Miteinander und ähnliches kommen hörbar oft zur Geltung.
Paul Smith: Im Prinzip ist alles politisch bzw. selbst die kleinsten Ereignisse prägen die politische Kultur in der wir uns bewegen. Deswegen wäre es vermessen 'The National Health' als reines Protestalbum anzusehen - da stecken mehr Facetten drin, um ehrlich zu sein.

mtv.de: Euer Karrierestart ist bald wieder zehn Jahre her und die damaligen Hype-Kollegen von den Kaiser Chiefs haben bereits ein Best Of veröffentlicht.
Paul Smith: 'The National Health' ist unser Best-Of geworden. (lächelt) Es vereint alle Facetten, die uns seit 2003 ausmachen und erübrigt eine Werkschau - hier steckt alles drin, einhundert Prozent Maximo Park.

mtv.de: Welchen Ratschlag gebt ihr derweil jungen Bands, die es wie ihr ganz nach oben schaffen wollen?
Duncan Lloyd: Mach dir klar, was du willst und Finger weg vom Rock'n'Roll-Lifestyle.
Paul Smith: Korrekt, der Morgen danach ist immer wichtiger als die Nacht davor: Wer nur den Moment zelebriert, hat schnell keine Kondition, mehr um den Ansprüchen des Daily Business gerecht zu werden. Man muss lernen zu funktionieren, ohne sich selbst zu verstellen. Darum geht es am Ende - das Spiel manchmal ruhig mitzuspielen.

Aktuelles Album: Maximo Park - The National Health (Vertigo/Universal)

>> Zum Maximo Park-Hit 'The Kids Are Sick Again' geht es hier entlang.

>> Alle Infos zu Maximo Park gibt es hier.

Maximo Park auf Tour:
16.10.12 Erlangen - E-Werk
19.10.12 Berlin - Astra
20.10.12 Leipzig - Werk 2
21.10.12 Hamburg - Grosse Freiheit
23.10.12 Frankfurt - Gibson
27.10.12 Köln - Live Music Hall

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