The Price We Pay

Clawfinger

  • Clawfinger (engl. „Krallenfinger“) war eine Crossover-Band aus Schweden und Norwegen.

    Kurzbiografie

    Zu großer Bekanntheit im europäischen Raum gelangte die Band Anfang der 1990er Jahre im aufkeimenden Crossover-Trend. Die Skandinavier galten mit als Pioniere dieses Genres. Beim Abflauen der Crossover-Welle büßten sie jedoch an Bekanntheit ein. 2007 veröffentlichten sie ihr siebtes Studioalbum. Prägnant für die erste Generation an kommerziell erfolgreichen Crossover-Bands war der inhaltlich sozialkritische Bezug. Clawfingers große Hits stammen aus dem Zeitraum 1992–1996 (Nigger, The Truth, Pin Me Down, Do What I Say). Anschließend landete die Band noch zwei Charterfolge mit Singleauskopplungen (Biggest and the best und Out to Get Me) sowie bekannte Remixes für Bands wie Rammstein oder Die Krupps.

    Durch das Betreiben ihres eigenen Fear-and-Loathing-Tonstudios in Schweden zusammen mit der Band Meshuggah sind Clawfinger auch als Produzenten zahlreicher Rap- und Metal-Produktionen hinter der Bühne aktiv.

    Sound

    Clawfinger wurden lange Zeit als europäische Antwort auf Rage Against the Machine (USA) gehandelt, da sie sowohl soundtechnisch als auch inhaltlich stark an diese Band angelehnt schienen. „Durch ihre klinischen Gitarren und die stampfenden Beats waren sie die elektronischste Variante des damals grassierenden Zappelbudenvirus“ (Quelle: Plattentests.de). Dieser Sound gilt als ein Markenzeichen der Band. Er ist gekennzeichnet durch scharf-sägende Gitarrensounds, welche oftmals weniger als zwei Riffs lang den Rap-Gesang rhythmisch unterstützen. Clawfinger verwenden keine Gitarren-Soli. Der Stil ist geprägt durch einfache und sehr kurz gehaltene Gitarren-Riffs und greifbare Hooklines sowie leicht zu merkende Refrains. Die Gitarren sind meist ohne Gitarrenamps und zusätzliche Tonabnehmer direkt über das Mischpult aufgenommen.

    Ein Verweis im Booklet des Debütalbums 1993 beschreibt den Sound der Band noch heute sehr gut:

    Diese Anspielung zielte direkt auf Rage Against the Machine ab, welche sich ganz besonders darauf beriefen, alle Sounds mit den Gitarren selbst zu erzeugen und in ihrem eigenen Booklet des selbstbetitelten Debütalbums 1992 schrieben:

    Werdegang

    1992–1993: Deaf Dumb Blind

    Mediale Beachtung erfuhr die Band nur wenige Monate nach ihrem Debüt-Album Deaf Dumb Blind (1993), denn gleich die erste Single-Auskopplung Nigger wurde als rassistischer Song vorverurteilt und brachte die Band bei MTV und VIVA in die Diskussion. Sänger Zak Tell kündigt aufgrund der Missverständnisse auch heute noch auf manchen Konzerten den Song als „anti-rassistisches Stück“ an. Als Antwort veröffentlichten Clawfinger den Song Braindead auf einem Antifa-Solisampler der Stockholmer Antifa. Die noch im selben Jahr veröffentlichte Single The Truth lief schließlich auf den Musikkanälen rauf und runter; es folgten Tourneen mit Alice In Chains, Die Krupps und Anthrax. Schnell folgten Auftritte auf den großen internationalen Festivals wie Rock am Ring oder Roskilde-Festival, und der Song Warfair wurde die dritte Single. Vom Album wurden in Deutschland 250.000 Einheiten verkauft.

    Der Song kritisiert schwarze Minderheiten – im Besonderen aus dem Bereich der US-amerikanischen Hip-Hop-Kultur – dafür, das Wort „Nigger“ für sich selbst zu verwenden, da dies ursprünglich von den Weißen als äußerst abwertende Bezeichnung für Menschen dunkler Hautfarbe verwendet wird. Die deutsche Übersetzung der ersten Strophe lautet in etwa:

    Deutsch:

    Englisch:

    Kritiker entgegneten, dass die eigene Verwendung des Wortes auch zu einer Elimination des Wortes als Schimpfwort führen würde.

    1993–1996: Use Your Brain

    Das zweite Album Use Your Brain knüpfte an den Erfolg des Vorgängers an und verkaufte sich erneut 250.000 mal. Die erste Single-Auskopplung Pin Me Down kam im Musik-TV in die Heavy Rotation. Soundtechnisch änderte die Band nichts an ihrem Konzept. Songstruktur, Inhalte und Stilmittel wurden beibehalten und die Band zeigte keine kreative Weiterentwicklung. Die Singleauskopplung Do What I say wurde auch aufgrund ihres von zwei minderjährigen Jungen wütend geschrienen Titels ein Radiohit. Der Song setzt sich kritisch mit autoritärer Erziehung und der Reflexion des Erzogenen auseinander.

    Nach drei Jahren intensiven Tourens und über 500 weltweiten Livekonzerten mit Höhepunkten des Monsters-of-Rock-Festivals in Südamerika 1994 folgten erste Knicke in der Bandkarriere. So platzten Pläne, das erste Album in den USA herauszubringen, nachdem schon der Song Nigger durch eine B-Seite (Get It) ersetzt werden sollte. Insgesamt gab es zwei erfolglose Anläufe, auf dem nordamerikanischen Markt Fuß zu fassen.

    1997–2001: Clawfinger und die „Rammstein-Connection“

    Den sägenden und dominierenden Gitarren wichen auf dem dritten Album Clawfinger (1997) langsam fortschreitende und zähflüssig fressende Rhythmen. Auch die Songtexte hatten nicht mehr die Note von Jugendrebellion, sondern bewegten sich weg von Texten mit erhobenen Zeigefingern und zeigten eine emotionalere und psychisch-dunklere Seite der Band auf. Trotz Einsatz von neuen Stilmitteln und verschiedener Soundexperimente brachen die Verkaufszahlen ein (ca. 150.000 Alben in Deutschland), obwohl die Band auch mit ihrer neuen Single Biggest and the Best einen weiteren Discohit landen konnte, während Crossover-Acts wie Dog Eat Dog, H-Blockx und andere unlängst in der Versenkung verschwunden waren. Die zweite Single Two Sides fand dagegen kaum noch Beachtung. Größeres Lob erfuhr die Band für ihre Remixe für die deutsche Band Rammstein, für welche sie erstmals 1997 einen Remix produzierte.

    2001–2003: A Whole lot of Zeros?

    Nachdem die Band von ihrem Label wea hingehalten wurde und es nie zu einer Veröffentlichung der neu geschriebenen Songs kam, wechselten Clawfinger das Label und gingen zu GUN Records. GUN verhalf Clawfinger mit der Auskopplung Out to Get Me (2001) nach Jahren der Misserfolge zu einem erneuten Top-100-Hit. Die Auskopplung wie auch das Album A Whole Lot of Nothing (2001) verhalf der Band zu einem Comeback. Kreative Ausflüge wie auf Clawfinger oder neue lyrische Erkenntnisse gab es von der Band jedoch nicht. Stattdessen wiederholte sich Clawfinger nicht nur musikalisch, sondern auch inhaltlich. Mit Out to Get Me oder Nothing Going On wurden jedoch zwei Singles veröffentlicht, welche die Band wieder auf die großen Bühnen zurückbrachte.

    Das 2003 veröffentlichte Album Zeros & Heroes fand nahezu keine Beachtung, das Label GUN ließ die Band quasi durch zurückhaltendes Marketing in der Versenkung verschwinden und die Band tourte fernab der großen Festivals auf kleinen Rock- und Metal-Open-Airs in ländlichen Regionen durch die Lande. Dazu kam auch noch der Ausstieg des Gitarristen Erlend Ottem im Oktober 2003. Seit dem Ausstieg Erlends übernimmt Jocke neben dem Keyboard des Öfteren die Gitarre. Die einzige Singleauskopplung Recipe for Hate war der Soundtrack zum Matrix-Videospiel.

    ab 2005 – Nuclear Blast

    2005 unterschrieben Clawfinger einen neuen Plattenvertrag bei Nuclear Blast, einem Label mit Schwerpunkt auf Metal. Damit finden sich Clawfinger neben Manowar, In Flames oder Graveworm in einer bisher für sie unbekannten musikalischen Nachbarschaft. Am 21. November 2005 erschien Hate Yourself with Style. Musikvideos gab es zu Dirty Lies und Without a Case.

    Das Album stellte einen leichten Unterschied zu den vorherigen Alben dar, so wurden in den Refrains öfters mehrere Stimmen und Tempowechsel verwendet. Insgesamt behielt die Band ihren bisherigen Musikstil bei. Die Texte blieben auf einem gewohnt kritischen Niveau, ließen dieses Mal jedoch mehr Beleidigungen zu.

    Am 27. Juli 2007 erschien das Album Life Will Kill You ebenfalls auf Nuclear Blast. Musikvideos gab es zu The Price We Pay und Prisoners.

    Ende August 2013 gab die Band die Auflösung bekannt.

    Remixes

    Schon mit der ersten Single Nigger und speziellen Remix-EPs lebte sich die Band mit Remixen kreativ aus. Nur selten gab es jedoch in der eigenen musikalischen Entwicklung wirklich elementare Veränderungen. Dem schon sehr früh geäußerten Statement des Sängers „Remixe sind Rip-Offs“ stehen zahlreiche eigene Remixarbeiten entgegen. So gab es unzählige Interpretationen eigener Songs zwischen Techno bis harten Industrial-Experimenten. Internationale Lobeshymnen heimste sich die Band mit einem Remix für Die Krupps ein, für welche sie deren Hit To the Hilt neu interpretierten.

    Diskografie

    Studioalben

    • 1993: Deaf Dumb Blind (GER #32)
    • 1995: Use Your Brain (GER #8)
    • 1997: Clawfinger (GER #35)
    • 2001: A Whole Lot of Nothing (GER #12)
    • 2003: Zeros & Heroes (GER #65)
    • 2005: Hate Yourself with Style
    • 2007: Life Will Kill You (GER #89)

    Singles & EPs

    • 1992: Rosegrove
    • 1992: Nigger
    • 1992: The Truth
    • 1993: Warfair
    • 1993: Warfair Remixes
    • 1994: Pin Me Down
    • 1994: Pin Me Down Remixes
    • 1994: Pin Me Down Remixes II
    • 1994: Do What I say
    • 1995: Tomorrow
    • 1997: Biggest and the Best
    • 1998: Two Sides
    • 1998: Don’t Wake Me Up
    • 1998: Fast Forward Rewind (Remix-EP)
    • 1999: Two Sides (EP)
    • 2001: Out to Get Me
    • 2001: Out to Get Me (Limited Edition)
    • 2001: Nothing Going’ On
    • 2003: Recipe for Hate
    • 2005: Dirty Lies
    • 2006: Without a Case
    • 2007: The Price We Pay
    • 2007: Prisoners

    DVDs & Videos

    • 2005: Hate Yourself with Style (Teil der Limited Edition des gleichnamigen Albums)

    Einzelnachweise

    1. http://www.musik-sammler.de/artist/182
    2. http://www.jübek-open-air.de
    3. HIT-BILANZ, deutsche Chart Singles 1956-2001 auf CD-ROM; Verlag: TAURUS PRESS Verlag populärer Musik-Literatur GmbH
    4. HIT-RECORDS, UK Chart Singles 1950-2000 auf CD-ROM; Verlag: TAURUS PRESS Verlag populärer Musik-Literatur GmbH

    Weblinks

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