Dalida

  • Dalida, eigentlich Yolanda Christina Gigliotti (* 17. Januar 1933 in Kairo; † 3. Mai 1987 in Paris), war eine französische Sängerin und Schauspielerin italienischer Abstammung. Sie fand international Beachtung mit Titeln wie „Bambino“ (1956) und „Ciao, ciao Bambina“ (1959) und verkaufte etwa 150 Millionen Schallplatten weltweit.

    Für ihre zahlreichen Hits erhielt Dalida 55 Goldene Schallplatten sowie Platinplatten und als erste Sängerin überhaupt eine Diamantene Schallplatte.

    Leben und Karriere

    Anfänge

    Dalida wurde 1933 in Kairo als zweites von drei Kindern geboren. Sie verbrachte ihre Kindheit und Jugend vorwiegend in Ägypten, da ihr Vater Pietro Gigliotti als erster Geiger am Kairoer Opernhaus engagiert war. Ihre Großeltern waren um die Jahrhundertwende aus der Provinz Catanzaro im süditalienischen Kalabrien ausgewandert. Dalida besuchte eine katholische Schule. 1951 nahm sie erstmals an einem Schönheitswettbewerb teil. Drei Jahre später wurde sie zur „Miss Ägypten“ gewählt und spielte kleinere Nebenrollen in den Filmen „Joseph et ses frères“, „The Mask of Toutankhamon“ und „A Glass and a Cigarette“. Am 25. Dezember 1954 ging sie nach Paris, um Schauspielerin zu werden. Sie wirkte in zwei Filmen als Nebendarstellerin mit.

    Dalidas Laufbahn als Sängerin begann am 9. April 1956 im Pariser Olympia mit der französischen Version von Stranger in Paradise (Etrangère au Paradis). Bei diesem Nachwuchswettbewerb wurde sie entdeckt vom Chef des Hauses, Bruno Coquatrix, sowie dem Plattenproduzenten Eddie Barclay und dem Programmdirektor des Senders „Europe 1“, Lucien Morisse.

    Erfolg

    Eddie Barclay gab Dalida einen Plattenvertrag bei seinem Label Barclay Records. Hier wurde bei ihren Plattenaufnahmen als Orchesterbegleitung meistens Raymond Lefèvre eingesetzt. Ihre Debüt-Single 1958 wählte man Dalida zur „Sängerin des Jahres“ und zeichnete sie zusammen mit dem Franzosen Yves Montand mit dem „Music Hall Bravo“ aus.

    Weitere Goldene Schallplatten bekam Dalida 1959 für „Ciao Ciao Bambina“, „Guitare et Tambourin“ sowie für Am Tag, als der Regen kam, das Platz 1 der deutschen Hitparade erreichte und sich ein halbes Jahr lang unter den zehn erfolgreichsten Schlagern behauptete. Dalida galt in einschlägigen Publikationen als „Königin der Jukebox“. Allein 1960 schaffte sie fünf Goldene Schallplatten mit „Romantica“, „T’aimer follement“, „Les enfants du Pirée“, „Itsi-Bitsi“ und „Milord“.

    Hochzeit und Trennung

    Am 18. April 1961 heiratete die 28-Jährige in Paris ihren Entdecker Lucien Morisse. Doch die Ehe scheiterte schon einige Monate später, als Dalida mit dem etwas jüngeren Maler Jean Sobieski zusammenzog.

    Künstlerisch war 1961 für Dalida ein weiteres erfolgreiches Jahr. Sie erhielt Goldene Schallplatten für „Last Waltz“, „Achète-moi un jukebox“ und „Garde moi la dernière danse“. Im Dezember 1961 bezog sie eine Villa auf dem Montmartre in Paris und trennte sich von Sobieski.

    1964 begleitete Dalida für den Rundfunksender „Europe 1“ die Tour de France. Jeden Abend trat sie nach dem Rennen auf einer Bühne auf. Sie fuhr durch ganz Frankreich und sang fast 3.000 Lieder. Im September 1964 nahm Dalida für mehr als zehn Millionen verkaufte Schallplatten ihre erste Platinplatte entgegen. 1967 ehrte man sie in Italien als populärste Sängerin mit dem „Oscar Canzonissima“.

    Private Krise

    Am 25. Januar 1967 nahmen Dalida und ihr Freund, der italienische Komponist und Sänger Luigi Tenco, am Festival von Sanremo teil. Bei der Veranstaltung sang erst Tenco, dann Dalida das Lied „Ciao amore, ciao“. Als die Jury entschied, dass beide Künstler nicht am Finale teilnehmen durften, schrieb Tenco im Hotel „Savoy“ einen Abschiedsbrief, in dem er die kommerzielle Entscheidung der Jury anprangerte, und tötete sich durch einen Schuss in den Kopf.

    Nach dem Vorfall litt Dalida unter psychischen Problemen und Depressionen, ein Suizidversuch scheiterte. Dalida überwand die Krise mit Hilfe einer Psychotherapie. Der Schriftsteller Arnaud Desjardins, der sein Leben fernöstlichen Religionen gewidmet hatte, wurde ihr neuer Freund. Sie begleitete ihn nach Indien und bereiste das Land drei Jahre lang allein, um sich in die Obhut eines geistlichen Führers zu begeben.

    Auszeichnungen

    1968 erhielt Dalida für ihre Verdienste um das französische Chanson die Medaille des Präsidenten Charles de Gaulle. Das Maison des Intellectuels erhob sie zum Commandeur des Arts, Sciences et Lettres und verlieh ihr das Ehrenkreuz von Vermeil. Für „Le temps des fleurs“, „Gigi“ und „J'attendrai“ nahm sie weitere Goldene Schallplatten entgegen.

    Nach etwa 15-jähriger Zusammenarbeit mit der Firma „Barclay“ übernahm Dalida 1970 selbst die Produktion ihrer Schallplatten und verpflichtete ihren jüngeren Bruder Bruno (genannt Orlando) Gigliotti als Produzent und Manager.

    Comeback

    Im November 1971 trat Dalida nach vierjähriger Pause mit neuem Repertoire wieder im „Olympia“ in Paris auf. Da man nicht an ihr Comeback glauben wollte, musste sie die Saalmiete selbst tragen. Doch ihr Auftritt wurde ein Riesenerfolg.

    1972 wurde der Maler und Sänger Richard Chanfray Dalidas neuer Lebensgefährte. Chanfray war in der Pariser Gesellschaft als „Graf von Saint-Germain“ bekannt. Mit ihm lebte sie auf der Mittelmeerinsel Korsika zusammen.

    1973 nahm sie das Duett „Paroles, paroles“ (Worte, Worte) mit dem Schauspieler Alain Delon auf. Der Song wurde in Frankreich, Kanada, Japan und in vielen anderen Ländern ein Hit. 1974 eroberte sie mit „Gigi l’amoroso“ (Gigi, der Geliebte) und „Il venait d'avoir 18 ans“ (Er war gerade 18 Jahr) erneut die Spitze der Hitparade. Sie erhielt zum zweiten Mal den „World Oscar for the Hit Record of the Year“. Für „Gigi“ erhielt sie 1975 eine Platinplatte.

    1981 trennte sich Dalida von Richard Chanfray, im Juli 1983 beging dieser Selbstmord.

    Weitere Erfolge

    Mit dem Lied „J'attendrai“ war sie ab 1975 in der Disco-Welle erfolgreich. Weitere Disco-Erfolge waren „Besame Mucho“ (1976), „Laissez-moi danser“ (1979) und „Gigi in Paradisco“ (1980).

    1977 trat Dalida zum ersten Mal in der New Yorker Carnegie Hall auf. In demselben Jahr feierte sie auch ihr 20-jähriges Bühnenjubiläum im Pariser „Olympia“. Mit „Salma Ya Salama“, das sie in fließendem Arabisch im Raï-Stil sang, landete sie einen weiteren Hit. Man nannte sie deswegen auch „Friedenssängerin“ von Ägypten. Die Konzerttournee in Ägypten und im Libanon war ausverkauft.

    1980 gastierte Dalida als Revue-Star im Pariser „Palais des Sports“. Im selben Jahr überreichte man ihr anlässlich ihres 25-jährigen Künstlerjubiläums die seltene Diamantene Schallplatte. 1981 begann eine große Tournee mit der Show, die sie im Palais des Sports aufgeführt hatte. In den Achtzigerjahren hatte Dalida noch weitere große Erfolge mit "Mourir sur scène" (1983) und "Pour te dire je t'aime", die französische Version von Stevie Wonders "I just Called To Say I love You" (1984).

    Für den Film Der Kämpfer mit Alain Delon sang sie 1983 den Filmtitel Je n'aime que lui ein.

    1986 feierte man sie in ihrer Geburtsstadt Kairo bei der Uraufführung des Films „Le sixième jour“ (Der sechste Tag) von Youssef Chahine, in dem sie die Hauptrolle spielte.

    Tod

    Am 3. Mai 1987 wurde Dalida in ihrem Pariser Haus auf dem Montmartre gegen 18 Uhr von einer Hausangestellten tot aufgefunden. Die Polizei teilte mit, sie sei an einer Überdosis Schlafmittel gestorben. Im Abschiedsbrief der 54-Jährigen stand lediglich der eine Satz: „Das Leben ist mir unerträglich geworden – vergebt mir.“ Dalida wurde auf dem Pariser Friedhof Montmartre, Div. 18, beigesetzt.

    Am 24. April 1997 wurde 10 Jahre nach ihrem Tod zu ihrem Gedenken die Place Dalida, unweit ihrer Wohnung und ihres Grabes, im 18. Arrondissement eingeweiht.

    Diskografie (LPs)

    Posthume Veröffentlichungen

    • 2000 – Dalida éternelle
    • 2007 – Dalida une vie (3 DVD/8 DVD)

    Filmografie

    • 1955: Le masque de Toutankhamon
    • 1955: Sigarah wa kas
    • 1958: Rapt au deuxième bureau
    • 1959: Mädchen für die Mambo-Bar
    • 1961: Che femmina… e che dollari!
    • 1963: L’inconnue de Hong Kong
    • 1963: Teuf-teuf (TV)
    • 1965: Menage all’italiana
    • 1965: Ni figue ni raisin (TV-Serie, eine Folge)
    • 1966: La morale de l’histoire (TV)
    • 1968: Io ti amo
    • 1968: American secret service: cronache di ieri e di oggi
    • 1986: Der sechste Tag (Al-yawm al-Sadis)

    Siehe auch

    • Liste der Nummer-eins-Hits in Deutschland (1959)

    Weblinks

    Einzelnachweise

    1. Deutsche Single Charts auf CD-Rom, Taurus Press
    2. AT Charts
    3. CH Charts
    4. NL Charts
    5. Barclay brachte von Dalida EPs auf den Markt, bezeichnet als „Super 45“
    6. Bertrand Dicale, Les chansons qui ont tout changé, 2011, o. S.

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