Kastelruther Spatzen

  • Die Kastelruther Spatzen sind eine Musikgruppe aus Südtirol auf dem Gebiet des volkstümlichen Schlagers, die von Karl Schieder gegründet wurde. Sie sind nach ihrem Heimatort Kastelruth benannt.

    Die Gruppe

    Gegründet wurde die Band im Jahr 1975 durch die Musiker Karl Schieder, Walter Mauroner und Valentin Silbernagl, die bereits länger gemeinsam sangen. Kurze Zeit später traten Oswald Sattler, Norbert, Anton und Ferdinand Rier zur Gruppe. Bereits 1977 verließ Anton Rier die Gruppe. 1980 löste Albin Gross Ferdinand Rier an der Harmonika ab. In dieser Formation erschien 1983 ihre erste Platte Viel Spaß und Freude. Dieses Jahr wird offiziell als Gründungsjahr angegeben. Seit 1983 übernimmt Norbert Rier die Leitung der Gruppe. Der Titel Das Mädchen mit den erloschenen Augen wurde zum Hit und brachte gleich die erste Goldene Schallplatte.

    Im Jahre 1986 schied Karl Schieder aus beruflichen Gründen aus. Seinen Platz belegte Karl Heufler. 1993 verließ Oswald Sattler die Gruppe, um eine Solokarriere zu beginnen. Ihn ersetzte Andreas Fulterer, der nach fünf Jahren ebenfalls für eine Solokarriere die Gruppe verließ. An seiner Stelle kam Kurt Dasser zur Gruppe hinzu.

    Manager Helmut Brossmann gab am 28. Mai 2014 auf der offiziellen Facebook-Seite der Kastelruther Spatzen bekannt, nicht mehr als Manager der Band tätig zu sein. Hierfür nannte Brossmann den Wandel der Musik-Industrie, insbesondere der Volksmusik- & Schlager-Branche.

    Norbert Rier

    Norbert Rier ist Sänger und Frontmann der Kastelruther Spatzen, geboren am 14. April 1960, verheiratet und hat vier Kinder. Er hat im Unterschied zu seinen Kollegen keine musikalische Vergangenheit. Norbert Rier stellte im Mai 2006 im Rahmen einer deutschen TV-Sendung erstmals seine Autobiographie vor.

    Kurt Dasser

    Kurt Dasser wurde am 8. Februar 1958 in Bozen geboren. Er ist von Beruf Mathematik- und Biologielehrer und arbeitete zwanzig Jahre in der Mittelschule von Kastelruth in seinem Beruf. Dasser ist geschieden und Vater eines Sohnes. Weil er neu hinzukam, wird er auch der „jüngste“ Spatz genannt. Er spielt Gitarre und singt die Zweitstimme.

    Valentin Silbernagl

    Valentin Silbernagl wurde am 18. Juni 1956 in Kastelruth geboren und ist von Beruf Landwirt. Seit 1982 ist er verheiratet und hat drei Kinder. Vor den Kastelruther Spatzen spielte er acht Jahre lang in der Musikkapelle Kastelruth.

    Walter Mauroner

    Walter Mauroner wurde am 20. Juni 1956 in Bozen geboren und ist von Beruf Karosseriespengler. Er ist seit 1984 verheiratet und hat zwei Kinder. Mauroner spielte vor den Kastelruther Spatzen 15 Jahre lang bei der Musikkapelle Kastelruth. Walter Mauroner ist Besitzer des Kastelruther „Spatzenladen“, eines Fanshops.

    Albin Gross

    Albin Gross wurde am 2. April 1955 in Kastelruth geboren und ist von Beruf Getränkegroßhändler. Er ist seit 1980 verheiratet und hat drei Töchter. Karl Schieder, der eigentliche Gründer der Kastelruther Spatzen, holte Albin Gross zur Gruppe. Dort spielt er Keyboard und Akkordeon und zeichnet für zahlreiche Lieder als Komponist und Texter verantwortlich.

    Karl Heufler

    Karl Heufler wurde am 23. September 1959 in Kastelruth geboren und ist von Beruf Kfz-Mechaniker. Er ist seit 1984 verheiratet und hat zwei Kinder. Heufler war vor den Kastelruther Spatzen bei der Musikkapelle Seis am Schlern und im Schlernsextett aktives Mitglied. Er wechselte 1986 zu den Kastelruther Spatzen, um Karl Schieder zu ersetzen.

    Rüdiger Hemmelmann

    Rüdiger Hemmelmann wurde am 13. März 1966 in Würzburg geboren, ist in Himmelstadt aufgewachsen und seit 1991 Schlagzeuger bei den Kastelruther Spatzen. Seine Stelle war zunächst lediglich als „Aushilfsjob“ für Live-Auftritte gedacht, um Norbert Rier zu entlasten. Jedoch hat er sich diese Position relativ schnell erkämpft. Hemmelmann ist Vater von zwei Kindern.

    Laufbahn

    Nach Veröffentlichung der ersten CD, die bereits vergoldet wurde, erschien in der Folgezeit fast jährlich eine neue CD, die sich fast ausnahmslos zu Bestsellern entwickelten. 1990 nahm die Gruppe für Deutschland beim Grand Prix der Volksmusik teil und siegte mit dem Lied Tränen passen nicht zu dir. Es folgten zahlreiche Hits und Auftritte in diversen Fernsehsendungen im gesamten deutschsprachigen Raum. Heute haben die Kastelruther Spatzen bereits über hundert Goldene Schallplatten. Sie ist die erfolgreichste deutschsprachige Gruppe des volkstümlichen Schlagers.

    Tatsächliche musikalische Leistung

    Die tatsächliche musikalische Leistung der Band ist umstritten. Sicher ist, dass sie bei Live-Auftritten (abgesehen von TV-Playback-Auftritten) live spielen. Jedoch wurde am 6. November 2012 bekannt, dass die Kastelruther Spatzen auf ihren Tonträger-Aufnahmen nicht selbst gespielt haben, sondern Studiomusiker engagierten, lediglich der Gesang von Norbert Rier sei echt gewesen. Dies erklärte der langjährige Produzent der Band Walter Widemair gegenüber der Zeitung „Bild“. Nach Angaben der Zeitung habe Norbert Rier auf Nachfrage zugegeben, dass dies gemacht worden sei, „um Kosten zu sparen“ und „immer eine perfekte Produktion abzuliefern“. Dabei bleibt unklar, wie durch zusätzlich engagierte Studiomusiker Geld gespart werden sollte. „Der Erfolg der Band ist auf einem Riesenschwindel aufgebaut“, sagte Widemair.

    „Auf den ersten vier Alben haben wir ausschließlich noch selbst die Instrumente gespielt. Ab der fünften CD wurden dann professionelle Studiomusiker engagiert“, so Rier. Norbert Rier selbst habe am Anfang das Schlagzeug gespielt, das erklärte er in der Zeitung „Bild“. Laut Aussage der Kastelruther Spatzen soll Widemair sie dazu gedrängt haben, selbst im Studio nicht mehr zu spielen und die Studioaufnahmen professionellen Musikern zu überlassen, da seiner Ansicht nach die musikalische Leistung zu schlecht für Tonträger sei. Ein in Berlin aufgenommenes Live-Album war musikalisch so schlecht, dass neben der Stimme nur das Original-Schlagzeug verwendet werden konnte.

    Mord an Karl-Heinz Gross 1998

    Am Abend des 6. März 1998 fand ein Lkw-Fahrer gegen 18.17 Uhr Karl-Heinrich Gross, den Bruder von Albin Gross und damaligen Manager der Kastelruther Spatzen, schwer verletzt auf einem Weg in einem Magdeburger Industriegebiet. Trotz Notoperation in der Universitätsklinik starb der 38-Jährige wenig später.

    Bis heute sind die Umstände seines Todes nicht geklärt. Die Behörden gehen nicht von einem Unfall als einzige Todesursache aus. An Hinweisen mangelte es nicht: Nach Angaben des zuständigen Staatsanwalts wurden nahezu 500 Personen bei den Ermittlungen befragt, aber entscheidende Hinweise blieben aus.

    Die Volksmusikgruppe hatte am Abend zuvor ein Konzert in der Stadt gegeben. Gross war danach allein in der Stadt zurückgeblieben, um die Reparatur eines Tourbusses abzuwarten. Am späten Nachmittag des 6. März 1998 verließ Gross nach Zeugenaussagen eine Autowerkstatt im Stadtteil Rothensee zu Fuß mit unbekanntem Ziel. Knapp anderthalb Stunden später wurde er mit schwersten Verletzungen an Kopf und Oberkörper auf der Zufahrtsstraße eines etwa drei Kilometer entfernten Betriebsgeländes gefunden.

    Mangels unmittelbarer Augenzeugen untersuchten Rechtsmediziner und Sachverständige in mehreren Gutachten die Art der Verletzungen und die gefundenen Spuren. Ein Raubmord wird für unwahrscheinlich gehalten, da das Opfer rund 7000 Mark in bar bei sich trug. Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft gilt als wahrscheinlichste Theorie, dass Gross zunächst von einem Jeep oder Lkw angefahren wurde. Zur Vertuschung des Unfalls sei das Opfer dann vermutlich mit einem stumpfen Gegenstand auf den Kopf geschlagen und zu der Lagerhalle transportiert worden. Wie sich aus den rechtsmedizinischen Gutachten ergibt, wurden die Verletzungen am Rumpf mit großer Wahrscheinlichkeit durch das Überrollen mit einem Fahrzeug hervorgerufen. Zusätzlich führten mindestens zwei Schläge mit einem stumpfen Gegenstand zu mehreren Rissen der Kopfschwarte.

    Eine Ermittlungsgruppe mit mehr als 20 Beamten – die Soko „Spatzen“ – wurde auf den Fall angesetzt. Es wurde in alle Richtungen ermittelt. Die Werkstattmitarbeiter gerieten ebenso ins Visier der Fahnder wie zwei junge Speditionsmitarbeiter, die als erste am Fundort waren. Die Verdachtsmomente erhärteten sich jedoch ebenso wenig wie bei Ermittlungen im persönlichen Umfeld des Getöteten. Ein Magdeburger Fanclub der „Spatzen“ geriet in Verdacht, weil ihm Ende 1997 der offizielle Status aufgrund des Verdachtes zu hoher Mitgliedsbeiträge entzogen worden war. Auch hier blieben die Nachforschungen ergebnislos. Die Nachstellung des Falls in mehreren Fernsehsendungen brachte keine neuen Spuren.

    Der Bruder des Getöteten, Keyboarder Albin Gross, sagte nach der Tat in einem Interview, die Musiker hegten keinen Hass auf Ostdeutschland. Irgendwann wollten sie hier wieder auf Tour gehen. Dies tun sie mittlerweile wieder regelmäßig.

    Kastelruther Spatzenfest

    Das Kastelruther Spatzenfest ist ein großes Konzert, das seit dem Jahre 1984 alljährlich durchgeführt wird. Im Jahre 2014 feierten die Kastelruther Spatzen ihr 30. Spatzenfest. 2008 wurden rund 50.000 Besucher gezählt.

    Diskografie

    Singles

    • Das Mädchen mit den erloschenen Augen 1983
    • Die kleine Bianca 1986
    • Feuer im ewigen Eis 1990
    • Komm nimm mich doch mit 1991
    • Spreng die Ketten Deiner Einsamkeit 1991
    • Wahrheit ist ein schmaler Grat 1991
    • Schatten über'm Rosenhof 1992
    • Und ewig ruft die Heimat 1993
    • Der rote Diamant 1993
    • Atlantis der Berge 1994
    • Che bella la vita 1994
    • Du gehörst in meine Arme 1994
    • Das Lied der Dornenvögel 1996
    • Herzschlag für Herzschlag 1997
    • Ich schwör 1997
    • Die weiße Braut der Berge 1998
    • Und ewig wird der Himmel brennen 2000
    • Ein Leben lang 2000
    • Jeder Tag ist eine Rose 2000
    • Jedes Abendrot ist ein Gebet 2001
    • Liebe darf alles 2002
    • Herzenssache 2003
    • Berg ohne Wiederkehr 2004
    • Zufall oder Schicksal 2005
    • Gott hatte einen Traum 2005
    • ... und Singen ist Gold 2006
    • Das Geheimnis der drei Worte 2007
    • Gloria, das neue Spatzenlied
    • Ein Kreuz und eine Rose 2009
    • Immer noch 2010
    • Hand auf's Herz 2011
    • Leben und leben lassen 2012
    • Der Planet der Lieder 2013
    • Eine Brücke ins Glück 15. August 2014

    Kompilationen

    DVDs

    • Das Beste - Folge 1, 1991
    • Das Beste - Folge 2, 1995
    • Herzschlag für Herzschlag, 1997
    • Ich würd es wieder tun, 2001
    • Das große Kastelruther Spatzenfest, 2002
    • Berg ohne Wiederkehr, 2004
    • Dolomitenfeuer, 2007
    • Noch größer als der Everest, 2010

    Auszeichnungen

    Musikwettbewerbe und Musikpreise

    • Grand Prix der Volksmusik: 1990 für Deutschland (Tränen passen nicht zu dir)
    • Edelweiß: 1991 und 1993
    • Echo: 1993, 1996, 1997, 1998, 1999, 2000, 2001, 2003, 2006, 2007, 2008, 2009, 2010 (Rekordhalter mit 13 Echos)
    • Goldene Stimmgabel: 1996, 1997, 1999, 2003, 2007
    • Krone der Volksmusik: 1998, 2000, 2001, 2002, 2005, 2006, 2007, 2008, 2009, 2010, 2012

    Quellen

    1. http://www.kastelrutherspatzen.de/aktuelles/auszeichnungen
    2. [1]
    3. CD-Booklets
    4. Video: Das Beste der Kastelruther Spatzen
    5. Video: Das Beste der Kastelruther Spatzen
    6. https://www.facebook.com/KastelrutherSpatzen/posts/10152400441914898
    7. CD-Schwindel: Kastelruther Spatzen spielen nicht selbst, Bild-Zeitung vom 6. November 2012
    8. http://m.focus.de/kultur/musik/nur-die-stimme-ist-echt-kastelruther-spatzen-der-groesste-schwindel-des-jahres_aid_853955.html
    9. Stellungnahme der Deutschen Phono-Akademie zu den ECHO-Auszeichnungen der Kastelruther Spatzen, Pressemitteilung der Deutschen Phono-Akademie vom 7. November 2012.
    10. [2]
    11. a b c Chartquellen: DE AT CH
    12. http://www.shop24direct.de/neues-studioalbum-10178.html
    13. http://www.kastelrutherspatzen.de/aktuelles/auszeichnungen

    Weblinks

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