Charlotte Roche

  • Charlotte Elisabeth Grace Roche (* 18. März 1978 in High Wycombe) ist eine britische Moderatorin, Produzentin, Schauspielerin, Hörspielsprecherin und Autorin. Sie lebt in Deutschland.

    Leben und Karriere

    Roche kam im Alter von einem Jahr als Tochter eines Ingenieurs und einer politisch aktiven und künstlerisch tätigen Mutter aus London über die Niederlande nach Deutschland. 1983, als die zweisprachig aufgewachsene Tochter fünf Jahre alt war, ließen sich die Eltern scheiden. Die damit verbundenen Erfahrungen arbeitete sie später in ihre Bücher Feuchtgebiete und Schoßgebete ein. Sie besuchte die Grundschule in Niederkrüchten, 1989 wechselte sie auf das St.-Wolfhelm-Gymnasium im benachbarten Schwalmtal. Nach der achten Klasse zog sie nach Mönchengladbach und besuchte dort im Stadtteil Rheydt das Hugo-Junkers-Gymnasium, von dem sie nach der elften Klasse abging.

    Erste Bühnenerfahrung sammelte Roche während ihrer Gymnasialzeit in Theater-AGs. 1993 zog sie von zu Hause aus und gründete mit drei Freundinnen die Garagenrock-Band The Dubinskis. Es folgte eine Zeit, in der sie viel unternahm, um aufzufallen – so fügte sie sich selbst Wunden zu, um Bilder mit ihrem Blut malen zu können, probierte verschiedene Drogen aus oder rasierte sich eine Glatze.

    Moderation

    Einem breiteren Publikum wurde Roche nach einem erfolgreichen Casting im Frühjahr 1998 durch ihre Moderatorentätigkeit bei VIVA Zwei in der Musiksendung Fast Forward bekannt.

    Nach Einstellung des Sendebetriebs von VIVA Zwei am 7. Januar 2002 wurde Fast Forward auf VIVA fortgeführt, gegen Ende 2004 jedoch abgesetzt. Roche verweigerte die Moderation der letzten noch geplanten Folgen.

    Film und Musik

    2002 hatte Roche einen Auftritt in dem Musikvideo zum Song Club der schönen Mütter der Band Fehlfarben. 2003 übernahm sie eine Sprecherrolle für das Hörbuch zu Nick McDonells Zwölf. 2004 sang sie auf dem Album Here Comes Love von Superpitcher den Titel Träume und drehte ihren ersten Spielfilm Eden, der im Herbst 2006 in die Kinos kam. Bis heute schreibt Roche in unregelmäßigen Abständen Artikel für die Zeitschrift Spex. Des Weiteren hatte sie in dem Horrorfilm Demonium von Andreas Schnaas aus dem Jahr 2001 eine Nebenrolle.

    2005 ging Roche zusammen mit Christoph Maria Herbst - bei einigen Terminen mit Heinz Strunk - auf eine Lesereise durch Deutschland, bei der sie Auszüge einer Dissertation von Michael Alschibaja Theimuras aus dem Jahr 1978 mit dem Thema Penisverletzungen bei Masturbation mit Staubsaugern vortrug.

    Literatur

    Im Februar 2008 erschien ihr Roman Feuchtgebiete, in dem Themen wie Analverkehr, Intimhygiene, Masturbationstechniken, Intimrasur und Prostitution provokant behandelt werden, aber auch die Auseinandersetzung der Ich-Erzählerin mit der Scheidung ihrer Eltern beschrieben wird. Das nach ihren Angaben zu 70 % autobiografische Buch plädiert für eine weniger rigide Körperhygiene.

    Im August 2013 kam die gleichnamige Verfilmung des Buchs Feuchtgebiete in die Kinos. Die Hauptrolle übernahm die Schweizerin Carla Juri. An der Produktion des Films war Roche insofern beteiligt, als sie für die Auswahl des Produzenten verantwortlich war. Das Drehbuch hat sie hingegen nur in einer frühen Version gelesen.

    Auseinandersetzung mit der BILD-Zeitung

    Vor ihrer für den 30. Juni 2001 in London geplanten Hochzeit verunglückte das Fahrzeug ihrer Mutter in Belgien. Auf dem Weg zur Feier starben ihre drei Brüder, die Mutter wurde schwer verletzt. Daraufhin soll ein Journalist, der sich Roche gegenüber als Bild-Mitarbeiter vorstellte, versucht haben, ein Interview mit ihr zu erzwingen, indem er damit drohte, andernfalls einen negativen Bericht über sie zu veröffentlichen. Obwohl Roche das Interview verweigerte, gab es – zumindest direkt danach – keine negative Berichterstattung; Bild bestritt vielmehr, mit den Vorkommnissen etwas zu tun zu haben.

    Bild brachte ferner im Zusammenhang mit der Veröffentlichung ihres Buches „Feuchtgebiete“ Schlagzeilen zum Thema wie „Was treibt Sie zu Schamlos-Charlotte?“

    Feminismus

    Charlotte Roche gilt seit einigen Jahren als Vertreterin einer neuen feministischen Generation. Im Mai 2001 war sie auf dem Cover der Zeitschrift Emma zu sehen; einige Standpunkte des klassischen 1970er-Jahre-Feminismus – wie etwa die vollständige Ablehnung von Pornografie – hält Roche für überholt und vertritt eher einen Sex-positiven Feminismus.

    Einstellung zu Religion und Politik

    Roche vertritt religionskritische Positionen und setzt sich für die Trennung von Kirche und Staat ein. Gegenüber dem Humanistischen Pressedienst äußerte sie sich zu ihrer strikten Ablehnung der Kirche:

    Roche ist Mitglied von attac und engagiert sich für die Abschaffung von Atomkraftwerken in Deutschland. Als ihr Lieblingsbuch bezeichnete sie in einem Interview das globalisierungskritische Buch Uns gehört die Welt! von Klaus Werner-Lobo, das ihr Leben und ihre Konsumgewohnheiten „radikal verändert“ habe.

    Werke

    Bücher

    • Feuchtgebiete, Roman. DuMont, Köln 2008, ISBN 978-3-8321-8057-7; TB: Ullstein Berlin 2009, ISBN 978-3-548-28040-0
    • Schoßgebete, Roman. Piper, München 2011, ISBN 978-3-492-05420-1

    Hörbücher

    • 2000: Die Speed Queen (Stewart O'Nan), 2 CDs, 150 Min., BMG Wort, ISBN 978-3-89830-115-2
    • 2006: 1. 2. 3. … (Bela B. feat. Charlotte Roche)[39]
    • 2008: Feuchtgebiete, 5 CDs, 335 Min., ungekürzte Lesung von Charlotte Roche, Random House Audio Köln, ISBN 978-3-86604-872-0
    • 2011: Schoßgebete, 8 CDs, 581 Min., ungekürzte Lesung von Charlotte Roche, Osterwold audio Hamburg, ISBN 978-3-86952-088-9

    Auszeichnungen

    • 2002: Bayerischer Fernsehpreis für die Moderation von Fast Forward (VIVA)
    • 2004: Grimme-Preis in der Kategorie Wettbewerb „Spezial“ für die Moderation von Fast Forward
    • 2008: Bestseller des Jahres von Media Control für mehr als 1,3 Millionen verkaufte Exemplare ihres Romans Feuchtgebiete
    • 2012: Journalist des Jahres in der Kategorie Unterhaltung, gemeinsam mit Jan Böhmermann

    Weblinks

    • Literatur von und über Charlotte Roche im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
    • Charlotte Roche in der Internet Movie Database (englisch)
    • Georg Diez: Lust an der Provokation. Die Zeit, 19. Mai 2008, abgerufen am 26. Juni 2012 (Porträt: Charlotte Roche über ihren pornografischen Roman).
    • Peer Teuwsen: Ich bin die beste Nutte, die es gibt. SZ-Magazin, 2008, abgerufen am 26. Juni 2012 (SZ Heft 44/2008).
    • Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatAudio-Interview mit Charlotte Roche. Humanistischer Pressedienst, Mai 2011, abgerufen am 26. Juni 2012 (MP3; 51,2 MB).

    Einzelnachweise

    1. Oliver Link und Thomas Rabsch: Die Neue in der Klasse. Stern, 22. November 2003, abgerufen am 27. Juni 2012.
    2. Charlotte Roche: We just want the right to be different. Das Lexikon der TV-Moderatoren, 20. April 2004, abgerufen am 27. Juni 2012.
    3. Zur Person: Rebellin, Königin und Mutter. kurier.at, archiviert vom Original am 21. April 2008, abgerufen am 28. Juni 2012.
    4. phi: Roche träumt von Frauenpuffs und Swingerclubs. 20min.ch, 10. April 2008, abgerufen am 28. Juni 2012.
    5. Was guckst Du? – Wie multikulturell ist unser Fernsehalltag. (Nicht mehr online verfügbar.) JFC Medienzentrum Köln, ehemals im Original, abgerufen am 28. Juni 2012 (S. 12). (Seite nicht mehr abrufbar; Suche im Webarchiv)@1 @2 Vorlage:Toter Link/www.jfc.info
    6. Grimme-Preis: Vita Charlotte Grace Roche. Grimme-Institut, abgerufen am 28. Juni 2012.
    7. a b Bulante: Quickie mit dem Staubsauger. NEON, 2. Mai 2005, abgerufen am 28. Juni 2012.
    8. Christopher Wurmdobler: Ich mache Opa-Interviews. falter.at, 15. Oktober 2003, abgerufen am 28. Juni 2012.
    9. Stefan Niggemeier: Charlotte Roche: Schneller Rücklauf. FAZ, 20. November 2004, abgerufen am 28. Juni 2012.
    10. Charlotte Roche "wahnsinnig frustriert". Süddeutsche Zeitung, 4. Dezember 2004, abgerufen am 28. Juni 2012.
    11. Grimme-Preis: Preisträger 2004. Grimme-Institut, abgerufen am 28. Juni 2012.
    12. Alexander Krei: 3sat: Verjüngung durch Roche und Bauerfeind. Quotenmeter, 25. Januar 2008, abgerufen am 28. Juni 2012.
    13. sal: Charlotte Roche moderiert "3 nach 9". Stern, 18. Juni 2009, abgerufen am 28. Juni 2012.
    14. Charlotte Roche wird neue Moderatorin bei "3 nach 9". Radio Bremen, 18. Juni 2009, abgerufen am 28. Juni 2012.
    15. miha: Charlotte Roche verlässt Talkshow „3nach 9“. FAZ, 18. Januar 2010, abgerufen am 28. Juni 2012.
    16. Markus Ehrenberg: Ohne Vorwarnung - ZDF setzt "Roche & Böhmermann" ab. Der Tagesspiegel, 28. Januar 2013, abgerufen am 28. Januar 2013.
    17. Marita Ingenhoven: Charlotte Roche und Bela B. nackt im Swingerclub. Rheinische Post, 19. Juli 2006, abgerufen am 28. Juni 2012.
    18. Jenni Zylka: Schleimporno gegen Hygienezwang. taz, 28. Februar 2008, abgerufen am 28. Juni 2012.
    19. Moritz von Uslar und Claudia Voigt: "Ich bin gar nicht so frech". SPON, 25. Februar 2008, abgerufen am 28. Juni 2012.
    20. Carsten Schrader: Der ungezähmte Körper. umagazine.de, abgerufen am 28. Juni 2012.
    21. Laid bare: Fiction in German makes it to pole position. The Economist, 3. April 2008, abgerufen am 28. Juni 2012.
    22. Ag.: Bestseller des Jahres: Fazit "Feuchtgebiete". Die Presse, 29. Dezember 2008, abgerufen am 28. Juni 2012.
    23. Carsten Heidböhmer: Mit kalkuliertem Skandal zum Megaseller? Stern, 7. August 2011, abgerufen am 28. Juni 2012.
    24. welt.de, Interview mit dem Regisseur des Film, abgerufen am 13. August 2013
    25. Gegendarstellung. Der Tagesspiegel, 15. November 2004, abgerufen am 28. Juni 2012.
    26. Clarissa: "Bild" schockiert über "Bild"-Methoden. BILDblog, 24. Oktober 2006, abgerufen am 28. Juni 2012.
    27. Charlotte Roche bei Harald Schmidt. 8. Februar 2006, abgerufen am 28. Juni 2012 (Video).
    28. Klaus Raab: Lesung mit Charlotte Roche: Bild ruiniert Menschen“. taz, 27. Oktober 2007, abgerufen am 28. Juni 2012.
    29. C. Weingärtner: „Was treibt Sie zu Schamlos-Charlotte?“ Bild, 21. April 2008, abgerufen am 28. Juni 2012.
    30. So ekelt Charlotte Roche ihr Konto voll. Bild, 17. September 2008, abgerufen am 28. Juni 2012.
    31. Hobbes: Runterputzfimmel. BILDblog, 17. Juni 2008, abgerufen am 28. Juni 2012.
    32. Clarissa: Griff ins Persönlichkeitsrechtsverletzungsarchiv. BILDblog, 20. Juni 2008, abgerufen am 28. Juni 2012.
    33. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatEMMA, das Heft 3/2001. Emma, Mai/Juni 2001, abgerufen am 28. Juni 2012.
    34. Ich bin gar nicht so frech. SPON, 25. Februar 2008, abgerufen am 28. Juni 2012 (2. Teil: "Mein Mann backt wie eine Weltmeisterin").
    35. P.M.: Ich betrete keine Kirche. Humanistischer Pressedienst, 26. August 2011, abgerufen am 28. Juni 2012.
    36. Charlotte Roche über "Uns gehört die Welt!" Abgerufen am 23. Februar 2009.
    37. Wir sind die Urheber! Abgerufen am 28. Juni 2012 (Unterschriftenliste).
    38. Chartquellen: Deutschland - Österreich - Schweiz
    39. Siehe auch en:1. 2. 3. ... (engl.)

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