Kreator

  • Kreator ist eine deutsche Thrash-Metal-Band, die 1982 als Tyrant in Essen gegründet wurde. Die Band ist eine der bekanntesten und ältesten deutschen Bands in diesem Genre. Zusammen mit den Bands Destruction und Sodom bilden Kreator das so genannte Dreigestirn des deutschen Thrash Metal. Bis heute hat die Band weltweit über zwei Millionen Alben verkauft. Der Name leitet sich vom Lateinischen creator (‚Schöpfer‘) ab, Miland „Mille“ Petrozzas Geschichtslehrer erzählte diesem jedoch nach der Veröffentlichung der Debüt-LP, der Name stamme von einem nordischen Waldtroll aus der Edda.

    In den 1980er Jahren trug sie zur Verbreitung dieser Stilrichtung in Deutschland bei und gelangte auch im Ausland zu Popularität in der Szene. Die 1990er Jahre waren von zahlreichen musikalischen Experimenten geprägt, die bei den Fans nicht immer auf Gegenliebe stießen. Im neuen Jahrtausend kehrte die Band zu ihren musikalischen Wurzeln zurück.

    Bandgeschichte

    Die 1980er Jahre

    Die Wurzeln der Band gehen auf eine 1982 unter dem Namen Tyrant gegründete Schülerband zurück, zu deren Besetzung der Sänger und Gitarrist Miland „Mille“ Petrozza, der Bassist Rob Fioretti und der Schlagzeuger Jürgen „Ventor“ Reil gehörten. Aufgenommen wurde das Album in zehn Tagen.

    Aufgrund der unerwartet guten Verkaufszahlen des Debüts spielte die Band auf Drängen ihrer Plattenfirma in nur zwei Monaten das zweite Album Pleasure to Kill ein. Mit Jörg Trzebiatowski präsentierte die Band einen neuen Gitarristen, mit dem sie erstmals auf Tournee gingen. Begleitet wurde die Band von Destruction und Rage. Zuvor spielte die Band nur vereinzelte Konzerte. Am Ende des Jahres erschien die EP Flag of Hate.

    Mit ihrem dritten Album Terrible Certainty (veröffentlicht 1987) fanden Kreator zu ihrem eigenen Stil und die Popularität der Band wuchs weiter. Kreator spielten mit Celtic Frost in Europa und mit D.R.I. in Nordamerika. 1988 unterzeichneten Kreator einen Vertrag mit dem Major-Label Epic Records, das sich fortan um den Vertrieb in Nordamerika kümmerte. Ein Jahr später wurde Extreme Aggression veröffentlicht. Das Album wurde zunächst in Berlin unter der Regie von Randy Burns (u. a. Megadeth) eingespielt. Aufgrund diverser Schwierigkeiten wurde es aber in Los Angeles vollendet. Im gleichen Jahr drehte der Regisseur Thomas Schadt den Dokumentarfilm Thrash Altenessen, der seinen Fokus auf die sozialen Aspekte des Thrash Metal legt.

    1990 spielten sie mit Sabbat, Coroner und Tankard auf dem Noise-Festival, dem ersten Metal-Festival in der DDR mit Bands aus nichtsozialistischen Ländern. Auf dem von mehr als 7.000 Fans besuchten Festival wurde das Video Extreme Aggression Tour 1989/1990 (später als DVD At the Pulse of Kapitulation) aufgenommen. Noise schickte die Band schnell wieder ins Studio, um ein neues Album aufzunehmen. Das Ergebnis hieß Coma of Souls und erschien im Oktober 1990. Stilistisch unterscheidet sich das Werk nur wenig von seinem Vorgänger und war durch den Hit People of the Lie auch ähnlich erfolgreich. Erstmals spielten Kreator Konzerte in Südamerika.

    Die 1990er Jahre

    Anfang der 1990er Jahre befand sich die Thrash Metal-Szene in einem Umbruch. Während Bands wie Metallica, Megadeth oder Anthrax in eine kommerziellere Richtung tendierten, experimentierten Kreator mit Elementen des Hardcore und des Industrial Metals. Das Album Renewal aus dem Jahre 1992, das von Tom Morris (u. a. Sepultura) produziert wurde, stieß nur auf geringe Akzeptanz von Seiten der Fans Für das Titellied drehte die Band in Israel ein Musikvideo. Kreator tourten 1993 mit Biohazard durch Nordamerika und Europa. Danach legten sie eine Pause ein.

    In der Zwischenzeit wechselte die Band von Noise zum Label Gun Records. Der Vertrag mit Epic Records wurde nicht verlängert. Jürgen Reil und Rob Fioretti verließen die Band und wurden durch Christian „Speesy“ Giesler (Bass) und Joe Cangelosi (Schlagzeug, ex-Whiplash) ersetzt. Mit Cause for Conflict veröffentlichte die Band 1995 ein relativ modernes Album, auf dem Einflüsse von Pantera oder Machine Head hörbar sind. Kreator gingen mit Dimmu Borgir, Krisiun und Richthofen auf Europatournee. In der Zwischenzeit veröffentlichte Noise mit Scenarios of Violence ein Best-of-Album.

    Das 1999 veröffentlichte Album Endorama war das experimentellste Werk der Bandgeschichte. Das Tempo wurde gedrosselt, die Band näherte sich stilistisch ein wenig dem Symphonic Metal. Beim Titellied ist der Lacrimosa-Sänger Tilo Wolff zu hören. Trotz guter Kritiken. Die Band war an einem Tiefpunkt angelangt, auch wenn Sänger Mille Petrozza sich nur wenig beeindruckt zeigte:

    Ende der 1990er Jahre erschienen mit Voices of Transgressions und Past Life Trauma zwei weitere Kompilationen.

    Die 2000er Jahre

    Kreator unterzeichneten einen neuen Vertrag mit SPV. Gleichzeitig trennte sich die Band von Tom Vetterli und holte den ehemaligen Waltari-Gitarristen Sami Yli-Sirniö als Ersatz. Musikalisch kehrten Kreator mit ihrem zehnten Studioalbum Violent Revolution zu ihren musikalischen Wurzeln zurück, fügten allerdings Elemente des Melodic Death Metals hinzu. Mit glänzenden Kritiken im Rücken konnten sich Kreator wieder im Kreis der führenden Thrash Metal-Bands etablieren. Nach einer Tour mit Cannibal Corpse folgte im Herbst 2001 unter dem Motto „Thrashback“ eine Tournee mit Destruction und Sodom, bei dem die drei Bands auf jedem Konzert in unterschiedlicher Reihenfolge auftraten.

    Während der Tourneen wurden viele Konzerte mitgeschnitten und 2003 unter dem Titel Live Kreation als CD bzw. Live Kreation: Revisioned Glory als DVD veröffentlicht. Im gleichen Jahr trat die Band beim Rock Hard Festival auf und begab sich mit Nile, Vader und Amon Amarth auf eine Nordamerikatournee. Danach kehrte die Band ins Studio zurück, um ihr elftes Album Enemy of God aufzunehmen, das im Januar 2005 erschien. Produziert von Andy Sneap setzte Enemy of God den mit Violent Revolution eingeschlagenen Kurs weiter fort und wurde wie sein Vorgänger mit sehr guten Kritiken bedacht.

    In einem Interview erklärte Petrozza, dass der Albumtitel von George W. Bush und Osama bin Laden inspiriert wurde. Petrozza hatte im TV gesehen, wie sich beide gegenseitig als Feind Gottes bezeichnet haben. Kreator gingen mit Dark Tranquillity, Ektomorf und Hatesphere auf Europatournee. Es folgte eine Rundreise durch Nordamerika mit Vader und Pro-Pain, nachdem die eigentlich eingeplanten Death Angel absagen mussten. Am 3. Juni 2005 spielten Kreator als erste ausländische Band bei einem Festival in Casablanca (Marokko). Im Februar 2006 folgte eine weitere US-Tournee mit Napalm Death, Undying und A Perfect Murder. Während des Sommers spielten Kreator auf diversen Festivals in Europa, u. a. dem Summer Breeze.

    SPV veröffentlichte im Oktober 2006 die CD/DVD Enemy of God: Revisited, auf der das Album im 5.1-Mix sowie Videoaufnahmen des Auftritts auf dem Wacken Open Air 2005 zu finden sind. 2008 fand ein weiterer Auftritt auf dem Wacken Open Air statt. Im April 2007 wurden das Album und die Live-DVD Live Kreation indiziert. Laut Petrozza basierte die Indizierung auf den gewalttätigen Texten, von denen einige „mittlerweile schon 20 Jahre alt“ sind.

    Das folgende Album hieß Hordes of Chaos und erschien am 13. Januar 2009. Die Band wählte mit Moses Schneider absichtlich einen Produzenten, der nicht der Metal-Szene entstammte und eine andere Herangehensweise an den Tag legte. Im November 2010 spielten Kreator während der Thrashfest-Tour gemeinsam mit Exodus, Death Angel und Suicidal Angels. Dort verkündeten sie zudem, dass es 2011 vorerst keine Touren geben wird und kündigten für 2012 ein neues Studioalbum an.

    Die 2010er Jahre

    Nachdem Kreators bisherige Plattenfirma SPV Insolvenz anmelden musste, wechselte die Band zu Nuclear Blast Records. Für das 13. Studioalbum Phantom Antichrist verpflichtete die Band den Schweden Jens Borgren als Produzenten. Das Album wurde am 1. Juni 2012 veröffentlicht und erreichte Platz fünf der deutschen Albumcharts. Daraufhin tourte die Band mit Morbid Angel, Nile und Fueled by Fire durch Europa. Es schloss sich eine Tour mit Overkill und Warbringer durch Nordamerika an. Mit Death Angel tourte die Band in Australien. Im Winter 2014 folgte eine Europatour mit Arch Enemy, Sodom und Vader, nach der sich die Band ausschließlich mit der Ausarbeitung des nächsten Albums beschäftigen will.

    Stil

    Auf dem ersten Demo Blitzkrieg war der Stil der Band „noch mehr NWOBHM-lastig und am Speed Metal orientiert“, während auf dem Nachfolger End of the World „der Thrash das Zepter übernommen“ hat.

    Mit der Zeit wandelte Petrozza die Texte mehr in eine sozialkritische Richtung, weil er laut eigener Aussage keine Lust mehr hatte, über „reitende Leichen und so“ zu singen. So behandelt Europe After the Rain beispielsweise das Problem des organisierten Rechtsextremismus und auf dem Album Enemy of God beziehen sich einige Texte auf die Terroranschläge am 11. September 2001.

    In den 1990er-Jahren echauffierten sich viele Metaller darüber, „wie sich eine Thrash Metal-Band überhaupt erdreisten konnte, neue Einflüsse zuzulassen“; kurz darauf kamen Bands wie Machine Head und Sepultura „und haben ähnliches gemacht, stellenweise die gleichen Samples benutzt. Die wurden dann überall als die absoluten Innovatoren abgefeiert.“

    Diskografie

    Diese Aufzählung enthält nur die Studioalben. Für eine ausführliche Diskografie siehe: Kreator/Diskografie

    Einzelnachweise

    1. a b Volkmar Weber: Kreator. In: Slayer, Nr. 20, Blood Fire Death, 2010, S. 36.
    2. „KREATOR er en demon i den gamle Tyske myten.“ Thomas Schumacher, Metalion: Kreator. In: Slayer vol. 3/4 – 1986, S. 6. Zitiert nach: Jon Kristiansen: SLAYER. N° 1 à 5. Rosières en Haye: Camion Blanc 2009, S. 144.
    3. a b biography.
    4. a b c d e f g h i j k laut.de: Biographie
    5. a b  Stefan Glas: Tormentor. End Of The World. In: Rock Hard. Nr. 328, September 2014, S. 71.
    6. a b Rock Hard Enzyklopädie, Seite 200.
    7. a b POWERMETAL.de: Kreator/Renewal - Review - POWERMETAL.de
    8. Holger Stratmann: KREATOR. Renewal. In: Rock Hard, Nr. 66.
    9. metal-observer.com: Review of Cause for Conflict
    10. Boris Kaiser: KREATOR. Endorama. In: Rock Hard, Nr. 142.
    11. Kreator - Endorama.
    12. Alex J: Kreator [Duitsland].
    13. Mille Petrozza: Eine Lobschrift auf die Hüter der entarteten Kunst. In: Deadline, Ausgabe 2/2008, S. 54-55.
    14. Slayer Nr. 3/4 vom Februar 1986
    15. a b  Oliver Klemm: Kreator. Keine Band, die von heute auf morgen den Laden dicht macht!. In: Metal Hammer. Nr. 4, Rockteam Medienproduktions GmbH und Co.KG, Lüdenscheid April 1986, S. 32.
    16. Boris Kaiser: Manchmal muß man hassen. In: Rock Hard, Februar 2009, Seiten 23ff.
    17. Byrne: HailMetal.com's Top 50 Thrash Albums Of All Time, 2006, abgerufen am 31. Januar 2013.
    18. Tom Küppers: Metal im Pott Teil 5. Die Neunziger. In: Metal Hammer, Oktober 2010, S. 83.
    19. Tom Küppers: Metal im Pott Teil 5. Die Neunziger. In: Metal Hammer, Oktober 2010, S. 84.

    Literatur

    • Holger Schmenk, Christian Krumm: Kumpels in Kutten. Heavy Metal im Ruhrgebiet, Verlag Henselowsky Boschmann, Bottrop 2010, ISBN 978-3-942094-02-3
    • Hilmar Bender: Violent Evolution: Die Geschichte von KREATOR, Ubooks, 2011, ISBN 978-3-86608-144-4

    Weblinks

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