Motörhead

Biographie

Motörhead ist eine britische Rockband, die 1975 gegründet wurde. Ihr Einfluss auf andere Musiker ist im Vergleich zum eigenen kommerziellen Erfolg groß. Die Musik von Motörhead vereint Einflüsse aus Punk, Hard Rock, Rock ’n’ Roll und Blues Rock und wird dem Heavy Metal zugeordnet.

Der Bandname wird oft fälschlich mit der Bikerszene assoziiert, bezieht sich jedoch auf Konsumenten der Droge Amphetamin. Die Verwendung des in der englischen Sprache nicht gebräuchlichen Umlauts ö im Bandnamen geht auf die Gruppe Blue Öyster Cult zurück. Das Motörhead-Logo mit diesem Umlaut stammt vom Grafiker Joe Petagno, der das Cover für das erste Album der Gruppe anfertigte. Dieser auch Heavy-Metal-Umlaut genannte Umlaut fand weitere Verwendung bei den Spitznamen der Musiker sowie in verschiedenen Albumtiteln.

Zwischen 1979 und 1982 hatte die Band ihre kommerziell erfolgreichste Phase, die Alben aus dieser Zeit wie Overkill, Bomber (beide 1979) und Ace of Spades (1980) gelten als wegweisend für den Heavy Metal und als Klassiker des Genres. Seit den frühen 2000er Jahren verzeichnet Motörhead wieder eine steigende Popularität. Die Bandgeschichte ist von zahlreichen Wechseln in der Besetzung, beim Management und der Plattenlabel gekennzeichnet. So stand Motörhead bislang bei insgesamt 16 verschiedenen Labels unter Vertrag. Seit 1995 ist sie unverändert in der Besetzung Lemmy Kilmister (Bass, Gesang), Phil Campbell (Gitarre) und Mikkey Dee (Schlagzeug) aktiv.

Die Geschichte der Band ist untrennbar mit der des Songschreibers und Bassisten Ian „Lemmy“ Kilmister verbunden. Der am 24. Dezember 1945 in Stoke-on-Trent, Staffordshire, England geborene Ian Kilmister, Sohn eines Feldkaplans und einer Bibliothekarin, spielte seit 1971 Bass bei den britischen Spacerockern Hawkwind. Während der Nordamerika-Tournee wurde Kilmister an der Grenze der USA zu Kanada im Mai 1975 wegen Besitzes von Amphetaminen festgenommen. Die Band stellte die Kaution für ihn und flog ihn für den Auftritt nach Toronto ein, weil sie auf die Schnelle keinen Ersatz finden konnten. Nach dem Ende der Show feuerte Hawkwind Lemmy Kilmister.

Kilmister kehrte nach England zurück und begann sofort mit der Zusammenstellung einer neuen Band. Gitarrist Larry Wallis kannte Kilmister noch von gemeinsamen Auftritten mit UFO und den Pink Fairies. Schlagzeuger Lucas Fox wurde ihm von einer damaligen Freundin empfohlen. Kilmister spielte Bass und übernahm den Gesang. Ursprünglich sollte die Band Bastard heißen, allerdings hielt der damalige Bandmanager Doug Smith den Namen nicht für medientauglich. Daraufhin wählte Kilmister Motörhead als Bandnamen. Der Begriff stammt ursprünglich aus dem US-amerikanischen Slang, bedeutet „Speedfreak“ bzw. „Geschwindigkeitssüchtig“ und steht als Synonym für Konsumenten amphetaminhaltiger Drogen. Zugleich ist Motorhead der Titel des letzten Liedes, das Kilmister für Hawkwind geschrieben hatte. Dieser Song wurde ursprünglich als B-Seite der Hawkwind-Single Kings of Speed veröffentlicht. Am 20. Juli 1975 spielte die neu gegründete Band ihren ersten Auftritt im Londoner Roundhouse im Vorprogramm von Greenslade. Im Oktober 1975 eröffnete Motörhead für Blue Öyster Cult im Hammersmith Odeon.

United Artists, das Plattenlabel von Hawkwind, hatte Motörhead unter Vertrag genommen und im Frühjahr 1976 gingen Motörhead ins Tonstudio, um ihr erstes Album On Parole aufzunehmen. Bereits während der Aufnahmen kam es zu Spannungen mit Schlagzeuger Lucas Fox, der mit dem ausschweifenden Lebensstil der übrigen Bandmitglieder mit Drogen und Alkohol nicht mithalten konnte. Über einen gemeinsamen Freund lernte Kilmister Phil „Philthy Animal“ Taylor kennen. Nach einer gemeinsamen Jamsession wurde Lucas Fox gefeuert und durch Taylor ersetzt. In dieser Besetzung wurden die Aufnahmen fertiggestellt. Allerdings verhinderte das Plattenlabel die Veröffentlichung dieses Albums und einer Single, die Motörhead für ihr neues Label Stiff Records im Sommer 1976 aufgenommen hatte. Zwischenzeitlich hatte mit Larry Wallis das zweite Gründungsmitglied Motörhead verlassen. Kilmister und Wallis kamen auf die Idee, die Band um einen zweiten Gitarristen zu erweitern, den sie mit Eddie Clarke fanden. Zur ersten gemeinsamen Probe erschien Wallis um Stunden verspätet und verließ danach die Band. Larry Wallis gab als Hauptgrund für seinen Weggang an, dass er wegen der Probleme bei den Aufnahmen die Lust an der Band verloren und das Gefühl hatte, dass Clarke von Anfang an dazu gedacht war, ihn zu ersetzen.

Ende 1976 entließ United Artists die Band aus dem bestehenden Vertrag, womit die Band ohne Plattenvertrag war. Im Frühjahr beschloss die Band, sich wegen anhaltender Erfolglosigkeit aufzulösen und ein letztes Konzert zu geben. Während des Konzertes war Ted Carroll von Chiswick Records anwesend und bot Motörhead im Anschluss einen Plattenvertrag für eine Single an. Aus den Aufnahmen zur Single wurden schließlich die Aufnahmen für ein vollständiges Album, das im September 1977 unter dem Titel Motörhead erschien. Eingespielt wurde es in der Besetzung Kilmister, Taylor und Clarke und bedeutete mit Platz 43 der britischen Albumcharts den ersten kommerziellen Erfolg der Band. Die Beyond the Tresholds of Pain Tour zum Album musste Motörhead nach fünf Auftritten abbrechen, weil Phil Taylor sich das Handgelenk gebrochen hatte.

Nachdem es Mitte 1978 zum Bruch mit dem damaligen Bandmanager Tony Secunda kam, weil er den Vertrag mit Chiswick Records gekündigt hatte, übernahm Doug Smith wieder das Management und besorgte Motörhead einen Vertrag mit Bronze Records. Das erste Ergebnis dieser Zusammenarbeit war die Single Louie Louie, die am 25. August 1978 erschien und Platz 68 der britischen Singlecharts erreichte. Nach einer Tournee im Herbst 1978 wurde das nächste Album Overkill aufgenommen und am 24. März 1979 veröffentlicht. Es erreichte in Großbritannien Platz 24 der Albumcharts und erhielt eine „Silberne Schallplatte“ für mehr als 60.000 verkaufte Einheiten. Nach Abschluss der Tournee zu Overkill nahm die Band das nächste Album auf, das unter dem Titel Bomber am 27. Oktober 1979 erschien. Dieses erreichte Platz 12 der britischen Albumcharts und ebenfalls Silber-Status. Damit erzielten die Bandmitgliedern erstmals Einnahmen, von denen sie leben konnten, wenngleich sie einen Großteil der Tantiemen in die Band investierten.

Kurz nach Bomber und dem damit verbundenen kommerziellen Erfolg veröffentlichte United Artists Records im Herbst 1979 das bereits 1976 aufgenommene On Parole. Da die Rechte an dem Album beim Plattenlabel lagen, benötigten sie dafür nicht das Einverständnis der Band.

Während der Tournee zu Bomber wurden vier Titel Live mitgeschnitten und erschienen im Mai 1980 als EP The Golden Years, welche mit Platz 8 die britischen Top Ten erreichte. Die Strapazen des Tourlebens forderten ihren Tribut, als Kilmister nach einem Konzert in der Stafford Bingley Hall im Juli 1980 kollabierte. Nach einer kurzen Erholungsphase begann die Band Anfang August mit den Aufnahmen zu Ace of Spades, das am 8. November 1980 erschien. Das Album ist der bislang größte Erfolg von Motörhead in Großbritannien mit Platz 4 der Albumcharts und Gold-Status für mehr als 100.000 verkaufte Einheiten. Die Single Ace of Spades erreichte Platz 15 in den UK Top 40.

Im November begann die Ace Up Your Sleeve-Tour durch Großbritannien und Nordirland. Nach einem Auftritt in Belfast verletzte sich Phil Taylor an der Halswirbelsäule, sodass die für Anfang 1981 geplanten Auftritte in Europa verschoben werden mussten. Während dieser Zeit nahm Motörhead gemeinsam mit Girlschool die EP St. Valentine's Day Massacre auf, auf dem sich mit Please Don't Touch eine Coverversion von Johnny Kidd & the Pirates befand. Die EP erreichte Platz 5 der Charts. Im März 1981 wurde die Tour fortgesetzt, während der Auftritte in Leeds und Newcastle wurden die Aufnahmen gemacht, die auf dem im Juni 1981 veröffentlichten Live-Album No Sleep ’til Hammersmith zu hören sind. Dieses Album stieg in der ersten Chartwoche auf Platz 1 der britischen Albencharts ein. Für das Album erhielt Motörhead seine bislang letzte Goldene Schallplatte in Großbritannien.

Nach Abschluss der USA-Tournee mit Ozzy Osbourne kehrte Motörhead nach Europa zurück und begann mit den Aufnahmen zum nächsten Album Iron Fist. Während dieser Zeit kam es zu Differenzen zwischen dem Management und der Band, da Motörhead vermutete, dass sie in finanzieller Hinsicht betrogen worden waren. Diese Probleme schlugen sich in den Aufnahmen nieder, weil das Management der Band nicht die nötigen 10.000 Pfund für die Produktion des Albums zur Verfügung stellte. Daraufhin entschied Kilmister, dass Eddie Clarke das Album produzieren sollte. Nachdem Kilmister während der laufenden Tournee zum Iron-Fist-Album Clarke dazu verpflichtete, auch die Aufnahmen zur Stand by Your Man-EP mit Wendy O. Williams zu produzieren, kam es im Studio zum offenen Streit zwischen beiden Musikern, in dessen Folge Clarke Motörhead verließ. Zwar spielte Clarke noch zwei ausstehende Shows in New York und Toronto, war aber zu dem Zeitpunkt bereits kein offizielles Mitglied von Motörhead mehr.

Ersetzt wurde er durch Brian Robertson (ehemals Thin Lizzy), den Kilmister bereits seit Jahren kannte. Weil er kurzfristig verfügbar war, ließ ihn die Band von Europa nach Kanada einfliegen. Nach einer kurzen ersten Probe spielte er das erste Konzert mit Motörhead in Detroit im Juni 1982. Es folgten weitere Auftritte in Japan und Europa, bevor im März 1983 die Aufnahmen zu Another Perfect Day begannen. Das Album gilt wegen der Gitarrenarbeit von Robertson als Motörhead-untypisch, weil es raffiniertere, melodischere und extravagantere Melodien als auf anderen Alben enthält. Mit dem im Juni 1983 veröffentlichten Album begann der kommerzielle Erfolg von Motörhead nachzulassen, es erreichte nicht mehr die Top Ten der Albumcharts und konnte keine Auszeichnung für die Anzahl der Verkäufe mehr erreichen. Die Fans der Band mochten Another Perfect Day zunächst nicht und warfen der Band vor, eher kommerzielle denn musikalische Interessen zu verfolgen, heute gilt das Album allerdings als Geheimtipp. Die Zusammenarbeit mit Robertson währte bis zum Herbst 1983. Während der Tournee zum Album weigerte er sich zunächst, alte Motörhead-Lieder zu spielen. Zum Eklat kam es nach einem Konzert in Hannover, bei dem Robertson trotz Ermahnung durch Kilmister dreimal das Lied Another Perfect Day spielte. Daraufhin feuerte Kilmister ihn und sagte den Rest der Tour ab.

In einem Interview mit der Musikzeitschrift Melody Maker gab Kilmister bekannt, dass Motörhead auf der Suche nach einem neuen Gitarristen sei. Aus der Vielzahl der Bewerbungen wählten Kilmister und Taylor Phil Campbell und Michael „Würzel“ Burston aus. Um sich für einen entscheiden zu können, setzte Kilmister ein Vorspielen an, zu dem Schlagzeuger Taylor jedoch nicht erschien und stattdessen erklärte, aufhören zu wollen. Auf Vorschlag des Bandmanagers wurde er durch Pete Gill (ehemals Saxon) ersetzt, den Kilmister seit einer gemeinsamen Tour 1979 mit Saxon kannte. Weiterhin wurde entschieden, die Band mit zwei Gitarristen fortzuführen. In dieser Besetzung setzte Motörhead im Frühjahr 1984 die im Herbst 1983 unterbrochene Tournee fort. Um das neue Line-up zu promoten, veröffentlichte Bronze Records im September 1984 das Best-of-Album No Remorse, das auch vier in der aktuellen Besetzung aufgenommene neue Titel enthielt. Aufgrund von Problemen mit dem Label, das sich nach Meinung von Kilmister nicht mehr für die Band interessierte, verließ Motörhead Ende 1984 Bronze Records und war wegen Rechtsstreitigkeiten bis auf weiteres daran gehindert, ein neues Album zu veröffentlichen. Während dieser Zeit bestritt die Band verschiedene Auftritte, unter anderem zum zehnjährigen Jubiläum im Juni 1985 im Hammersmith Odeon.

Im November 1985 war der Streit mit Bronze Records beigelegt und Bandmanager Douglas Smith nahm Motörhead bei seinem eigenen Plattenlabel GWR Records unter Vertrag. Das Anfang 1986 aufgenommene nächste Studioalbum Orgasmatron erschien am 6. August 1986, gefolgt von einer dazugehörigen Tournee. Anfang 1987 fanden die Dreharbeiten zu Motörheads Cameo-Auftritt im Film Eat the Rich statt. Während des Drehs wurde Pete Gill von Kilmister wegen persönlicher Differenzen gefeuert und Phil Taylor kehrte zur Band zurück. Mit ihm nahm Motörhead im Juni 1987 das nächste Album Rock ’n’ Roll auf, das im September des Jahres erschien. Die darauf folgende Tournee führte die Band 1988 im Vorprogramm von Alice Cooper auch in die USA. Im Juli 1988 wurde ein Konzert im finnischen Hämeenlinna beim dortigen Giants of Rock aufgenommen und als Live-Album No Sleep at All veröffentlicht. Nach einer kurzen Auszeit Anfang 1989 begann die Band mit dem Songwriting für das nächste Album. Dessen Veröffentlichung verschob sich allerdings erheblich, weil sich Motörhead im Herbst 1989 von ihrem Manager und damit auch von dessen Plattenfirma GWR Records trennte. Grund für die Trennung war der Verdacht finanzieller Unregelmäßigkeiten, der schließlich zu einem Vertrauensbruch zwischen Smith und der Band führte.

1990 fand Motörhead mit Phil Carson einen neuen Manager, der bereits für Robert Plant gearbeitet hatte. Carson verschaffte Motörhead einen Plattenvertrag bei WTG Records, einem Sublabel von Sony Music. Der Sitz des Unternehmens war Los Angeles, weshalb Kilmister im Juni 1990 seinen Wohnsitz dorthin verlegte, während die übrigen Bandmitglieder in England blieben. Kurz darauf begannen die Aufnahmen zu 1916, das im Februar 1991 erschien. Es erreichte mit Platz 142 die bis dahin höchste Notierung in den US-amerikanischen Albumcharts. Während der anschließenden Tournee trennte sich Manager Carson von der Band, weil er ein besseres Angebot bekommen hatte. Das Management übernahm zunächst Sharon Osbourne, die allerdings finanzielle Unregelmäßigkeiten während der Japan-Tour der Band anlastete und den Vertrag kündigte. Ohne Management ging die Band auf Tour durch Australien. Darauf folgte die vom Sony-Konzern organisierte Operation Rock 'n' Roll-Tournee durch Nordamerika. Neben Motörhead nahmen mit Alice Cooper, Judas Priest, Metal Church und Dangerous Toys insgesamt fünf Bands daran teil, die alle bei verschiedenen Labels des Sony-Konzerns unter Vertrag standen. Gegen Ende der Tour fand Motörhead mit Doug Banker einen neuen Manager. Anfang 1992 begannen die Aufnahmen zu March ör Die, während der Schlagzeuger Taylor gefeuert wurde. Die Trennung hatte sich bereits abgezeichnet, endgültiger Auslöser war, dass Taylor zu den Aufnahmen erschien, ohne die neuen Stücke einstudiert zu haben.

Als neuer Schlagzeuger wurde der Schwede Mikkey Dee verpflichtet, den Kilmister von einer gemeinsamen Tour mit Mercyful Fate kannte. Dee ist erstmals auf March ör Die zu hören, das im August 1992 erschien. Erneut wechselte Motörhead das Management, neuer Manager wurde Todd Singerman. Zu dieser Zeit zeichnete sich zudem der Bankrott des Labels WTG an. Anfang 1993 wechselte die Band zum auf Dance spezialisierten deutschen Label ZYX Music, weil dies das beste finanzielle Angebot machte. Im November 1993 erschien mit Bastards das nächste Studioalbum. Nach der Tour zum Album trennten sich Motörhead und ZYX und die Band wechselte zu CBH, dem Label ihres deutschen Promoters Rainer Hänsel. Für das im März 1995 veröffentlichte Album Sacrifice konnte mit CMC Records erst im Nachhinein ein Distributor für die Märkte außerhalb von Europa gefunden werden. Kurz darauf verließ Gitarrist Michael „Würzel“ Burston die Band, der gemeinsam mit seiner Ehefrau Lemmy Kilmister beschuldigte, ihn finanziell auszunehmen. Motörhead beschloss gemeinsam, als Trio weiterzumachen und ist seitdem in der Besetzung Kilmister, Campbell und Dee aktiv.

Nach einer Tournee erschien im Oktober 1996 das nächste Studioalbum Overnight Sensation, die dazugehörige Tour führte die Band erstmals nach Russland, wo sie vier Auftritte in Moskau, Rostow und Sankt Petersburg bestritt. Im März 1998 erschien Snake Bite Love, auf der anschließenden Tour wurde ein Auftritt in Hamburg mitgeschnitten und als Live-Album Everything Louder Than Everyone Else 1999 veröffentlicht. Ebenfalls 1999 wurde das nächste Studioalbum während der Pausen der laufenden Tournee aufgenommen.

Am 16. Mai 2000 erschien das fünfzehnte Studioalbum We Are Motörhead gefolgt von einer gut ein Jahr dauernden Tournee. Einen Wendepunkt in kommerzieller Hinsicht stellte das im April 2002 veröffentlichte Album Hammered dar. Motörhead verkaufte von der Platte innerhalb eines Monats mehr Exemplare als von den beiden vorangegangenen Alben bis dahin zusammen. Da Motörhead auch wieder für größere Clubs gebucht wurden, bedeutete dies einen finanziellen Aufschwung für die Musiker. Es folgte ein Plattenvertrag beim renommierten deutschen Independentlabel SPV und 2004 das Album Inferno. Weiterhin nahm Motörhead 2004 das Lied You Better Swim für den SpongeBob-Schwammkopf-Film auf. Für ihren Titel Whiplash, ein Metallica-Cover, erhielt Motörhead 2005 den Grammy Award in der Kategorie Best Metal Performance.

Am 16. Juni 2005 wurde im Hammersmith Apollo in London das 30-jährige Bandjubiläum gefeiert. Für Motörhead eröffneten die langjährigen Weggefährten von Saxon und Girlschool. Ebenfalls 2005 spielte Motörhead auf dem Vaya Con Tioz-Abschiedsfestival der Böhsen Onkelz auf dem Lausitzring.

Motörhead hat seit 2000 mehrmals mit der amerikanischen Wrestlingpromotion World Wrestling Entertainment (WWE) zusammengearbeitet, so wurden drei Songs aufgenommen (The Game, Line in the Sand (Evolution) und King of Kings), die als Einzugsmusik für den Wrestler Triple H verwendet werden. Auch sind die Songs auf den verschiedenen CDs der Promotion zu finden. Zudem hatte Motörhead Auftritte bei Wrestlemania 17 (1. April 2001) und WrestleMania 21 (3. April 2005), wo sie Triple Hs Einzüge live begleiteten.

Im August 2006 wurde das Album Kiss of Death veröffentlicht, das erste seit dem 1992er Album March ör Die, das sich in den britischen Albumcharts platzieren konnte. In Deutschland stieg es in der ersten Chartwoche auf Platz 4 der Albumcharts ein. 2008 erschien das Album Motörizer. Für die Tour 2009 wurde als Ersatz für Schlagzeuger Mikkey Dee, der wegen der Teilnahme an der schwedischen Ausgabe des Dschungelcamps nicht verfügbar war, Ex-Guns-N’-Roses-Schlagzeuger Matt Sorum verpflichtet. Im Zuge der Vorarbeiten zum 21. Studioalbum The Wörld is Yours, das im Dezember 2010 anlässlich des 65. Geburtstages von Lemmy Kilmister und des 35-jährigen Bandjubiläums erschien, gründete die Band ein eigenes Plattenlabel unter dem Namen Motörhead Music.

Zusätzlich zum Band-Logo benutzt Motörhead, ähnlich wie die Heavy-Metal-Band Iron Maiden, eine speziell für die Gruppe entworfene Fantasiefigur, die der Gruppe als Maskottchen dient, und die in verschiedenen Variationen auf vielen ihrer Albumhüllen sowie auf Bühnenhintergründen und Band-T-Shirts abgebildet ist. Die Figur stellt einen Schädel mit bedrohlich aufgerissenem Maul dar und trägt den Fantasienamen Snaggletooth (auf Deutsch etwa „tückischer Zahn“, voller Name „Snaggletooth B. Motörhead“). Die Figur besteht aus dramatisch überzeichneten Elementen eines Keiler- und eines Hundeschädels sowie einigen martialisch anmutenden militärischen Elementen – darunter ein mit Stacheln besetzter Stahlhelm, ein Eisernes Kreuz und eine an den übergroßen Hauern befestigte Kette. Snaggletooth erschien erstmals auf dem Plattencover des 1977er Debütalbums Motörhead. Entworfen wurde die Figur 1975 vom Künstler Joe Petagno, der damit seine Vorstellungen eines Hells-Angels-Schädels umsetzen wollte. Im Jahr 2007 beendete Petagno die Zusammenarbeit mit Motörhead.

Motörhead ist dem Musikgenre des Heavy Metal zuzuordnen, obwohl in die Musik Stilelemente aus dem Hard Rock, dem Punkrock und dem Bluesrock einfließen. Ian Christe bezeichnet Motörhead als das Bindeglied zwischen Black Sabbath und dem aufkommenden Punk Mitte/Ende der 1970er, Black Sabbath habe den Heavy Metal erfunden, Judas Priest habe ihn bekannt gemacht und Motörhead schließlich habe ihn ausdefiniert. Das Musikmagazin Rolling Stone schreibt, dass die Musik der Band der kleinste gemeinsame Nenner zwischen Punk und Metal gewesen“ war. Das deutsche Musikmagazin Rock Hard bezeichnet das Debütalbum Motörhead als „völlig eigenständigen Bastard aus Rock ’n’ Roll und Punk“.

Die Gruppe selber und besonders Bandgründer Lemmy Kilmister betrachten die Gruppe allerdings nicht als Metal-Band. In einem Interview mit dem Rolling Stone anlässlich der Veröffentlichung des 2004er Albums Inferno äußerte Kilmister, dass es Zeit sei, für die Musik eine neue Kategorie zu schaffen: „Motörhead Music“. In anderen Interviews weist er darauf hin, dass er sich dem Punk stets mehr verbunden fühlte als dem Metal, Motörhead habe mehr mit The Damned als Black Sabbath gemeinsam, und keine Gemeinsamkeiten mit Judas Priest; für ihn sind Bands wie Black Sabbath und Judas Priest Metal, schnellere Bands wie die der NWOBHM oder Metallica klingen für ihn mehr nach Punk als nach Metal. Punks seien interessanter und wütender, Metaller verlören ihre Wut schnell, wenn Geld im Spiel sei, und Metal habe seinen revolutionären Geist verloren, als er in die Arenen kam, wo Punks niemals gespielt hätten. Die Band selbst bezeichnet ihren Stil als Rock ’n’ Roll, was auf Lieder wie Angel City, Going to Brazil, Don’t Waste Your Time und Coverversionen wie Blue Suede Shoes oder Hoochie Coochie Man durchaus zutrifft. Allerdings ist dies nicht als Motörheads Hauptgenre zu bezeichnen, da die Band auch andere Stile bedient oder von ihnen beeinflusst ist. Einige Stücke sind dem Hard Rock zuzuordnen, so ist You Better Run mit Bad to the Bone von George Thorogood vergleichbar, auf das auch die Textzeile „I’m iron & steel, I’m bad to the bone“ anspielt. Titel wie R.A.M.O.N.E.S., ein Lied über die US-amerikanische Band Ramones, sind wiederum eindeutig dem Punk zuzuordnen, die Band trat unter anderem mit The Damned auf, und Lemmy hatte Kontakte zur frühen englischen Punk-Subkultur, unter anderem zu Sid Vicious und Wendy O. Williams.

Das Musikmagazin Rolling Stone bezeichnet die Band als „Gründungsväter des Speed Metal, das Billboard Magazine weist auf den weitreichenden Einfluss von Motörhead hin und schreibt, dass der „überwältigende, laute und schnelle Heavy Metal [der Band] einer der wegweisendsten Stile der späten 1970er war“, die Musik der Band sei kein Punkrock, vielmehr war sie die erste Metalband, die „diese Energien gebündelt und damit den Grundstein für spätere Genres“ des Heavy Metal legte. So werden Lieder wie Overkill oder Bomber als Basis für den Thrash Metal angesehen. Dem 1979er Album Overkill wird eine bedeutende Rolle für die Entwicklung der New Wave of British Heavy Metal zugesprochen, das 1980er Album Ace of Spades wird als eines der wichtigsten Alben der Rockgeschichte bezeichnet.

Über alle Subgenres des Metals sind Musiker und Bands von Motörhead beeinflusst. Bereits Ende der 1970er spielten Gruppen wie die Tygers of Pan Tang Coverversionen der Band und die Black-Metal-Pioniere Venom und Bathory ließen sich neben anderen Bands wie Black Sabbath auch von Motörhead inspirieren. Als Bestandteil der britischen NWOBHM-Szene gehörte Motörhead zu den Haupteinflüssen der Anfang der 1980er aufkommenden Metalszene in den USA. Lars Ulrich, Schlagzeuger von Metallica, begleitete Motörhead auf deren 1981er USA-Tournee und war Leiter des US-amerikanischen Motörhead-Fanklubs. Jeff Becerra, Sänger der US-amerikanischen Death-Metal-Pioniere Possessed, verwies darauf, dass der Anspruch von Possessed gewesen sei, „so schnell und so laut zu spielen … wie Motörhead“. Die ebenfalls zu den Pionieren dieser Musikrichtung zählenden Bands Master und Death Strike von Paul Speckmann zählen Motörhead ebenfalls zu ihren Einflüssen. Auch die Kanadier Voivod zeigten sich auf ihrem 1984er Debüt War and Pain hörbar unter dem Einfluss der Musik von Motörhead. Die Mitte der 1980er in den USA aufkommende Metalcore-Bewegung bezieht sich ebenso auf Motörhead wie die 1990er Crust-Bewegung. Der Einfluss der Band reicht bis in die heutige Zeit, Fenriz von der norwegischen Band Darkthrone verwies darauf, dass er sich bei dem in den 2000ern vollzogenen Stilwechsel von den frühen Veröffentlichungen von Motörhead inspirieren ließ und nannte die von Motörhead praktizierte Verbindung von Heavy Metal und Punk „Metalpunk“.

Ein Merkmal der Band sind Lemmys sprachlich elaborierte Texte, so zum Beispiel folgende Zeilen aus Orgasmatron zum Thema Religion:

„Obsequious and arrogant, clandestine and vain, two thousand years of misery, of torture in my name.“ (Unterwürfig und arrogant, verstohlen und eitel, zweitausend Jahre voller Elend und Qual in meinem Namen.)

„I rob you and I slaughter you, your downfall is my gain, and still you play the sycophant and revel in your pain.“ (Ich beraube dich und ich schlachte dich, dein Niedergang ist mein Gewinn, und dennoch gibst Du den Schmeichler und feierst dich in deinem Schmerz.)

Regelmäßig veröffentlichen sie Songs mit sozialkritischem und historischem Hintergrund, als Beispiele seien genannt:

Da die Rechte der frühen Motörhead-Alben nicht bei der Band liegen, werden diese Alben immer wieder in verschiedenen Formaten herausgebracht. Neben diesen offiziellen Alben gibt es noch diverse Bootlegs und dutzende Best-of-Alben. Hier sind nur die Studioalben aufgelistet, eine vollständige Übersicht befindet sich unter Motörhead/Diskografie.

Der Text ist unter der Lizenz "Creative Commons Attribution/Share Alike“ verfügbar. Zusätzliche Bedingungen können anwendbar sein. Einzelheiten sind auf der Seite von Creative Commons beschrieben. Ursprüngliche(r) Autor(en) des verwendeten Textes.