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Rachid Taha

  • Rachid Taha (* 18. September 1958 in Sig, Provinz Muaskar) ist ein algerischstämmiger Sänger und Musiker aus Frankreich. Stilistisch integriert er arabische Einflüsse und House, Techno, Rock, Punk und Raï. Zu seinen bekanntesten Stücken zählen eine Neufassung des maghrebinischen 1970er-Schlagers Ya Rayah sowie das Lied Barra, Barra, das unter anderem in dem Film Black Hawk Down und dem Computerspiel Far Cry 2 verwendet wurde.

    Leben und Karriere

    Rahid Taha wurde am 18. September 1958 in der Olivenanbau-Stadt Sig nahe der westalgerischen Hafenstadt Oran geboren. Hintergrundmusik seiner Kindheit waren (der in Oran und Umgebung stark präsente) Raï sowie andere nordafrikanische Musik – etwa der traditionelle Chaabi-Stil. Traumatisiert durch den Unabhängigkeitskrieg, mit der politischen Lage im Land unzufrieden und auf der Suche nach einer besseren Lebensperspektive, entschloss sich Rachids Vater, Algerien zu verlassen und mit seiner Familie ins Exil zu gehen. 1968 übersiedelte die Familie nach Frankreich – zunächst in eine Aufnahmeeinrichtung in der nahe Straßburg gelegenen Vogesenortschaft Lépanges-sur-Vologne, später nach Lyon. Tahas Vater arbeitete als Textilarbeiter. Taha selbst suchte früh die Unabhängigkeit. Über Wasser hielt er sich mit Gelegenheitsarbeiten, unter anderem in einer Heizungsfabrik. Ende der 1970er-Jahre gründete er zusammen mit Freunden den Nightclub Les Refoulés. Musikalisches Markenzeichen des Clubs waren houseartige Samples – Mashups aus arabischen Popstücken, unterlegt mit den Rhythmen von Led Zeppelin, Kraftwerk sowie anderen Popbands.

    In Lyon lernte Taha die Mitmusiker seiner bald neu begründeten Formation Carte de sejour kennen: die beiden Brüder Mohammed und Mokhtar Amini, Djamel Dif sowie Eric Vaquer. Der Bandname (auf Deutsch: Aufenthaltsgenehmigung) sollte auf den ungesicherten Status hinweisen, dem viele nordafrikanische Immigranten in Frankreich ausgesetzt waren. Aufgrund ihrer selbstbewussten, rassismuskritischen Haltung avancierte die Band bald zu einem Aushängeschild der antirassistischen Bewegung SOS Racisme.

    Trotz des erzielten Bekanntheitsgrades war das Bandprojekt Carte de sejour kein kommerzieller Erfolg. Taha ging weiter unterschiedlichen Nebenjobs nach – unter anderem als Anstreicher, Abwäscher in Restaurants sowie als Vertreter für Enzyklopädien.

    Künstlerisch wie kommerziell zum Highlight gerieten zwei Produktionen aus dem Jahr 1998: das Studioalbum Diwan und das Live-Doppelalbum 1, 2, 3 soleils. Diwan enthielt Einspielungen alter Maghreb-Hits aus den 1960ern und 1970ern. Eingespielt unter anderem mit Handtrommeln, Ouds sowie einem arabischen Streichorchester, war es – so die Kritik der Berliner tageszeitung – eine Hommage an die großen Schlagersänger Nordafrikas.

    Als Anschlussalben folgen Made in Medina (2000) sowie die – von der Kritik stark gelobte – Produktion Tékitoi. Barra, Barra, Openertrack von Made in Medina, fand Eingang in den Soundtrack von Ridley Scotts Kriegsfilm Black Hawk Down. Der Tékitoi-Titel Rock El Casbah war eine Adaption des Clash-Erfolgsstücks Rock The Casbah. Gegenüber dem britischen Guardian hatte Taha bereits 2001 geäußert, Rock The Casbah stamme eigentlich von ihm und sei über den Umweg eines weitergegebenen Demotapes zu der britischen Punkband gelangt.

    2008 verlieh die BBC Rachid Taha den Award for World Music.

    Stil und Kritiken

    Rachid Taha selbst führte gegenüber Medien unterschiedliche musikalische Einflüsse auf. Neben der Musik seiner Heimat – wozu neben Raï auch traditionellere Formen zählten – benannte er als prägende Band immer wieder die britische Punkformation The Clash. Als textliches Vorbild führte er gegenüber der britischen Zeitung The Guardian den jamaikanischen Dichter und Reggae-Musiker Linton Kwesi Johnson auf. Darüber hinaus sei die Rebellion gegen Ungerechtigkeit und Rassismus für ihn ein treibendes Motiv. Schon aufgrund des chronischen Geldmangels, so Taha, sei das Leben nie einfach gewesen. Aufgrund ihrer arabischen Herkunft etwa hätten sich Läden geweigert, Demotapes von ihm und seinen MItmusikern zu verkaufen.

    Von den Medien wird der musikalische Stil-Crossover von Rachid Taha ebenso hervorgehoben wie seine rebellische Rock ’n’ Roll-Attitude. Der britische Independent charakterisierte Taha als „Algeriens Antwort auf Johnny Cash“.

    Lobende Kritik in den Mainstreammedien erhielt vor allem das Album Tékitoi. Der WDR kündigte eine Sendung zu dem Sänger folgendermaßen an: „Das Album ‚Tékitoi?‘ bettet die gewohnten politischen Töne (Korruption, Krieg, Rassismus) wieder in einen rockigeren Sound, was der schnoddrigen Attitüde des Algeriers mit dem Reibeisenorgan sehr entgegenkommt. Stargast Brian Eno überrascht und eine krachige Adaption des Clash-Klassikers ‚Rock The Casbah‘.“

    Diskographie

    mit Carte de sejour

    • Rhoromanie (1984; CBS)
    • 2 ½ (Deux et demi) (1986; Barclay)
    • Ramsa (1987; Piranha)

    Studioalben

    • Barbès (1990; Barclay)
    • Rachid Taha (1993; Barclay)
    • Olé, Olé (1995; Barclay)
    • Diwan (1998; Barclay)
    • Made in Medina (2000; Barclay)
    • Tékitoi? (2004; Barclay)
    • Diwan 2 (2006; Barclay)
    • Bonjour (2009; Barclay)
    • Zoom (2013; Naïve)

    Livealben

    • 1,2,3 Soleils (1999; mit Cheb Khaled und Faudel; Barclay)
    • Live (2001; Barclay)

    Compilations

    • Carte Blanche (1997; Barclay)
    • The Definitive Collection (2007; Wrasse)

    Singles

    • Bleu de Marseille (1984)
    • Douce France (1986)
    • Ramsa (1986)
    • Voilà, voilà (1993)
    • Ya Rayah (1997)
    • Ida (1998)
    • Abdel Kader (1998)
    • Comme d’habitude (1999)
    • Barra, Barra (2001)
    • Écoute Moi Camerade (2006)

    Einzelnachweise

    1. a b c d e Biography, Kurzbio auf offizieller Webseite von Rachid Taha, aufgerufen am 28. Oktober 2014 (engl.)
    2. a b c d e f Rachid Taha: Rebell aus dem Maghreb, WDR, 23. Mai 2013
    3. a b c d e Rachid Taha: Tékitoi?, Werner Leiss, Kulturmagazin Südwind, aufgerufen am 28. Oktober 2014
    4. a b Rachid Taha – The Definitive Collection, Musik-Weblog Schoene Toene, aufgerufen am 28. Oktober 2014
    5. a b c d Nuclear fusion, Robin Denselow, The Guardian, 28. Mai 2001 (engl.)
    6. Kurzmeldung in tageszeitung, Daniel Bax, tageszeitung, 16. November 2006
    7. a b c Rachid Taha – World-Rai-Weltpremiere in Berlin, Onlinemagazin Gazelle, 7. Juli 2011
    8. MUSIC; Shock the Casbah, Rock the French (And Vice Versa), Jody Rosen, New York Times, 13. März 2005 (engl.)

    Weblinks

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