Brenk
Joe Zawinul zeigte einst nicht nur Miles Davis, sondern eigentlich der ganzen Welt, dass ?berhaupt und wie viel Soul in der ?sterreichischen Donaumetropole Wien steckt. Als er im September 2007 das Zeitliche segnete, hatte er sich l?ngst als einer der gr??ten europ?ischen Einfl?sse auf den ...
Joe Zawinul zeigte einst nicht nur Miles Davis, sondern eigentlich der ganzen Welt, dass ?berhaupt und wie viel Soul in der ?sterreichischen Donaumetropole Wien steckt. Als er im September 2007 das Zeitliche segnete, hatte er sich l?ngst als einer der gr??ten europ?ischen Einfl?sse auf den gesamten Black Music-Bereich etabliert.
Den Wiener Soul hat der Pianist jedoch nicht mit ins Grab genommen - die Fackel der traditionsreichen schwarzen Musik tr?gt man dort im zeitgem??en Hip Hop-Gewand weiter. Allen voran Branko Jordanovic alias Brenk, der sich durch seine zahlreichen Produktionen f?r die Wiener Rap-Szene zu ?sterreichs leiwandstem Soulbrother Nr. 1 gesampelt hat.
Ende der Neunziger wird aus Interesse an Musik - damals noch auf einer Stufe mit Fu?- und Basketball - Faszination. Die ersten Versuche als Beatbastler auf "komplettem Schrott-Equipment" (laut Interview mit The Message) gehen zwar schief, aber Blut hat Brenk geleckt. Die musikalischen Einfl?sse sind dabei vielf?ltig. Nat?rlich begeistert sich der Produzent f?r den Sample-basierten Sound aus Detroit, Philadelphia und New York.
Immerhin liegen dort - besonders in Detroit - die Wurzeln der Platten, die Brenk bevorzugt f?r seine Instrumentals benutzt: der (Motown-)Soul der Sechziger im Besonderen. Eine langj?hrige Begeisterung f?r den Westcoast-Sound der Neunziger ist au?erdem offensichtlich. Bester Beweis: Die Kamp-Single "Sommarloch", die dank herrlichstem G-Funk-Fiepen 2006 auf der f?nfzehnten Soundselection des Wiener Radiosenders FM4 landet.
Bis dahin ist es jedoch ein steiniger Weg, insbesondere in ?sterreich, wo der heimische Rap ohne Pre-Millennium-Hype oder irgendwelchem Erfolg auskommen muss. Die Wenigen aus der Hip Hop-Szene, die es im Alpenland "zu Etwas bringen, schaffen es entweder mit Hilfe eines Major-Zugpferdes aus Deutschland (Beatlefield mit Bushido) oder waren in der Lage, in Eigenregie ein kleines aber feines Independent-Label aufzuziehen (Texta mit Tontr?ger Records).
In der Wiener Szene orientiert man sich jedoch am Werbeslogan der Hauptstadt - "Wien ist anders" - und will von lokaler Geschlossenheit wenig bis gar nichts wissen. Anbiedern an die deutsche Szene will man sich nicht und einen ?sterreichischen Markt gibt es sowieso schon gar nicht.
Brenk hat sich mittlerweile akzeptables Equipment zugelegt und findet bei dem Wiener Label Stiege 44 ein musikalisches Zuhause. Im Gegensatz zu seinen offensichtlichen Vorbildern Jay Dee und Pete Rock arbeitet er jedoch nicht mit den klassischen Samplern wie MPC oder SP-12, sondern kreiert seinen Sound zumeist am Computer mit Hilfe diverser KORG-Ger?te.
Musikalisch reiht er sich trotzdem in eine Reihe mit den Vorangenannten - warme B?sse, klassische Drum-Patterns, zusammen geh?ckselte Samples - w?sste man nicht um Brenks Wohnsitz in Wien Kaiserm?hlen, w?rde man ihn sofort in das Detroiter Slum Village-Umfeld stecken. Bei der Frage nach dem Geheimrezept f?r seinen Sound gibt sich der Produzent im The Message-Interview so simpel wie schl?ssig: "Wenig schlafen, viel Bier, viele Platten." Auch dabei liegt er wohl nahe beim 2006 verstorbenen Detroiter Vorbild J Dilla.
Im Stiege 44-Umfeld landen Brenks Beats 2004 auf Ver?ffentlichungen von Kamp und Mr. L - insbesondere mit Kamp scheint man sich gut zu verstehen. Ein Jahr sp?ter produziert Brenk bereits sieben Tracks der Kamp und Esko-EP "EP: Demi". Mittlerweile hat sich Brenk einen Namen erarbeitet, dessen Qualit?t in Folge auch die Wiener K?nstler Deph Joe und MAdoppelT f?r sich gewinnen wollen.
2006 remixt Brenk Deph Joes Titeltrack seiner EP "Nenn Mich Deph". MAdoppelT engagiert den Produzent f?r acht Tracks seines neuen Albums "Plan Leben". Der Schulterschluss mit dem Florisdorfer bringt weitere Aufmerksamkeit - die Mischung aus Brenks Soul-geladenen Beats und MAdoppelTs zur?ckgelehntem Flow funktioniert vortrefflich. Bei Schwer Records hat MAdoppelT sogar ein Label gefunden, dass der Platte zumindest einen Teil der Aufmerksamkeit beschert, die sie verdient hat.
Vor dem everyday Struggle, will hei?en: dem t?glichen Broterwerb, sch?tzen lobende Kritiker-Worte nat?rlich nichts. Vom Beatbasteln selbst kann Brenk nicht leben und arbeitet nebenher als Lagerarbeiter. Jede freie Minute konzentriert er sich jedoch auf die Musik - Cratedigging im besten Sinne: Platten suchen, anh?ren und verwursten.
Dem Dasein eines notorischen Cratediggers und demnach klassischen Produzenten ist schlie?lich auch Brenks Deb?t "Gumbo" geschuldet, das 2008 auf dem Wiener Label Supercity der Waxolutionists erscheint. Die 40 Track starke Instrumentalplatte zeigt die Qualit?ten des Produzenten in schonungsloser Form, ohne die Ablenkung durch Raps. Vorbildwirkung hat nat?rlich J Dillas ganz ?hnlich aussehende Instrumental-Schnippsel-Platte "Donuts". Ein Vergleich, der allerorts eher aus Respektgr?nden erklingt, denn als Bitervorwurf gemeint ist.
?hnlich sieht das auch das deutsche Liebhaberlabel Melting Pot Music, das sich gleich mal vier Tracks der Platte f?r seine "Beat 45"-Reihe krallt und auf eine 7'' packt. Brenks Auftragslage hat sich mittlerweile stark verbessert - nicht nur weil Deutschlands f?hrendes Hip Hop-Medium JUICE "Gumbo" zur heimischen Platte des Monats k?rt. Sogar der Detroiter Untergrund shoppt mittlerweile beim Wiener Produzenten: F?r ihr Mixtape "Jumpoff A Bridge" packen die dort ans?ssigen Rapper Quest M.C.O.D.Y. und Marvwon Brenk in den Producer-Angaben zwischen die Vorbilder Dilla und Black Milk.
Alsbald pr?sentiert der Terminkalender prall gef?llt: Nico Suave will wieder Beats (Brenk war bereits auf dem 2007er "Nico Suave & Friends"-Album vertreten), eine EP mit dem Soul-S?nger Miles Bonny aus Kansas City ist auf Melting Pot Music geplant, MAdoppelT will f?r sein drittes Album Brenk im Boot haben, die K?lner Huss & Hodn haben Beat-Tapes bekommen, Manuvas Solo-Album steht an und mit der Westcoast Rap-Legende King Tee ist man im regen Kontakt via MySpace.
Au?erdem hat Brenk das lose K?nstlerkollektiv Soul Cats mit dem, in Wien ans?ssigen, s?dtiroler Produzenten-Kollegen Fid Mella und Rapper Deph Joe gegr?ndet. Was in dieser Konstellation zwischen schlichtem Rap und ?sterreichischem Neo-Soul entstehen kann, erf?hrt die interessierte ?ffentlichkeit im zweiten Halbjahr 2008 bei dem in zwei St?cke aufgeteiltem Deph Joe-Longplayer.
Au?erdem hofft Brenk darauf, dass seine Begegnung mit J Dillas Lieblings-MC Guilty Simpson bei einem Konzert in Wien nicht ohne Folgen bleibt. Der Kreis soll sich nat?rlich irgendwann schlie?en - vielleicht kann Brenk wie einst der Landsmann Joe Zawinul auch jenseits des gro?en Teiches f?r Furore sorgen.

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