Peter Maffay

  • Peter Maffay (* 30. August 1949 in Brașov, Siebenbürgen, Rumänien als Peter Alexander Makkay) ist ein deutscher Sänger, Komponist, Schauspieler, Gitarrist und Musikproduzent rumäniendeutscher Herkunft. Zu Anfang seiner Karriere wurde er als Schlagersänger bekannt, wandelte sich dann aber zu einem der erfolgreichsten deutschsprachigen Rock- und Popmusiker. Mit 16 Nummer-eins-Alben ist er der mit Abstand erfolgreichste Künstler in den deutschen Charts. Darüber hinaus ist er als Miterfinder der Märchen- und Zeichentrickfigur Tabaluga bekannt.

    Musikalische Anfänge

    Der Sohn einer siebenbürgisch-sächsischen Mutter und eines ungarndeutschen Vaters

    1969 wurde Michael Kunze auf ihn aufmerksam, als er auf der Suche nach Nachwuchsinterpreten für selbstgetextete Lieder war. Am 15. Januar 1970 veröffentlichte Maffay seine erste Single Du, die von Kunze produziert wurde. Am 21. März 1970 hatte Maffay seinen ersten Fernsehauftritt in der ZDF-Hitparade. Die Hitparade machte Maffay in Deutschland bekannt, und Du wurde der größte deutschsprachige Hit des Jahres 1970. Gleichzeitig platzierte sich der Song auch in den Hitparaden der Niederlande (Gold), Norwegens, Österreichs, Belgiens (Gold) und der Schweiz. Es wurden über eine Million Singles verkauft. Während der 1970er Jahre wurde Maffay durch konventionelle Rock’n’Roll-Nummern und Balladen zu einer Größe im Musikgeschäft. Dabei unternahm er zusammen mit dem deutschen Singer-Songwriter Johnny Tame als Tame & Maffay auch Ausflüge in den Country-Rock.

    Der Sprung an die Spitze

    Ende der 1970er und Anfang der 1980er Jahre vollzog Maffay einen stilistischen Wandel vom Schlagersänger zum „Deutschrocker“. Mit dem 1,6-Millionen mal verkauften Album Steppenwolf, seinerzeit ein Verkaufsrekord, gelang Maffay 1979 der Sprung an die Spitze der Album-Charts. Auf dem Album war sein zweiter Nummer-eins-Hit So bist Du. Noch erfolgreicher war 1980 das folgende Album Revanche mit dem Karat-Song Über sieben Brücken mußt du gehn. Bis heute wurden über 2,1 Millionen Platten verkauft.

    Einen Tiefpunkt seiner Karriere erlebte Maffay 1982, als er in mehreren deutschen Städten im Vorprogramm der Rolling Stones auftrat, aber bei den Konzertbesuchern kaum Akzeptanz fand. So wurde Maffay schon beim Tourauftakt in Hannover von Peter Wolf, dem Sänger der J. Geils Band, mit der Frage angekündigt, ob man „Schlager“ möge. Während seines anschließenden Auftritts wurde Maffay mit Tomaten und Eiern beworfen.

    Zum 40-jährigen Bühnenjubiläum nahm Maffay das Album Tattoos auf, das bis auf ein gesangloses Intro und das Lied Wir verschwinden Neuaufnahmen seiner größten Hits enthält. Die neuen Versionen entstanden mit Unterstützung des Wroclaw Score Orchestra. Mit Tattoos kam Peter Maffay zum 14. Mal auf Platz 1 der Albumcharts, womit er der Rekordhalter in Deutschland ist. Es war sein 41. Album in den Charts; die vorherigen Alben waren zusammengerechnet über 1000 Wochen in den deutschen Albumcharts, einschließlich Tabaluga und die Zeichen der Zeit. 2011 nahm er gemeinsam mit Bushido und Sido für deren Album 23 mit Erwachsen sein eine Neuauflage seines Hits Nessaja auf.

    Bisher verkauften sich 13 seiner Alben über eine Million Mal, 15 seiner Alben erreichten Platz eins in den Album-Charts, beides die höchste Anzahl eines Künstlers in Deutschland. Insgesamt verkaufte Maffay knapp 50 Millionen Tonträger (Stand 2012). Seine Tourneen hatten zum Teil über 700.000 Besucher pro Tour.

    Die Band

    In der Folge der stilistischen Umorientierung kristallisierte sich eine Stammbesetzung der musikalischen Begleitband heraus. Die Rhythmusgruppe bestand bis 1988 aus Bertram Engel (Schlagzeug) und Steffi Stephan (Bass). Seit Stephans Rücktritt aus der Band besetzten diese Position Colin Hodgkinson und Ken Taylor.

    Die Keyboards wurden überwiegend von Jean-Jacques Kravetz gespielt, dessen Sohn Pascal Kravetz 1988 erstmals live mitspielte. Zwischen 1980 und 1985 war zudem Thomas Glanz, von 1986 bis 1988 Arrangeur und Komponist Tony Carey als Keyboarder für Maffay tätig.

    Zahlreiche Gitarristen spielten bisher in der Peter Maffay Band, unter anderem Andreas Becker (1989–2004), Carl Carlton (seit 1986), der mit einer kurzen Unterbrechung (2005–2008) auch Songwriter und im Verbund mit Bertram Engel hauptsächlicher Produzent ist, Alvin Lee (1991), sowie Peter Keller ab 2004. Wichtigster und einflussreichster Gitarrist war Frank Diez, Gründungsmitglied der Peter Maffay Band und 30 Jahre lang von 1974 bis 2004 kongenialer Mitstreiter und Kreativpartner von Peter Maffay.

    Vereinzelt tauchten auch Bläser im Maffay-Arrangement auf, wie beispielsweise Saxophonist Eddie Taylor (bis 1996). John Smith (Saxophon) und Steve Howard (Trompete) sind seit 2001 regelmäßig wiederkehrend in der Band. Seit 2014 wirkt Saxophonist Everette Harp bei Aufnahmen und in Livekonzerten mit.

    Insbesondere bei Live-Auftritten wirken bei Peter Maffay oft Special-Guests mit, denen er jeweils Zeit und Raum für einen eigenen musikalischen Block einräumt. Zu ihnen gehörten bislang zum Beispiel John Mayall, Julia Neigel, Chris Thompson, Johnny Tame und Meike Anlauff (Mayque). Mit Julia Neigel verbindet ihn eine enge Zusammenarbeit. Sie schrieb für ihn auch die Texte für Freiheit die ich meine, Siehst Du die Sonne und als Mitautorin Gib die Liebe nicht auf.

    Deutsche RockRadio

    Die Musiker-Kollegen Marius Müller-Westernhagen, Scorpions, Peter Maffay und Klaus Lage gründeten Ende der 1990er Jahre die Gesellschaft Deutsche RockRadio. Erklärtes Ziel ist die Förderung von Rockmusik in der pop-orientierten Radiolandschaft. So startete am 1. August 1998 das erste landesweite Programm der Musiker Rockland Radio in Rheinland-Pfalz.

    Jenseits der Rockmusik

    Neben der Rockmusik kreierte Maffay mit der Tabaluga-Reihe ein Märchen, das fünf Alben umfasst. In den 1990er Jahren wurde das dazugehörige Musical als Tourneetheater und von 1999 bis 2001 auch fest in Oberhausen aufgeführt. Außerdem wurden 78 Zeichentrickfolgen dazu produziert. Das 2011 erschienene Album Tabaluga und die Zeichen der Zeit bildet den Abschluss des Rockmärchens, wie Maffay am 23. März 2012 in der WDR-Sendung Kölner Treff erklärte.

    Sein 1998 erschienenes Album Begegnungen beschritt neue Wege: Maffay spielte hier mit Künstlern aller Kontinente; unter anderem mit der Aborigines-Band Yothu Yindi und Musikern aus Israel. Ziel dieser Zusammenarbeit unter Bundeskanzlerin Angela Merkel war es, Gelder einzuspielen, um gemeinsam mit World Vision Deutschland Entwicklungshilfeprojekte unter dem Titel Begegnungen – Eine Allianz für Kinder zu fördern. World Vision steuerte dabei eine Million Euro bei. Dies setzte er 2006 mit der Tour Begegnungen – Eine Allianz für Kinder fort, an der u. a. auch Shantel teilnahm.

    Maffay spielte in zwei Filmen von Peter Patzak die Hauptrolle: 1986 in Der Joker und 1999 in Gefangen im Jemen. Außerdem spielte Maffay eine Nebenrolle im Spielfilm Der Eisbär.

    Im August 2009 veröffentlichte Peter Maffay seine erste offizielle Biografie Auf dem Weg zu mir, niedergeschrieben von dem freien Journalisten Edmund Hartsch. Im Juli 2010 porträtierte die ARD den Musiker in ihrer Sendereihe Deutschland, deine Künstler.

    Im November 2011 hielt Peter Maffay die Laudatio für den Rapper Bushido, der mit dem Bambi-Integrationspreis ausgezeichnet wurde. Außerdem nahm er mit ihm und Sido unter dem Titel Erwachsen sein eine neue Version seines Titels Nessaja auf. Einen Monat nach der Preisverleihung distanzierte sich Maffay jedoch von dem Rapper, nachdem es bei der Talk-Show Markus Lanz zu heftigen Diskussionen gekommen war. Peter Maffay erklärte, Bushido habe sich zwar von diskriminierenden, gewaltverherrlichenden Inhalten distanziert, habe aber bisher die Konsequenz vermissen lassen, die Songs und Videos vom Markt zu nehmen. Außerdem fehle eine Zusage, in Zukunft auf Veröffentlichungen dieser Art zu verzichten.

    Gesellschaftliches Engagement

    Neben seiner künstlerischen Arbeit ist Peter Maffay politisch engagiert und setzt seine Ansichten zum Teil auch in Liedern um. So in Eiszeit, wo er über Kriege und die Umwelt sinniert. Er ist in der Friedensbewegung aktiv und gab 2005 ein Konzert bei den deutschen ISAF-Truppen in Afghanistan. 2008 sang er zusammen mit Rolf Zuckowski und Nena den Themensong zur Aktion Ein Herz für Kinder.

    Maffay stellt durch seine Stiftungen Gelder und sich selbst für Projekte für traumatisierte Kinder zur Verfügung. Auf Mallorca hat er bei Pollença einen Bauernhof errichtet, auf dem traumatisierte Kinder aus aller Welt für zwei Wochen kostenlos Ferien machen können. Für sein soziales Engagement erhielt er u. a. 1996 das Bundesverdienstkreuz, 2001 die Goldene Henne, 2003 die polnische Auszeichnung Kavalier des Ordens des Lächelns, 2004 den Deutschen Canto Kulturpreis sowie 2006 den erstmals vergebenen World Vision Charity Award. Die Peter Maffay Stiftung erhielt zudem 2014 den Echo als Sonderpreis für gesellschaftliches Engagement.

    Er ist Schirmherr der Tabaluga-Kinderstiftung und stellte ihr eine Abbildung des Tabaluga-Drachens als Stiftungslogo zur Verfügung. Peter Maffay ist außerdem offizieller Botschafter für die Deutsche José Carreras Leukämie-Stiftung und unterstützt World Vision Deutschland als prominenter Kinderpate. Deshalb wurde ihm am 15. November 2011 die Martin Buber-Plakette verliehen.

    Peter Maffay engagiert sich gegen Rassismus und für Toleranz und ist ein Unterstützer der Amadeu Antonio Stiftung. Am 2. Dezember 2011 trat Peter Maffay zusammen mit Udo Lindenberg, Julia Neigel, Clueso und Silly beim Protestfestival Rock gegen Rechts im Zuge der Neonazi-Mordserie in Jena vor 60.000 Menschen auf.

    Seit 2012 ist Peter Maffay einer der deutschen Botschafter der UN-Dekade Biologische Vielfalt.

    Maffay agierte in der deutschen Version des Benefiz-Songs Do They Know It’s Christmas von Band Aid mit, der am 21. November 2014 veröffentlicht wurde.

    Ehen und Kinder

    Peter Maffay heiratete viermal. Seine erste Ehefrau – die Lehrerin Petra Küfner – heiratete er 1975; beide trennten sich 1979. 1981 gab er der befreundeten Musikerin und damaligen Lehramtsstudentin Chris Heinze das Jawort. Diese Ehe hielt bis 1986.

    Werk

    Diskografie

    → Chartplatzierungen von Singles und Alben: siehe Peter Maffay/Diskografie.

    Filmografie (Auswahl)

    • 1971: Das haut den stärksten Zwilling um
    • 1987: Der Joker
    • 1989: Abenteuerreisen Island (TV–Reisedokumentation)
    • 1989: Abenteuerreisen Israel (TV–Reisedokumentation)
    • 1991: Der Gorilla
    • 1995: Frankie Liebe, Laster, Rock ’n’ Roll (TV-Serie)
    • 1998: Der Eisbär
    • 1999: Gefangen im Jemen

    Schriften

    • Peter Maffay, Edmund Hartsch: Auf dem Weg zu mir. C. Bertelsmann, München 2009, ISBN 978-3-570-01029-7.
    • Peter Maffay: Der 9. Ton. Gedanken eines Getriebenen. Kösel, München 2013, ISBN 978-3-466-37059-7. (Unter Mitarbeit von Sascha Hellen)

    Liederbücher

    • Heute vor 30 Jahren (die besten Songs 1971–2001, arrangiert für Klavier, Gesang & Gitarre). Bosworth Music, 2001, ISBN 978-3-920127-63-7.

    Literatur

    • Michael Rieth, Franz Schlechter: Peter Maffays Begegnungen: Ein Reisebericht. Goldmann, München 1998, ISBN 3-442-30800-3.

    Weblinks

    Einzelnachweise

    1. Charts Deutschland KW 5: Peter Maffay baut Charts-Rekord aus, Musikmarkt, 28. Januar 2014
    2. Peter Maffay, Edmund Hartsch: Auf dem Weg zu mir. C. Bertelsmann, München 2009.
    3. Peter Maffay, Edmund Hartsch: Auf dem Weg zu mir. C. Bertelsmann, München 2009, S. 39–45.
    4. storyarchitekt.com (PDF; 324 kB)
    5. Fritz Rau: 50 Jahre Backstage. Erinnerungen eines Konzertveranstalters. Vorwort von Udo Lindenberg. Palmyra, Heidelberg 2005, ISBN 3-930378-65-5, 303 S., Ill.
    6. Sony Music gratuliert Peter Maffay zum Charts-Rekord, Mediabiz, 8. Februar 2010
    7. Bericht auf echo-muenster.de
    8. Website des Kölner Treffs im Internetangebot des WDR, abgerufen am 24. März 2012
    9. Peter Lanz: Begegnungen – Eine Allianz für Kinder. In: Tabaluga Blatt. Peter Maffay Stiftung, 2006, S. 1, 5, archiviert vom Original am 18. August 2010, abgerufen am 18. August 2010 (PDF, deutsch).
    10. Peter Maffays Biographie Auf dem Weg zu mir
    11. Maffay bricht mit Rapper Bushido im Stern, abgerufen am 2. Dezember 2011
    12. Politisch unkorrekt: Sido und Bushido sorgen für Skandälchen. In: Hamburger Abendblatt; abgerufen am 24. März 2012
    13. a b Bericht auf il-canto-del-mondo.de
    14. Vom Dschungelkind zur World Vision-Botschafterin. Abgerufen am 8. Juli 2010.
    15. Wayne Carpendale (Memento vom 27. Juli 2011 im Internet Archive)
    16. Website Udo Lindenberg, aufgerufen am 21. Februar 2012.
    17. Liste der Botschafter auf den Seiten der UN-Dekade Biologische Vielfalt
    18. Peter Maffay – Vier Ehen
    19. Biografie – Stationen einer mehr als 30-jährigen Musiker-Karriere
    20. Kurzbericht. In: Berliner Zeitung, 10. April 1996
    21. PETER MAFFAY Scheidung, die dritte focus.devom 4. März 2000
    22. Maffay unter der Haube: Ich war 53 und sie 29. Spiegel Online, 26. Mai 2003
    23. bild.de
    24. RSH-Gold Verleihung 1993
    25. RSH-Gold Verleihung 1997
    26. RSH-Gold Verleihung 1999
    27. Bericht auf dem Landauer Stadtportal LD7.de & City-Tiger.de
    28. Josef Balazs: Peter Maffay erhält Humanitären Preis der Freimaurer. In: Siebenbürgische Zeitung, 22. November 2009. Abgerufen am 25. April 2012.
    29. dw-world.de
    30. dw.de
    31. Goldene Blume von Rheydt für Peter Maffay.
    32. ulm-news.de
    33. Peter Maffay Wenn das so ist
    34. Peter Maffay - Wenn das so ist Online Musikdatenbank, Stand: 19. Januar 2014.

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