The Kinks

  • The Kinks (engl. kinky ‚schrullig‘, ‚ausgeflippt‘; also ‚Die Schrulligen‘ oder ‚Die Ausgeflippten‘, außerdem Paronym von The Kings; also ‚Die Könige‘) sind eine englische Musikgruppe. Sie gelten neben den Beatles, The Who und den Rolling Stones als eine der erfolgreichsten britischen Bands der 1960er Jahre (British Invasion). Heute zählen die Kinks zu den Urvätern von Punk und Britpop.

    Werdegang

    Die Kinks wurden Ende 1963 in Nord-London von den Brüdern Ray und Dave Davies gegründet,

    Die frühen Langspielplatten der Gruppe (Kinks, Kinda Kinks, The Kink Kontroversy) waren für die Zeit typische unzusammenhängende Kollektionen von Hit-Singles, Coverversionen und selbstgeschriebenem Füllmaterial. Neben den Hits sind aus dieser Zeit (1964/65) vor allem Stücke bekannt wie die Ballade Stop Your Sobbing, das atmosphärisch-bedrohliche Nothin’ in the World Can Stop Me Worryin’ ’bout that Girl, der EP-Klassiker A Well Respected Man, das schräge I’m on an Island sowie die beiden B-Seiten Where Have All the Good Times Gone und I’m Not Like Everybody Else.

    Mit Face to Face entdeckten die Kinks 1966 die Langspielplatte als eigenständige Kunstform. Erstmals waren in einer atmosphärisch dichten Mischung ausschließlich Davies-Eigenkompositionen zu hören. Das Album enthält mit Dandy auch den einzigen Nr.-eins-Hit der Kinks in Deutschland.

    Eine auch von den Arrangements her noch abwechslungsreichere Kollektion an Liedern bot der Nachfolger Something Else by The Kinks von 1967. Allerdings war bei diesem Übergangs-Album auch ein gewisser Mangel an Zusammenhang festzustellen, der durch die uneinheitliche Produktion noch verstärkt wurde. Kurioserweise ist dieses Problem in der Stereo-Version des Albums viel offensichtlicher als in der Mono-Fassung, die folgerichtig auch für die remasterte Veröffentlichung auf CD verwendet wurde.

    1968 erschien das Konzeptalbum The Village Green Preservation Society. Das Album konnte sich damals kommerziell nicht neben den gleichzeitigen Veröffentlichungen der Beatles („White Album“) und der Rolling Stones (Beggars Banquet) durchsetzen, da das Publikum des umstürzlerischen Jahres 1968 an völlig anderen Themen interessiert war.

    1969 folgte mit Arthur (Or the Decline and Fall of the British Empire) ein weiteres Konzeptalbum. Es erzählte die Geschichte des Teppichlegers Arthur, der die Sinnlosigkeit seines Lebens erkennt, an Winston Churchill zweifelt und von der Flucht nach Australien träumt. Trotz eines interessanten Konzepts, weit weg vom Tommy-Glamour der Who, konnte das Album in musikalischer Hinsicht nicht an die Vorgänger anknüpfen.

    Im Jahr 1970 veröffentlichten die Kinks mit Lola versus Powerman and the Moneygoround, Part One nochmals ein Konzeptalbum, auf dem sich Ray Davies eigene Erfahrungen verarbeitend kritisch und zynisch mit den Gepflogenheiten und Zwängen der Musikindustrie auseinandersetzte. Musikalisch entfernte sich die Band von britischer Feinsinnigkeit und setzte mehr auf US-amerikanisch klingenden Stadionrock. Mit Lola und Apeman beinhaltete das Album zwei Single-Hits.

    Der Text von Lola galt zum Zeitpunkt der Veröffentlichung als anstößig, da Ray Davies über eine sexuelle Beziehung zwischen einem Transvestiten und einem heterosexuellen Mann sang – angeblich inspiriert von einem persönlichen Erlebnis. Aber nicht deshalb erwog die BBC das Lied auf den Index zu setzen, sondern wegen vermuteter Schleichwerbung für Coca-Cola in der einleitenden Strophe der Album-Version des Lieds: „…where you drink champagne and it tastes just like Coca-Cola…“. Für die Single-Version wurde deshalb „Coca-Cola“ durch „Cherry-Cola“ ersetzt. Im Jahr 2007 wurde das Stück in einem Werbespot für Coca-Cola verwendet.

    Nach dem Soundtrack für den Film Percy aus dem Jahr 1971 (eine Komödie mit Elke Sommer und Britt Ekland) erschien im gleichen Jahr das Album Muswell Hillbillies, das als eine der besten Veröffentlichungen der Band gilt: ohne Hitsingle, aber in sich geschlossen und stimmig, die Musik sehr US-amerikanisch und auf der Höhe der Zeit, lärmender Vaudeville-Rock mit Country-Anleihen zu melancholisch angehauchten Texten.

    1972 folgte Everybody’s in Show-Biz, das mit dem Kinks-Klassiker Celluloid Heroes die laut eigener Aussage beste Ballade von Ray Davies enthielt. Das Doppelalbum (ein Studio- und ein Livealbum) verkaufte sich beiderseits des Atlantiks schlecht, lediglich die am 5. Mai 1972 veröffentlichte Single Supersonic Rocket Ship erreichte in England Platz 16 der Charts.

    In den Jahren 1973 bis 1976 folgte eine Reihe von textlastigen Konzeptalben (Preservation Act 1/2, Schoolboys in Disgrace, Soap Opera), die in der Bewertung bei Fans und Kritikern umstritten sind und jeweils nur vergleichsweise niedrige Verkaufszahlen erreichten. Immerhin bekam Ray Davies zu dieser Zeit seine Drogen- und Alkoholprobleme in den Griff.

    Erst in den späten 1970er Jahren gelang den Kinks vor allem in den USA ein kommerzielles Comeback: Ray Davies – angeregt durch die mittlerweile erfolgreiche Punkmusik – erinnerte sich mit den Alben Sleepwalker (1977), Misfits (1978) und Low Budget (1979) an den kraftvollen, stringenten Sound der Anfangsjahre. Insbesondere letztgenanntes Album war in den USA ein großer Erfolg und erreichte dort Platz 11 der Albumhitparade. Eine Zusammenfassung der besten Stücke der letzten drei Alben findet sich auf dem 1980 erschienenen, live eingespielten Album One for the Road. In den 1980er Jahren folgten noch Give the People What They Want (1981) mit Art Lover, State Of Confusion (1983) mit den Hitsingles Come Dancing (Dezember 1982, letzter großer Erfolg in England und den USA) und Don’t Forget to Dance (Oktober 1983), Word of Mouth (1984) mit Do It Again sowie 1986 Think Visual, das Lost & Found und How Are You? enthielt.

    Schlagzeuger Mick Avory schied im Jahr 1984 aus. Er war stets das ruhige ausgleichende Element bei den ständigen Streitereien in der Band und der Studioarbeit, hatte aber schließlich genug von den Spannungen zwischen den Davies-Brüdern. Wesentlich für seinen Ausstieg war allerdings, dass Avory und Dave Davies übereinstimmend erklärten, nicht mehr miteinander arbeiten zu wollen. Sein Nachfolger wurde Bob Henrit, der zuvor – ebenso wie Jim Rodford – Mitglied der Band Argent war.

    1990 wurde die Band in die „Rock and Roll Hall of Fame“ aufgenommen.

    Die Kinks wurden zwar offiziell bis heute nicht aufgelöst, das letzte reguläre Studio-Album Phobia wurde jedoch 1993 veröffentlicht, zwei Studio-Aufnahmen gab es noch 1996 auf dem Album To the Bone, das ansonsten Liveaufnahmen und Neueinspielungen der größten Erfolge der Band enthält. Ein letztes Mal unter dem Namen „The Kinks“ trat die Band im Juli 1996 in Oslo beim Norwegian-Wood-Festival auf Die Namensrechte für The Kinks liegen bei den Brüdern Davies gemeinsam.

    Bassist und Gründungsmitglied Peter Quaife, der sich seit mehr als 10 Jahren wegen eines Nierenversagens einer Dialysetherapie unterziehen musste, starb am 23. Juni 2010.

    Diskografie

    Singles und EPs

    • {1}: In Großbritannien kam Long Tall Sally zwar nicht in die Hitparade der Zeitschrift Record Retailer, die heute als offizielle Hitparade gilt, wurde aber für eine Woche auf Platz 42 der Hitparade des Magazins Melody Maker notiert. In den USA kam Long Tall Sally erst Ende 1964 in die Charts, nachdem sich einige andere Kinks-Titel platziert hatten.
    • {2}: Ev’rybody’s Gonna Be Happy und Who’ll Be the Next in Line waren jeweils die A- und B-Seite einer Single für Europa. Diese Single wurde einige Monate später in Nordamerika mit einer vertauschten A- und B-Seite veröffentlicht.
    • {3}: U.S. Veröffentlichungen: The Village Green Preservation Society, 20th Century Man, One of the Survivors, Money Talks, Preservation, Starmaker, I’m in Disgrace, A Gallon of Gas, Catch Me Now I’m Falling, You Really Got Me (Live), Summer’s Gone und Rock ’n’ Roll Cities waren US-Singles. Einige von ihnen wurden auch in anderen Ländern veröffentlicht, nicht jedoch in Großbritannien.
    • {4}: GB-Veröffentlichungen: You Still Want Me, Lincoln County, Hold My Hand, Plastic Man, Drivin’, Shangri-La, Where Have All the Good Times Gone, Holiday Romance, Ducks on the Wall, You Can’t Stop the Music, No More Looking Back, Black Messiah, Moving Pictures, Pressure und Good Day waren allesamt Veröffentlichungen in Europa und wurden nicht in den USA auf den Markt gebracht.
    • {4a}: You Still Want Me war als zweite US-Single mit You Do Something to Me als Rückseite vorgesehen. Beide Stücke wurden zusammen mit den beiden Seiten der ersten US-Single als Bootleg-EP geringen Werts herausgebracht.
    • {5}: Europäische Veröffentlichungen: Wonder Where My Baby Is Tonight und Dandy wurden nur in Kontinental-Europa als Singles veröffentlicht.
    • {6}: Mr. Pleasant und Starstruck wurden nur in Kontinental-Europa und Nordamerika als Singles veröffentlicht.
    • {7}: Death of a Clown, Susannah’s Still Alive, Lincoln County und Hold My Hand waren Solo-Singles von Dave Davies. Diese Stücke wurden alle auf verschiedenen Kinks-Alben wieder veröffentlicht.

    DVDs

    • 2004: Return to Waterloo / Come Dancing with The Kinks
    • 2006: In Performance plus Bonusbuch
    • 2006: The Live Broadcoasts
    • 2007: Videobiography plus Bonusbuch
    • 2007: Live!

    Literatur

    • John Mendelssohn: The Kinks Kronikles. Quill, New York/N.Y. 1984 ISBN 0-688-02983-3
    • Johnny Rogan: The Kinks. A Mental Institution. Proteus Publishing Company, New York/N.Y. 1984 ISBN 0-86276-064-X
    • Jon Savage: The Kinks – The Official Biography. Faber and Faber Limited, London 1984 ISBN 0-571-13379-7
    • Jacques Vincent / Didier Delinotte: The Kinks. Librairies Parallèles, Paris 1993
    • Rebecca Bailey (Hrsg.): The Kinks. Reflections On Thirty Years Of Music. Trillium Publications, Kentucky 1994 ISBN 0-9640755-1-2
    • Neville Martin & Jeffrey Hudson: The Kinks – Well Respected Men. Castle Communications, Chessington / Surrey 1996 ISBN 1-86074-135-5
    • Thomas M. Kitts and Michael J. Kraus (Hrsg.): Living On A Thin Line: Crossing Aesthetic Borders With The Kinks. Illustrationen von Pete Quaife. Rock 'n' Roll Research Press, Rumford / Rhode Island 2002 ISBN 0-9641005-4-1
    • Andy Miller: The Kinks Are Village Green Preservation Society. Continuum International Publishing Group, New York/London 2003 ISBN 0-8264-1498-2
    • Peter Krause: The Kinks. A Rock 'n' Roll Fantasy. Parthas Verlag, Berlin 2006 ISBN 3-86601-432-5

    Weblinks

    Einzelnachweise

    1.  Böckem, Jörg: Ray Davies: ICH HABE EINEN TRAUM. In: Die Zeit. 17. Mai 2006
    2. www1.gitarrebass.de, abgerufen am 4. Dezember 2008.
    3. www.rockhall.com; Band-Biografie, abgerufen am 4. Dezember 1980
    4. a b rollingstone.com; Band-Biografie, abgerufen am 23. September 2014.
    5. Savage, John: The Kinks – The Official Biography, 1984, S. 17.
    6. Wace, in den Anfangsjahren einer von mehreren Managern der Kinks, hatte sich vorübergehend auch als Leadsänger versucht; vgl. Visitenkarte bei Savage, wie oben, S. 16, sowie: Tales of Ordinary Madness in: Mojo, March 2006, S. 72.
    7. John Savage, wie oben, S. 21.
    8. a b www.allmusic.com; Band-Biografie, abgerufen am 4. Dezember 1980.
    9. Song Review auf www.allmusic.com, abgerufen am 4. Dezember 2008.
    10. Joseph Murrells, Million Selling Records, 1985, S. 193 f.
    11. www.guardian.co.uk, abgerufen am 4. Dezember 2008.
    12. rollingstone.com (Memento vom 8. Dezember 2008 im Internet Archive), abgerufen am 27. September 2014.
    13. Mick Avory im Interview, besucht am 27. Oktober 2009.
    14. Rock and Roll Hall of Fame The Kinks in der Rock and Roll Hall of Fame.
    15. www.norwegianwood.no.
    16. Dave Davies Message Board, abgerufen am 27. Oktober 2009.
    17. pastemagazine.com, abgerufen am 27. Oktober 2009.
    18. Pete Quaife, original bassist for the Kinks, The Washington Post, 29. Juni 2010.

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