Tori Amos

  • Tori Amos (* 22. August 1963 als Myra Ellen Amos in Newton, North Carolina) ist eine US-amerikanische Pianistin, Sängerin und Songschreiberin. Sie wurde in den frühen 1990er Jahren vor allem durch ihre lyrischen und gefühlsbetonten Texte bekannt.

    Biografie

    Kindheit

    Tori Amos ist das dritte Kind von Mary Ellen und Methodisten-Pfarrer Edison Amos. Ihr Großvater mütterlicherseits ist Cherokee-Indianer. Bereits mit gut zwei Jahren begann Tori Amos Klavier zu spielen. Mit fünf erhielt sie ein Stipendium für das Peabody-Konservatorium für Musik. Dort wurde sie in klassischem Gesang und Klavier ausgebildet und strebte eine Karriere als Konzertpianistin an. Mit elf Jahren brach sie ihre Ausbildung ab und widmete sich der Pop- und Rockmusik der Beatles, von Jimi Hendrix oder Led Zeppelin. Mit 13 Jahren bekam sie ihren ersten Job als Pianistin in einem Club in Georgetown. Die nächsten 13 Jahre spielte sie in verschiedenen Nachtclubs, wobei sie die ersten Jahre von ihrem Vater als Aufpasser begleitet wurde.

    Erstes Album

    Nach Jahren mit erfolglosen Demo-Bändern beschloss sie im September 1984 nach Los Angeles zu ziehen, um ihre Karriere zu beschleunigen. 1985 gründete sie gemeinsam mit dem Schlagzeuger Matt Sorum die Gruppe Y Kant Tori Read, die bis 1987 bestand. 1986 erhielt sie einen Plattenvertrag bei Atlantic Records; 1988 erschien ihr erstes Album mit dem Titel Y Kant Tori Read. Die Marktstrategie machte aus ihr eine Rockmusikerin à la Joan Jett oder Pat Benatar, und Präsentation wie Musik hatten wenig mit der späteren Tori Amos gemeinsam. Y Kant Tori Read verkaufte sich 7000 Mal, und das Plattenlabel verlor trotz Vertrag vorerst das Interesse an ihr.

    Erste Erfolge: die 1990er-Jahre

    Ihre neuen, sehr klavierlastigen Lieder fanden bei den Labelmanagern zunächst keinen Anklang, man schickte sie nach England, um zu sehen, ob die neuen Lieder beim Publikum eine Chance hätten. Im Dezember 1990 wurde sie von Max Hole von Universal Music Group entdeckt. eine schlichte A-cappella-Aufnahme ohne jegliche Instrumentalbegleitung, war 1991 die erste Veröffentlichung unter dem Namen Tori Amos und wurde auch ihr erster Chart-Erfolg.

    Im gleichen Jahr folgte die Veröffentlichung von Silent All These Years in Großbritannien. Der zweite Hitparaden-Erfolg brachte Tori Amos in einer großangelegten Werbekampagne zurück in die USA, um 1992 ihr Album Little Earthquakes zu präsentieren. Dieses Album war ein großer Erfolg. Das folgende Album Under the Pink erschien 1994, konnte den kommerziellen Erfolg von Little Earthquakes übertreffen und brachte ihr mit der Auskopplung Cornflake Girl einen Top-Ten-Hit in Großbritannien ein. Dieses Album produzierte sie zusammen mit Eric Rosse in der Wüste von New Mexico, geschrieben wurde es jedoch größtenteils in London. Das Werk reflektierte das Leben der russischen Prinzessin Anastasia, der Schriftstellerin Alice Walker sowie der Künstlerin Georgia O’Keeffe. Zum ersten Mal kam hier der für sie charakteristische Bösendorfer-Flügel zum Einsatz, der ihre Karriere bis heute begleitet. Wie bei dem Vorgänger gab es auch bei diesem Album schwerwiegende Konflikte mit dem Plattenlabel; Amos drohte sogar damit, sämtliche Mastertapes zu vernichten. Grund dafür war, dass die minimalistischen Lieder nicht sonderlich massenkompatibel waren.

    Mit dem 1996er Album Boys for Pele brachte sie auch Harmonium und Cembalo auf die Bühne. Amos und Rosse trennten sich nach einer siebenjährigen Beziehung; sie waren sowohl Lebenspartner als auch Arbeitskollegen, da Rosse als ihr Co-Produzent fungierte. Aufgenommen wurde das Album in einer Kirche in Delgany in Irland; es hat einen düsteren Klang und sehr kryptisch wirkende Texte. Rechtzeitig für die MTV-Unplugged-Serie arbeitete sie wieder mit dem langjährigen Freund Steve Caton zusammen und trat erstmals als Tori Amos „Plugged“ auf. Der kommerzielle Erfolg von Boys for Pele hielt sich bis auf den House-Remix von Professional Widow in Grenzen. Eine zweite Fehlgeburt ließ Amos 1998 depressiv werden. Musikalisch machte sich das auf dem Album From the Choirgirl Hotel deutlich bemerkbar. Am 22. Februar 1998 heiratete sie ihren Toningenieur Mark Hawley, der seit 1994 für den Ton bei ihren Konzerten verantwortlich ist. Nun trat sie nicht nur mit Band auf (John Evans (Bass), Steve Caton (Gitarre), Matt Chamberlain (Schlagzeug)), sondern spielte auch noch Synthesizer und Klavier. Begleitet von aufwändigen Lichteffekten glichen ihre Konzerte nun eher konventionellen Rockkonzerten. Das 1999 erschienene Live-/Studio-Album To Venus and Back zeugt von dieser Zeit.

    Seit einem Zerwürfnis 1998 war Tori Amos bestrebt, ihre Plattenfirma Atlantic Records zu verlassen. Ihr erklärter Wille, bei Atlantic keine neuen Stücke zu veröffentlichen, mündete schließlich in dem Konzeptalbum Strange Little Girls. Mit diesem ausschließlich aus Coverversionen bestehenden Album erfüllte sie ihren Vertrag und wechselte zu Epic Records. In Strange Little Girls geht es um Lieder, die von Männern über Frauen geschrieben werden. Tori Amos nimmt dabei die Position der jeweils besungenen Frau ein. Die einzige Single Strange Little Girl wurde aufgrund eines Urheberrechtstreits bezüglich der CD-Hülle wieder vom Markt genommen. Gitarrist Steve Caton wurde bei dieser Studioaufnahme durch den King-Crimson-Gitarristen Adrian Belew ersetzt.

    Nach 2000

    Unter dem Einfluss der Terroranschläge am 11. September 2001 entstand ihr Album Scarlet’s Walk. Erstmals geht es dabei weniger um ihre eigenen als um die Gefühle anderer Menschen. Thematisiert wird die fiktive Person „Scarlet“ und ihre Reise durch die Vereinigten Staaten. Scarlet’s Walk konnte mit A Sorta Fairytale auch wieder einen Radio-Hit in den Vereinigten Staaten vorweisen. Die Veränderung in Amos' Leben durch die Geburt ihrer Tochter am 5. September 2000 spiegelt sich auch in ihrer Musik wider. Im Februar 2005 erschienen sowohl ihr Album The Beekeeper wie auch ihr erstes Buch Piece by Piece. Am 27. April 2007 erschien mit American Doll Posse ein neues Studioalbum. Auf diesem Album schlüpft Amos in fünf verschiedene Frauenfiguren: Sie singt als „Tori“, als „Isabel“, als „Clyde“, als „Pip“ und als „Santa“. 2008 erschien ein von Tori Amos initiierter Comic-Band, Comic Book Tattoo, Vol. 1. In diesem Buch beschäftigen sich verschiedene Comic-Autoren mit Amos' Songs. Das Buch besteht aus zahlreichen illustrierten Kurzgeschichten. Tori Amos steuerte ein Vorwort bei.

    Im Mai 2009 erschien das Album Abnormally Attracted to Sin. Es behandelt die Definition von „Sünde“ und wie diese oft missbraucht wurde, um Menschen, besonders Frauen, zu unterdrücken. Begleitend zu dem Album erschienen 18 Musikvideos zu den Songs, welche dem Hörer näherbringen sollen, wovon das jeweilige Lied handelt. Am 27. November 2009 erschien Tori Amos' Weihnachtsalbum mit dem Titel Midwinter Graces. Dieses soll, so Amos, nicht als klassisches Weihnachtsalbum gesehen werden, da es nicht nur die christliche Mythologie behandelt, sondern versucht, alle religiösen Mythologien mit einzubeziehen.

    Am 16. September 2011 erschien Amos Album Night of Hunters, diesmal beim Label Deutsche Grammophon. Das Album besteht aus 14 Stücken, deren Melodie sich jeweils an ein klassisches Werk anlehnt. In vier Songs singt Amos im Dialog mit ihrer Tochter, die zum Zeitpunkt der Aufnahmen zehn Jahre alt war. Die Tochter übernahm die Rolle der Göttin Anabelle, die das Album konzeptionell zusammenhält, und ist auch im Booklet sowie im Video zur ersten Auskopplung Nautical Twilight gemeinsam mit ihrer Mutter zu sehen. Amos erklärte, sie sei bei der Arbeit an diesem Album wie eine Architektin vorgegangen: "Manchmal gehe ich die Straße entlang und plötzlich formen sich in meinem Kopf geometrische Strukturen und ich beginne sie zu hören – es hat etwas von akustischer Architektur."

    Sonstiges

    Amos war 1994 Mitbegründerin von RAINN (Rape, Abuse and Incest National Network), der bis heute einzigen US-weiten kostenlosen Notrufhotline für Vergewaltigungsopfer, insbesondere für Frauen und Kinder.

    Zu Amos Markenzeichen gehört ihr Bösendorfer-Flügel sowie ihre Vorliebe für High-Heels. Ausgefallene und mitunter derbe und provozierende Auftritte während Interviews verhalfen ihr zu dem Ruf, eine Exzentrikerin zu sein.

    Diskografie

    Soundtracks und Filmmusik

    • 1992 Toys

    In dem Film Toys wird The Happy Worker von Tori Amos gespielt. Das Stück findet sich auch auf dem Soundtrack wieder.

    • 1996 Twister

    Der Soundtrack des Katastrophenfilms enthält ihren Song Talula. Das Lied wurde dafür extra neu abgemischt und war nun als Tornado Mix auf den Singles und dem Re-Release von Boys for Pele enthalten.

    • 1998 Great Expectations

    Der Song Siren von Tori Amos findet sich auf dem Soundtrack des Films Große Erwartungen mit Gwyneth Paltrow und Ethan Hawke.

    • 2000 Mission: Impossible II

    Der Song Carnival von Tori Amos findet sich auf dem Soundtrack des Films Mission Impossible II.

    • 2000 Here on Earth

    1.000 oceans

    • 2001 Higher Learning – Die Rebellen

    Tori steuert neben einer Cover-Version des im Original von R.E.M. stammenden Losing My Religion auch das Stück Butterfly bei.

    • 2003 Mona Lisas Lächeln

    Dort hat sie einen Kurzauftritt als Sängerin einer 50er-Jahre-Big Band bei einer Hochzeitsfeier und singt Murder He Says von Jimmy McHugh und Frank Loesser. Für den Soundtrack nahm sie dieses Lied sowie You Belong to Me von Jo Stafford neu auf.

    • 2005 Snow Cake

    Der Song Northern Lad aus ihrem Album From the Choirgirl Hotel wurde während einer romantischen Szene gespielt. Einen Soundtrack zu diesem Film gab es jedoch nie. Im Abspann wurde sie nicht als Tori Amos, sondern bei ihrem bürgerlichen Namen Myra Ellen Amos genannt.

    Literatur

    • Tori Amos, Ann Powers: Piece by Piece. Broadway Books, New York 2005, ISBN 0-7679-1676-X.
      • deutsche Übersetzung: Seelentanz. Iron Pages, Berlin 2007, ISBN 3-931624-42-0.
    • Tori Amos, Rantz A. Hoseley: Comic Book Tattoo. Image Comics, Berkeley 2008, ISBN 978-1582409658.

    Weblinks

    • Literatur von und über Tori Amos im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
    • Offizielle Website (englisch)
    • Tori Amos. In: FemBio. Frauen-Biographieforschung (mit Literaturangaben und Zitaten).

    Einzelnachweise

    1. http://www.welt.de/kultur/pop/article128061238/Die-NSA-kennt-keines-meiner-Kuchenrezepte.html
    2. http://www.healthyplace.com/abuse/escaping-hades/how-tori-amos-survived-rape/menu-id-818/
    3. (sie spricht darüber)
    4. http://www.rtl.de/cms/unterhaltung/musik/tori-amos-im-interview-teil-2-1be4f-a0c2-24-927048.html
    5. Homepage Echo Klassik
    6. Chartquellen: DE AT CH UK US
    7. Verkäufe von Y Kant Tori Read

    Der Text ist unter der Lizenz "Creative Commons Attribution/Share Alike" verfügbar. Zusätzliche Bedingungen können anwendbar sein. Einzelheiten sind auf der Seite von Creative Commons beschrieben. Ursprüngliche(r) Autor(en) des verwendeten Textes.