Gianna Nannini

  • Gianna Nannini (* 14. Juni 1954 in Siena) ist eine italienische Songschreiberin und Rocksängerin, die mit Liedern wie Latin Lover, Fotoromanza, Bello e impossibile oder I maschi populär wurde.

    Jugend und Familie

    Gianna Nannini wurde in Siena in der Toskana als Tochter einer wohlhabenden und traditionsreichen Konditorfamilie geboren. Nach dem Abitur in Bologna verließ sie mit 18 Jahren das Elternhaus. Sie studierte zunächst Klavier in Lucca und im Anschluss daran Komposition in Mailand. 1994 beendete sie ihr Studium der Literaturwissenschaft und Philosophie mit einer Arbeit über das Thema „Il corpo nella voce“ („Der Körper in der Stimme“).

    Am 26. November 2010 wurde Gianna Nannini Mutter einer Tochter.

    Ihr Bruder Alessandro (* 1959) wurde in den späten 1980er Jahren als Autorennfahrer in der Formel 1 bekannt und leitet mittlerweile das elterliche Unternehmen, die Gruppo Nannini.

    Werk

    Janis Joplin wurde früh zu Gianna Nanninis Vorbild. Ihrem autobiografischen und introvertierten Debütalbum Gianna Nannini aus dem Jahr 1976 folgte 1977 das poetische Album Una radura, doch wurden beide Alben keine großen Erfolge.

    1979 kam mit California die erste erfolgreiche Langspielplatte heraus, deren feministischer Inhalt und provozierendes Cover in Italien einen Skandal auslösten. Der Titel America sorgte im katholischen Italien für viel Furore, weil Nannini auf dem Plattencover die Fackel der Freiheitsstatue gegen einen Vibrator austauschte.

    1981 schrieb Nannini die Filmmusik für den Film Sconcerto Rock und sang das Titellied Ora. Auf ihrem ebenfalls 1981 erschienenen Album G. N. experimentierte sie mit elektronischer Musik und landete mit dem Titel Occhi aperti einen Hit. Ihr neuer Manager Peter Zumsteg verhalf ihr zum endgültigen Durchbruch. Mit Latin Lover aus dem Jahr 1982 begann zudem eine fruchtbare Zusammenarbeit mit dem Musikproduzenten Conny Plank, der schon Ultravox, Eurythmics und Kraftwerk produzierte. Die Single Latin Lover wurde in Deutschland zu einem ihrer größten Hits. Gemeinsam entstanden zwei weitere Alben, ehe Plank 1987 überraschend starb.

    Die LP Puzzle (1984) bedeutete auch den Durchbruch in Italien, wo kurz darauf die Singleauskopplung Fotoromanza für drei Monate als Nummer eins und Sommerhit des Jahres gefeiert wurde, was ihr in Italien eine Goldene Schallplatte einbrachte. Puzzle wurde in Italien zur bis dahin am meisten verkauften Platte einer Sängerin. Beim Musikfestival „Festivalbar“ trug sie mit dem Abschlusskonzert in der Arena von Verona den Sieg davon.

    1987 produzierte Nannini mit dem Schweizer Produzenten Armand Volker die Single I maschi, mit der sie Italien beim 18. World Popular Song Festival in Tokio vertrat. Zusammen mit Sting vertonte Nannini im selben Jahr die Dreigroschenoper.

    In den Jahren 1987 und 1988 trat die Rocksängerin auf einer mehrmonatigen Tour durch ganz Europa in ausverkauften Hallen in Italien, Frankreich, Deutschland und Skandinavien auf. 1988 erschien das Album Malafemmina.

    1990 entstand gemeinsam mit Edoardo Bennato der Hit Un’estate italiana, den sie bei der Eröffnungsfeier zur Fußballweltmeisterschaft in Italien im Giuseppe-Meazza-Stadion in Mailand aufführten. 1992 erschien die spanische Version von Maschi e altri und im August 1996 ihr Best-of-Album Bomboloni mit bekannten Erfolgen und drei neuen Stücken.

    2000 schrieb Nannini den Soundtrack zur Zeichentrickverfilmung von Michael Endes Roman Momo, wobei sie wieder mit Elementen elektronischer Musik experimentierte.

    Mit dem Album Aria gingen die Produzenten 2002 neue Wege. Es ist geprägt von elektronischer Musik und Soundeffekten. Noise-Computer und Vocoder bilden die Grundlage der 13 Lieder. Das Album wurde in Italien ein Erfolg. Dieses Konzept war gegen Nanninis Willen und das Album ohne ihre Zustimmung entstanden. Die „wunderschönen Lieder“ im Rockstil, die in zwei Jahren entstanden waren, wurden nach Nanninis Auffassung „mit viel Elektronik

    Nach der Enttäuschung über Aria übernahm Nannini alleinige Verantwortung und Regie für das Album Perle (2004). Musikalisch setzte sie auf ihr Piano und die Musiker des „Solis String Quartet“ aus Neapel, das aus vier klassischen Streichern besteht, um 14 ihrer Lieblingssongs neu zu interpretieren. Das Album wurde in Italien ein großer Erfolg.

    2005 wurde ihre Autobiografie Io sowohl auf Italienisch wie auch auf Deutsch veröffentlicht.

    Mit Grazie feierte Nannini 2006 ihr 30-jähriges Bühnenjubiläum und kehrte zur Rockmusik zurück. Das Album hatte so großen Erfolg, dass es bereits kurz nach der Veröffentlichung mit Platin ausgezeichnet wurde. Mittlerweile erreichte es mit über 400.000 verkauften Einheiten den Status der italienischen Diamant-Platte; es war dort die erfolgreichste CD des Jahres 2006 und stand elf Wochen an der Spitze der Charts.

    2007 erschien ein internationaler Werbespot für den neuen Fiat Bravo, in dem eine akustische Version ihres Titels Meravigliosa Creatura aus dem Album Perle verwendet wurde. Der Erfolg des Liedes und des Spots brachte Perle drei Jahre nach der Erstveröffentlichung einen Wiedereinstieg in die italienischen Top-50 der Verkaufscharts ein.

    Im April 2007 erschien das Album Pia come la canto io, an dem Nannini elf Jahre gearbeitet hatte, und das – wie schon Grazie – von Wil Malone produziert worden war. Darauf findet sich eine Sammlung von Songs, die sie für eine Pop-Oper geschrieben hat. Das Orchester, mit dem Nannini durch Europa tourte, umfasste eine Rockband mit zwei Gitarristen und das „Solis String Quartet“ aus Neapel. Im November 2007 erschien in Italien GiannaBest, eine Doppel-CD mit 26 ihrer Hits und drei bisher unveröffentlichten Titeln, für die sie bereits im Februar 2008 eine Diamant-Platte erhielt.

    Steuerhinterziehung

    Im Auftrag des Tribunale di Milano beschlagnahmte die Guardia di Finanza am 5. April 2014 wegen der Steuerhinterziehung von 3,7 Millionen Euro die Villa samt Reitstall von Gianna Nannini in Siena. Von 2007 bis 2012 soll sie über zwei Gesellschaften in Irland und den Niederlanden Einnahmen aus Konzerten und Tonträgerverkäufen nicht versteuert haben.

    Diskografie

    Studioalben

    • 1976: Gianna Nannini
    • 1977: Una radura …
    • 1981: G. N.

    Livealben

    • 1991: Giannissima (Live)

    Kompilationen

    • 1986: Gianna Nannini
    • 1990: To Be Number One (Giorgio Moroder Project)
    • 1996: Gianna Nannini
    • 1997: I grandi successi
    • 1998: The Collection
    • 2006: America e altri grandi succesi

    Soundtracks

    • 1983: Sconcerto Rock (Dalla Colonna Originale del Film) (Mini-Album, Soundtrack zum Film Sconcerto Rock)
    • 2001: Momo (Soundtrack zum Film Momo alla conquista del tempo von Enzo D’Alò)[8]

    Auszeichnungen für Musikverkäufe

    Filmografie

    • 1983: Ein Sommernachtstraum

    Literatur

    • Ich. Autobiographie. List, Berlin 2005; Ullstein Taschenbuch, Berlin 2007, ISBN 978-3-548-36950-1

    Quellen

    1. Das Geburtsjahr ist umstritten: Nannini selbst nennt 1956 auf ihrer Website, und in den Medien wird dies durchweg übernommen. Dagegen nennt der Artikel in der italienischen Wikipedia 1954, mit Verweis auf die Angabe im Who’s Who in Italy (siehe hier) und in der Autobiografie eines ehemaligen Schulkameraden Nanninis. Dazu existiert ein Geburtsregisterauszug von 1983, der 1954 als Geburtsjahr bestätigt (hier reproduziert).
    2. Gianna Nannini bekommt mit 54 Jahren ihr erstes Kind in: AFP vom 26. November 2010
    3. vgl. z.B. titel Thesen Temperamente: Rückschau: Die rockende Provokation: Wie die 54-jährige Gianna Nannini mit Babybauch und ihrer neuen CD Schlagzeilen macht (Memento vom 26. Februar 2011 im Internet Archive), 23. Januar 2011.
    4. Gianna Nannini: Ich. Autobiographie, Berlin 2007 (Seitenangabe fehlt)
    5. Express: Steuer-Fahndung - Gianna Nannini: Villa beschlagnahmt vom 5. April 2014
    6. a b c d Chartquellen: Singles Alben Italien
    7. a b c d Gold-/Platin-Datenbanken: DE CH
    8. CD-Kritik

    Weblinks

    • Offizielle Website
    • Literatur von und über Gianna Nannini im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
    • Gianna Nannini bei Discogs (englisch)
    • Gianna Nannini bei MusicBrainz (englisch)

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