Hansi Hinterseer

  • Johann Ernst „Hansi“ Hinterseer (* 2. Februar 1954 in Kitzbühel) ist ein österreichischer Schlagersänger, Schauspieler, Moderator und ehemaliger Skirennläufer.

    Karriere

    Sportler

    Hansi Hinterseer kam schon sehr früh zum Skisport, auch weil er im Winter den Schulweg von der Seidlalm, wo er aufwuchs, hinunter nach Kitzbühel oftmals auf Skiern bewältigen musste. Sein Vater Ernst, Slalom-Olympiasieger 1960, förderte die sportliche Karriere seines Sohnes von Beginn an und betreute ihn im Kitzbüheler Ski Club. Hansis jüngere Brüder Ernst jun. und Guido wurden ebenfalls Skirennläufer.

    Hinterseer wurde 1968 österreichischer Schülermeister in Slalom, Riesenslalom und Kombination. Ein Jahr später wurde er in das Nationalteam des ÖSV aufgenommen. In der Saison 1971/72 nahm der Spezialist für die technischen Disziplinen erstmals an Weltcuprennen teil und holte im Slalom von Berchtesgaden am 9. Jänner 1972 mit Rang neun seine ersten Punkte.

    Bereits im nächsten Winter, der Saison 1972/73, gelang ihm der Durchbruch an die Weltspitze. Am 8. März 1973 feierte der 19-jährige im Riesenslalom von Anchorage seinen ersten Sieg und sicherte sich mit weiteren vier zweiten Plätzen überlegen den Gewinn der Riesenslalomwertung. Im Gesamtweltcup kam er punktegleich mit dem Deutschen Christian Neureuther auf Rang vier. In diesem Jahr wurde er auch Österreichischer Meister im Riesenslalom.

    Zu Beginn der Saison 1973/74 gewann Hinterseer am 8. Dezember in Val-d’Isère seinen zweiten Riesenslalom, am 27. Jänner stand er in seinem Heimatort Kitzbühel erstmals im Slalom ganz oben auf dem Siegerpodest, womit nicht nur hier erstmals wieder ein Österreicher (seit 1959 Anderl Molterer) den Slalom gewann, sondern es auch im Weltcup seit beinahe fünf Jahren einen Herrensieg im Slalom für den ÖSV gab. Er gehörte noch nicht der ersten Startgruppe an, sondern musste mit Nr. 21 fahren. Beim Saisonhöhepunkt, der Weltmeisterschaft 1974 im schweizerischen St. Moritz, gewann er hinter dem überlegenen Italiener Gustav Thöni die Silbermedaille im Riesenslalom, im Slalom wurde er an dritter Stelle liegend disqualifiziert. Im Gesamtweltcup erreichte er mit zwei Siegen und sechs weiteren Podestplätzen den dritten Rang, im Riesenslalom wurde er Zweiter und im Slalom Fünfter.

    In der Saison 1974/75 kam Hinterseer insgesamt viermal unter die besten drei und feierte am 21. Februar im Slalom von Naeba seinen einzigen Saisonsieg. Damit belegte er im Gesamtweltcup den sechsten Rang und wurde in der Riesenslalom- und Slalomwertung jeweils Fünfter. In der Saison 1975/76 gewann er vorerst am 29. November 1975 den Riesentorlauf bei den nicht zum Weltcup zählenden "World Series", Im Gesamtweltcup kam der Tiroler mit einem Sieg und zwei weiteren Podestplätzen auf den fünften Rang, im Slalom erreichte er punktegleich mit Gustav Thöni den dritten Platz. 1976 wurde er Österreichischer Meister im Slalom.

    Die Saison 1976/77 begann nicht mit den erhofften Resultaten, erst am 25. Februar gewann er den Riesenslalom im japanischen Furano. Dies war sein letzter Weltcuperfolg. Im Gesamtklassement fiel er nach dieser Saison auf den 14. Platz zurück, auch in den Disziplinenwertungen erlangte er nur den siebten Platz im Riesenslalom und den zehnten Platz im Slalom. In der Saison 1977/78 brachen seine Ergebnisse völlig ein. Lediglich zweimal platzierte sich Hinterseer in den Top-Ten, für die Weltmeisterschaft in Garmisch-Partenkirchen konnte er sich innerhalb der österreichischen Mannschaft nicht qualifizieren.

    Hinterseer beendete daraufhin mit nur 24 Jahren seine Weltcupkarriere und startete fortan bei den Profiskiläufern in der U.S. Pro-Ski Tour. Dort hatte er von Beginn an, bemerkenswerterweise auch in der Abfahrt, großen Erfolg. Er belegte 1980 und 1981 hinter seinem Landsmann Andre Arnold den zweiten Gesamtrang und wurde in den Jahren 1982 und 1983 Profiweltmeister in der Abfahrt. Danach beendete er seine aktive sportliche Laufbahn und war ab 1984 Co-Kommentator der Ski-Liveübertragungen des ORF, meist bei den Disziplinen Slalom und Riesenslalom.

    1986 heiratete Hinterseer und wurde später Vater zweier Töchter.

    Entertainer

    1993 war er vom Musikproduzenten Jack White auf dessen Geburtstagsparty als Sänger entdeckt worden und wurde kurz darauf vom Plattenlabel Bertelsmann Group (heute Sony BMG Music Entertainment) unter Vertrag genommen. 1994 begann Hansi Hinterseer eine erfolgreiche Karriere als Sänger im Bereich der Volkstümlichen Musik. Nach Produktion des ersten Longplayers trat Hinterseer 1994 erstmals mit seiner Debütsingle „Du hast mich heut' noch nicht geküsst“ in Karl Moiks Volksmusik-Sendung „Musikantenstadl“ auf. Kurz darauf wurde dieser Song auf den Sampler „Das goldene Jahr der Volksmusik“ aufgenommen.

    Bereits sein erstes Album „Wenn man sich lieb hat“ erreichte Platz 29 in den österreichischen Charts. Nach weiteren Auftritten in öffentlichen Unterhaltungssendungen stellte er sein zweites Album fertig. „Träum mit mir“ übertraf die Erwartungen des Vorgängers und konnte sich in Deutschland und in der Schweiz platzieren. Ende 2005 erreichte er erstmals die Spitzenposition der österreichischen Longplay-Charts. Mittlerweile wurde Hinterseer insgesamt 30 mal mit der Goldenen oder Platin-Schallplatte von der österreichischen, Schweizer und deutschen IFPI ausgezeichnet. Für seine Leistungen als Showmaster im Volksmusik-Genre gewann er 1998 eine Goldene Romy. Des Weiteren ist er als Schauspieler in der leichten Unterhaltung zugehörigen Fernsehproduktionen bekannt. In den Jahren 2001, 2003 und 2006 wurde er für einen Amadeus Austrian Music Award nominiert. In den Jahren 1998, 2001, 2004, 2005, 2006 und 2007 bekam er jeweils eine Krone der Volksmusik verliehen.

    Mit seinen beiden CDs The Danish Collection gelang es ihm im April 2010, die Spitze der Albumhitparade in Dänemark zu erreichen und Lady Gaga und Black Eyed Peas von der Spitze zu verdrängen.

    Seit dem 28. Juni 2006 ist die Marke Hansi Hinterseer im deutschen Markenregister eingetragen.

    Am 3. Februar 2013 wurde bekannt, dass die ARD die Zusammenarbeit mit Hinterseer nach 18 Jahren für beendet erklärte, trotz guter Quoten. Laut BILD wollte der ORF die Sendung weiterführen, doch die ARD habe sich quer gestellt. Auch einen im Herbst 2012 gedrehten TV-Film mit dem Titel „Ruf der Pferde“ und Hinterseer als Hauptdarsteller werde die ARD nicht ausstrahlen.

    Im Januar 2014 wurde bekannt, dass eine Wachsfigur von Hansi Hinterseer zukünftig im Wachsfigurenkabinett von Madame Tussauds in Wien ausgestellt wird. Der Künstler präsentierte das vollendete Werk am 22. Januar 2014 in Kitzbühel.

    Seit April 2014 posiert Hansi Hinterseer nach dem französischen Vorbild La vache qui rit auf diversen Jogurts der Tirolmilch.

    Sportliche Erfolge

    Olympische Winterspiele

    • Innsbruck 1976: 14. Riesenslalom

    Weltmeisterschaften

    • St. Moritz 1974: 2. Riesenslalom
    • Innsbruck 1976: 14. Riesenslalom

    Weltcup

    • Saison 1972/73: 4. Gesamtwertung, 1. Riesenslalom
    • Saison 1973/74: 3. Gesamtwertung, 2. Riesenslalom, 5. Slalom
    • Saison 1974/75: 6. Gesamtwertung, 5. Riesenslalom, 5. Slalom
    • Saison 1975/76: 5. Gesamtwertung, 8. Riesenslalom, 3. Slalom
    • Saison 1976/77: 7. Riesenslalom, 10. Slalom
    • Insgesamt 21 Podestplätze, davon 6 Siege:

    Österreichische Meisterschaften

    • Zweifacher Österreichischer Meister (Riesenslalom 1973, Slalom 1976)

    Pro Tour

    • Abfahrtsweltmeister 1982 und 1983
    • Zweiter der Gesamtwertung 1980 und 1981

    Musikalische Werke

    Singles

    Sonstiges

    • 2006: Best of – Seine schönsten Lieder (DVD, Gold in Deutschland[13])

    Schauspieler

    Zwischen 1996 und 2012 spielte Hinterseer in bislang elf Heimatfilmen die Hauptrolle:

    • 1996: Hochwürdens Ärger mit dem Paradies
    • 2000: Da wo die Berge sind
    • 2003: Da wo die Liebe wohnt
    • 2003: Da wo die Heimat ist
    • 2004: Da wo die Herzen schlagen
    • 2006: Da wo das Glück beginnt
    • 2006: Da wo es noch Treue gibt
    • 2007: Da wo die Freundschaft zählt
    • 2009: Da wo wir zu Hause sind
    • 2011: Heimkehr mit Hindernissen
    • 2012: Ruf der Pferde

    Auszeichnungen (Auszug)

    • Goldenes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich
    • Verdienstmedaille des Landes Tirol (2004)
    • Ehrenzeichen des Landes Tirol (2014)

    Weblinks

    Quellen

    1. Arbeiter-Zeitung, Wien vom 27. Januar 1974, Seite 13, Spalte 4 unten, sowie vom 29. Januar 1974, Seite 13
    2. Arbeiter-Zeitung, Wien vom 30. November 1975, Seite 15, Titel „Alle Rivalen hinweggefegt“
    3. Arbeiter-Zeitung vom 2. Dezember 1975, Seite 8, rechts unten – Titel: „Hoffen auf Klammer und Hinterseer“
    4. Arbeiter-Zeitung vom 15. Februar 1976, Seite 9
    5. Hansi Hinterseer Nummer eins - in Dänemark auf ORF vom 12. April 2010 abgerufen am 12. April 2010
    6. http://danishcharts.com/showitem.asp?interpret=Hansi+Hinterseer&titel=Ich+hab+Dich+einfach+lieb&cat=a
    7. Markenregister Hansi Hinterseer
    8. Hansi Hinterseer sah eigenen Abschied im TV, BILD, 3. Februar 2013.
    9. Hansi Hinterseer zieht bei Madame Tussaud ein bei Schlager.de vom 3. Februar 2014
    10. a b Chartquellen: DE, AT, CH
    11. a b c d e f g h i j k l m n o p Suchabfrage auf Ifpi.at
    12. a b Suchabfrage auf Hitparade.ch
    13. a b c d e f g h Suchabfrage auf Musikindustrie.de
    14. Dänemark: Goldene Schallplatte für Hansi Hinterseer. Die Presse, 23. April 2010, abgerufen am 15. August 2013.

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