Joshua Bell feat. Straight No Chaser

  • Straight No Chaser (zunächst auch Straight, No Chaser) ist ein Jazzstandard, den Thelonious Monk komponierte und 1951 veröffentlichte. Es handelt sich um eine der am häufigsten gecoverte Kompositionen von Monk. Straight No Chaser ist auch der Titel eines Columbia-Albums, das Orrin Keepnews 1989 als Soundtrack für den gleichnamigen Monk-Film in der Regie von Charlotte Zwerin produzierte. Der Titel ist eigentlich für Getränkebestellungen gebräuchlich und bedeutet so viel wie „Pur, ohne Soda.“

    Aufbau und Struktur der Komposition

    Straight No Chaser ist ein zwölftaktiger Jazzblues, der mit drei Harmonien auskommt (Bb7, Eb7, F7) und auf Durchgangsakkorde verzichtet. Die Melodie besteht im Wesentlichen aus einem nur drei Taktschläge langen, aufsteigenden Blues-Motiv (f-b-cis-d), das immer wieder neu ansetzt. „Der Grundton b dieser Figur fällt zunächst auf den ersten und vierten Taktschlag, die Phrase kommt nach der Abrundung es-c zum Halt. Im nächsten, viertaktigen Anlauf (Takt 3 bis 6) fällt der Ton b wiederum in scheinbarem Dreivierteltakt auf die Taktschläge 1 und 4 (in Takt 3), dann auf die 3 (in Takt 3) und die 2 (in Takt 5).“ Wiederum wird die Phrase nur bis zum c geführt. Das Motiv wird noch ein drittes Mal aufgenommen, von Takt 7 bis Takt 12. Nun setzt die Figur einen Taktschlag später ein, das b fällt auf die 2 in Takt 7 und auf die 1 und die 4 in Takt 8. Erst in Takt 11 liegt es „nach einem langen chromatischen Achtelnoten-Aufstieg (von f bis es)“ wieder auf dem ersten Taktschlag. Erst in dieser Durchführung findet das Motiv auch sein harmonisches Ziel mit dem Schlusston d.

    Diese Komposition gilt in der Jazzforschung als ein Musterbeispiel für den Kompositionsstil von Monk.

    Erste Einspielungen

    Das Stück wurde zunächst am 23. Juli 1951 für Monks Album Genius of Modern Music aufgenommen; es erschien auch auf Single (A-Seite war Four in One, Blue Note 1589)

    Rezeptionsgeschichte

    Cannonball Adderley war der erste Musiker, der Monks Komposition aufgriff und 1958 in einer sehr „relaxten Weise“ einspielte.

    „Die außergewöhnliche Komposition inspirierte Stilisten aller Lager – vom Swing-Tenoristen Ben Webster über den Bebop-Klarinettisten Buddy DeFranco bis hin zum Trompeten-Lyriker Chet Baker.“

    Ben Sidran schrieb 1986 einen Text zu der Komposition, bei dem er das Formprinzip der Komposition sprachlich wiederholte. Für die Töne f-b-c-d stehen dabei die Worte „You better look out“. Diesen Text interpretierte auch Karrin Allyson.

    Literatur

    • Hans-Jürgen Schaal (Hrsg.) Jazz-Standards. Das Lexikon; Bärenreiter, Kassel, 2004 (3. Auflage); ISBN 9783761814147

    Einzelnachweise

    1. a b c Straight No Chaser bei jazzstandards.com
    2. a b c d e f H.-J. Schaal, Jazz-Standards, S. 475
    3. „Monk employed simple compositional devices with very original results. His Straight, No Chaser involves basically only one idea played again and again, each time in a different part of the measure and with a different ending.“ – Mark C. Gridley: Jazz Styles: History and Analysis. Prentice Hall 2002. ISBN 0130992828.
    4. a b c d Monk-Diskographie
    5. a b c H.-J. Schaal, Jazz-Standards, S. 476
    6. Vgl. Schaal, S. 476 und das Songporträt bei jazzstandards.com.
    7. a b c H.-J. Schaal, Jazz-Standards, S. 477

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