Amy Winehouse

  • Amy Jade Winehouse (* 14. September 1983 in Southgate, London; † 23. Juli 2011 in Camden, London) war eine britische Sängerin und Songschreiberin.

    Den internationalen Durchbruch schaffte Winehouse 2006 mit dem Album Back to Black. Sie verkaufte in ihrer achtjährigen Karriere über 25 Millionen Tonträger und wurde unter anderem mit fünf Grammys ausgezeichnet.

    Leben

    Familie und Jugend

    Amy Jade Winehouse wuchs gemeinsam mit ihrem älteren Bruder Alex in einer jüdischen Familie in London auf. Ihr Vater Mitch war Taxifahrer und ihre Mutter Janis Apothekerin. Winehouse’ Eltern trennten sich, als sie neun Jahre alt war. Mit zwölf wechselte sie auf die Sylvia Young Theater School, von der sie wegen störenden Verhaltens verwiesen wurde. Im Alter von 15 Jahren wechselte sie zum fünften Mal die Schule und kam auf die Mount School in Mill Hill, wo sie ihre Mittlere Reife absolvierte. Anschließend besuchte sie die renommierte Londoner BRIT School, um Musiktheater zu studieren. Sie brach das Studium nach knapp einem Jahr ab.

    Drogenprobleme und letzte Lebensjahre

    Kurz nach ihrem internationalen Durchbruch hatte Winehouse mit verschiedenen Formen des Drogenmissbrauchs sowie mit psychischen Problemen zu kämpfen. Erst als sich Winehouse Ende 2008 von Fielder-Civil trennte, gelang es ihr, von den harten Drogen loszukommen.

    Winehouse hatte Alkoholprobleme, die sich während ihrer Entgiftung verschlimmerten.

    Am 23. Juli 2011 wurde Winehouse tot aufgefunden.

    Karriere

    2003–2005: Nationaler Durchbruch

    Am 22. Januar 2003 unterschrieb Amy Winehouse im Alter von 19 Jahren ihren ersten Schallplattenvertrag bei Island Records und begann gemeinsam mit dem Produzenten Salaam Remi die Arbeit an ihrem Debütalbum Frank.

    Am 6. Oktober 2003 erschien Amy Winehouse’ erste Single Stronger than Me; das Album Frank wurde am 20. Oktober 2003 veröffentlicht. Es erreichte Platz drei der UK Albumcharts, bis Ende 2004 verkaufte es sich im Vereinigten Königreich 900.000 Mal und wurde dafür mit Dreifach-Platin ausgezeichnet.

    Im Januar 2004 erschien Winehouse’ zweite Single Take the Box. Im Februar wurde sie bei den BRIT Awards nominiert. Mit In My Bed erschien im April die dritte Singleauskopplung aus dem Album Frank. Im Mai wurde sie für das Lied Stronger than Me mit dem Ivor Novello Award ausgezeichnet. Im Sommer 2004 spielte Winehouse auf verschiedenen Musikfestivals, beispielsweise auf dem Glastonbury Festival und dem North Sea Jazz Festival. Im August erschien mit Fuck Me Pumps die vierte und letzte Single aus dem Album Frank. Im September 2004 gewann sie den Mercury Music Prize in der Kategorie Album of the Year.

    Im Februar 2005 wurde sie erneut bei den BRIT Awards in der Kategorie Best British Female Solo Artist nominiert, gewann den Preis wie auch im Vorjahr aber nicht.

    2006–2008: Internationaler Durchbruch

    Von März bis August 2006 arbeitete Amy Winehouse mit Mark Ronson an ihrem zweiten Album Back to Black. Der Großteil der Songs handelt von ihrer Beziehung zu ihrem Ex-Freund Blake Fielder-Civil.

    Am 6. Oktober 2006 erschien die Single Rehab, am 27. Oktober das Album Back to Black. Winehouse’ musikalische und optische Veränderung sowie der textliche Inhalt von Rehab brachte ihr auch außerhalb Englands viel mediale Aufmerksamkeit.

    2007 erschienen mit You Know I’m No Good, Back to Black, Tears Dry on Their Own und Love Is a Losing Game vier weitere Auskopplungen aus dem Album. Im Februar gewann sie bei den BRIT Awards in der Kategorie Best British Female Solo Artist, und sie trat dort mit ihrem Song Rehab auf. Im Mai wurde sie mit dem Ivor Novello Award für ihren Song Rehab ausgezeichnet, im Juni trat sie bei den MTV Movie Awards auf. Im Sommer 2007 spielte Winehouse weltweit auf vielen großen Festivals, unter anderem auf Malta, dem Isle of Wight Festival, dem Rock Werchter in Belgien und dem Eurockéennes Festival in Frankreich. Am 1. November gewann sie bei den MTV Europe Music Awards den Preis in der Kategorie Artist Choice und trat dort auch auf.

    Der Auftakt ihrer England-Tournee am 14. November in Birmingham endete in einem Chaos; Winehouse kam betrunken auf die Bühne und konnte sich kaum auf den Beinen halten. Als das Publikum sie ausbuhte, brach sie das Konzert ab, und die restlichen Tourtermine wurden abgesagt.

    Am 10. Februar 2008 wurde Amy Winehouse bei der Grammyverleihung fünf Mal ausgezeichnet. Zudem trat sie noch mit einem Medley aus ihren Songs You Know I Am No Good und Rehab auf. An der Verleihung konnte sie nicht persönlich teilnehmen, da sie aufgrund ihrer Drogenprobleme kein Visum für die USA bekam. Sie wurde per Satellit für ihren Auftritt und ihre Dankesrede aus den Riverside-Studios in London zugeschaltet. Im April wurde bekanntgegeben, dass Winehouse und ihr Produzent Mark Ronson den Titelsong zum James-Bond-Film Ein Quantum Trost produzieren sollten. Die Arbeit an dem Song wurde jedoch im selben Monat wieder eingestellt, da Winehouse nicht in der Lage war zu arbeiten.

    Aufgrund von Winehouse’ gesundheitlichen Problemen wurden ihre öffentlichen Termine für 2008 stark beschränkt. Am 30. Mai kam sie mit einer Stunde Verspätung in einem labilem Zustand beim Rock in Rio-Lissabon auf die Bühne. Zudem klang ihre Stimme sehr heiser; Grund dafür sollen Halsschmerzen gewesen sein.

    Im August erschien eine limitierte EP von Winehouse, auf der vier Coversongs in einer Ska-Version neu arrangiert worden waren.

    2009–2011: Karrierepause und Comebackversuch

    Nachdem Winehouse im Oktober 2008 eine Karrierepause auf unbestimmte Zeit angekündigt hatte, um sich auf ihre Gesundheit zu konzentrieren, gab es 2009 und 2010 kaum öffentliche Auftritte. Von Januar bis August 2009 war Winehouse auf der Karibikinsel St. Lucia, um dort eine Entziehungskur zu machen. Im April 2010 gab das britische Modehaus Fred Perry seine Zusammenarbeit mit Winehouse bekannt, und im Oktober erschien dort ihre erste eigene Modelinie. Im Dezember 2010 trat sie bei einem Privatkonzert eines russischen Milliardärs vor 500 geladenen Gästen auf und zeigte eine 60-minütige Show. Für ihren Auftritt erhielt sie eine Gage von 1,1 Millionen Pfund.

    Im Januar 2011 verkündete ihr Management, dass Winehouse schrittweise an ihrem Comeback arbeiten wolle.

    Rezeption und Einflüsse

    Zu Lebzeiten

    Amy Winehouse bezeichnete die 1960er Jahre als größte Quelle ihrer Inspiration. Mit ihrem Album Back to Black löste sie eine Welle des Retrosouls aus. Musikalisch orientierte sich das Album an der Soulmusik der 1960er Jahre, gemixt mit den Klängen des 2000er-Souls. Mit ihrer Musik inspirierte Winehouse Interpreten wie Duffy, Adele und Bruno Mars.

    Mit der Veröffentlichung von Back to Black ging auch Winehouse’ optischer Look in den Sixties-Retrostil. Ihr Kleidungsstil ähnelte ebenfalls dem der 1960er Jahre, und die Beehive-Frisur wurde zu ihrem optischen Markenzeichen, gepaart mit einem ausgeprägten Lidstrich und Accessoires aus dieser Zeit. Karl Lagerfeld äußerte sich lobend über den Look von Winehouse; Anna Wintour brachte sie im September 2007 auf das Cover der US-Vogue.

    Nach dem Tod

    Nach ihrem Tod erhielten Alben und Singles von Amy Winehouse einen kurzen Verkaufsschub und schafften es für einige Wochen zurück in die Charts.

    Ihr Vater Mitch Winehouse gründete die Amy Winehouse Foundation, die benachteiligten Kindern in Not helfen soll. So fließen alle Einnahmen von Amy Winehouse, die nach ihrem Tod erzielt wurden, in die Hilfsorganisation. Zudem kam noch ihr Nachlass von zehn Millionen Pfund in die Foundation.

    Am 14. September 2014 wurde eine von Scott Eaton erschaffene lebensgroße Bronzestatue von Amy Winehouse im Londoner Stadtteil Camden enthüllt.

    Auszeichnungen (Auswahl)

    Amy Winehouse wurde für ihre Plattenverkäufe 85 Mal mit Platin und 40 Mal mit Gold ausgezeichnet und erhielt unter anderem fünf Grammys.

    • BRIT Awards
      • 2007: Best Female Solo Artist
    • Echo Music Awards
      • 2009: Best International Female Artist – Rock/Pop
      • 2009: Album of the Year
    • Grammy Awards
      • 2008: Best New Artist
      • 2008: Best Pop Vocal Album
      • 2008: Record of the Year
      • 2008: Song of the Year
      • 2008: Best Female Pop Vocal Performance
    • Ivor Novello Awards
      • 2004: Best Contemporary Song Musically & Lyrically
      • 2007: Best Contemporary Song
      • 2008: Best Song Musically & Lyrically
    • MTV Europe Music Awards
      • 2007: Artist’s Choice
    • Mercury Music Prize
      • 2004: Album of the Year
    • World Music Awards
      • 2008: Best Selling Pop/Rock Female

    Siehe auch

    • Klub 27

    Literatur

    • Back to Black: Amy Winehouse und ihr viel zu kurzes Leben. Biografie von Alexander Schuller und Nicole von Bredow. Goldmann Verlag, München 2011, ISBN 978-3-442-15730-3.
    • Amy Winehouse: I’m no good. Lebensgeschichte von Michael Fuchs-Gamböck und Thorsten Schatz. Egmont Vgs, Köln 2008, ISBN 978-3-8025-1783-9.
    • Amy, Amy, Amy – Die Amy Winehouse-Story. Biografie von Nick Johnstone. Bosworth Musikverlag, Berlin 2008, ISBN 978-3-86543-377-0.
    • Meine Tochter Amy. Biographie von Mitch Winehouse, übersetzt von Michael Sailer. Edel Germany, 2012, ISBN 978-3-8419-0145-3.

    Dokumentarfilm

    • Pop-Legenden - Amy Winehouse, von Andreas Kanonenberg (Buch und Regie), 2013, 45 Min., eine Produktion von CineCentrum Hamburg (Ulrich Lenze) im Auftrag des SWR (Gerolf Karwath)

    Weblinks

    Einzelnachweise

    1. Mitch Winehouse: Meine Tochter Amy. S. 269.
    2. abendblatt.de
    3. Die Welt: Amy Winehouse, das Genie der Selbstzerstörung
    4. Mitch Winehouse: Meine Tochter Amy. S. 190–197.
    5. Mitch Winehouse: Meine Tochter Amy. S. 203.
    6. Mitch Winehouse: Meine Tochter Amy, S. 192.
    7. Mitch Winehouse: Meine Tochter Amy. S. 103–105.
    8. sueddeutsche.de
    9. Stern: Amy Winehouse starb mit 4,16 Promille im Blut.
    10. Alkohol als Todesursache bei Amy Winehouse bestätigt, Spiegel Online vom 8. Januar 2013 (abgerufen am 8. Januar 2013).
    11. Back to Black: Amy Winehouse und ihr viel zu kurzes Leben. S. 69.
    12. youtube.com
    13. arte.tv
    14. 3sat.de
    15. guardian.co.uk
    16. Back to Black: Amy Winehouse und ihr viel zu kurzes Leben. S. 11–13
    17. Mitch Winehouse: Meine Tochter Amy. S. 115.
    18. washingtonpost.com
    19. tourdates.co.uk
    20. brits.co.uk
    21. Back to Black: Amy Winehouse und ihr viel zu kurzes Leben. S. 87
    22. Mitch Winehouse: Meine Tochter Amy. S. 83–85.
    23. dailymail.co.uk
    24. Stern: Soul sells
    25. Stern: Der weibliche Pete Doherty
    26. Amy Winehouse – A Tribute To Amy Winehouse – Part 2.
    27. krone.at
    28. guardian.co.uk
    29. ab Media Traffic: Album-Charts 2007
    30. people.com
    31. Focus: focus.de Amy Winehouse räumt ab
    32. Die Welt: Amy Winehouse' Comeback bei den Brit Awards
    33. Stern: Amy Winehouse räumt auch ohne Preis ab
    34. n24.de
    35. rp-online.de
    36. rollingstone.de
    37. topnews.de
    38. ab Media Traffic: Album-Charts 2008
    39. shortnews.de
    40. Die Welt: Amy Winehouse bricht verwirrt Konzert ab
    41. Focus: focus.de Amy Winehouse: Comeback als Chorsängerin
    42. Mitch Winehouse: Meine Tochter Amy. S. 244.
    43. Zeit Online: Tropisches Comeback
    44. Die Welt: Amy Winehouse torkelt, lallt und wird ausgebuht
    45. Stern: Betrunken in Belgrad
    46. Focus: Amy Winehouse sagt komplette Tour ab
    47. Zeit Online: Schwestern von gestern
    48. gigwise.com
    49. stars.naanoo.com
    50. tlz.de
    51. news.de
    52. ab Media Traffic: Album-Charts 2011
    53. amywinehousefoundation.org
    54. Spielgel Online: Statue in London: Ein Denkmal für Amy Winehouse, abgerufen am 15. September 2014
    55. Chartquellen: DE AT CH UK US

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