Sagen Betrunkene wirklich immer die Wahrheit?

Fakt oder nur eine weit verbreitete Legende? Wir klären auf!

Wir sind uns wohl alle einig, dass Alkohol manchmal helfen kann, Dinge zu sagen, die man nüchtern nur schwer über die Lippen bringt. Wir erinnern uns sicher alle noch an einen Abend, an dem wir unserem Schwarm etwas angetrunken unsere Liebe gestanden haben … egal ob wir diese Idee am nächsten Morgen noch genauso gut fanden. Aber ist Alkohol wirklich auch das Wahrheitselixier, für das es viele Leute halten? Immerhin ist die Annahme weit verbreitet, dass betrunkene Menschen immer die Wahrheit sagen.

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Wenn wir unser betrunkenen Selbst beobachten, dann merken wir schnell, dass wir auch mit ein paar Promille nicht zum Wahrheitsorakel mutieren. Etwas angeschwipst habt Ihr sicher schon mal jemandem gesagt, wie nett Ihr ihn findet, obwohl Ihr die Person nüchtern gar nicht leiden könnt. Vielleicht wart ihr betrunken auch schon der Überzeugung, dass Ihr total gut einen Rückwärtssalto könnt oder Euer Spanisch perfekt ist. Der Alkoholexperte Thorsten Kienast hat es im Gespräch mit focus.de gut zusammengefasst: Betrunkene sagen die Wahrheit ‘’genau so viel oder wenig wie Nüchterne auch’’.

Und was sagt die Wissenschaft?

Der genaue Einfluss von Alkohol auf das Gehirn ist noch nicht vollständig erforscht. Es ist aber bewiesen, dass Alkohol den Hippokampus, das Erinnerungszentrum des Gehirns und den motorischen Cortex beeinflusst. Deswegen kann man einen Blackout bekommen und nicht mehr so gut gerade aus gehen, wenn man sehr betrunken ist (was wir wirklich niemandem empfehlen). Auch der Neocortex wird vom Alkoholkonsum beeinflusst. Dieser Teil des Gehirns ist unter anderem für das Urteilsvermögen und die Vernunft verantwortlich.

Alkohol beeinflusst unser Gehirn stark und bringt darin einiges durcheinander. Alkohol lässt also nicht einfach unseren tiefsten Sehnsüchten freien Lauf, sondern verändert unser Denkvermögen. Alkohol kann Glücksgefühle auslösen, mutiger, wütend oder traurig machen. Er sorgt aber auf keinen Fall dafür, dass wir zu ehrlicheren Menschen werden.

Montag, 19. Juni 2017